Hamburg Landungsbrücken

Und auf einmal ist alles anders...

Oder: Marathontraining in Zeiten von Corona...

Die Ziele waren gesteckt, das Training lief super und die Motivation war nahezu grenzenlos. Und dann kam Corona. Alle großen Sportevents – darunter der Haspa Marathon Hamburg – abgesagt. Ratlose Gesichter bei unseren drei verbleibenden Marathon-Anwärtern Anna, Söhnke und Matthias (Laura musste verletzungsbedingt leider vorerst aufhören) sowie Coach Nils.

Plan B musste also her: Das neue Ziel hieß nun "Virtueller Halbmarathon" am Sonntag, 19.04.2020 – der Tag, an dem eigentlich der Haspa Marathon Hamburg stattfinden sollte. Die Trainingspläne wurden umgeschrieben und die Motivation kam zurück.

Wie es unseren (Halb-)Marathonis ergangen ist, berichten sie euch im Folgenden selbst. Wir freuen uns sehr, dass alle so gut drangeblieben sind und für sich das Beste aus der momentanen Situation herausholen konnten. Leute, ihr könnt stolz auf euch sein! Und eines ist sicher: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – ihr werdet den Haspa Marathon Hamburg noch finishen. Und wir werden dabei sein. :-)

Jetzt aber erst mal viel Spaß beim Lesen...

 

Matthias

Matthias Portrait

So, das war dann das „vorläufige“ Ende des Projektes Hamburg Marathon. Wie es weiter geht, kann heute wohl noch keiner sagen! Am 13.09.2020 starte ich (sofern alles klappt) beim Halbmarathon in Kopenhagen.

Es war mir auf jeden Fall ein Fest mit Euch und ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns mal wieder über den Weg laufen.

Das strukturierte Training nach Plan hat mir gezeigt, was noch alles möglich ist und wo meine Defizite liegen (vielen Dank Nils).

Wie wichtig das Thema Eigen- und Fremdmotivation ist, wurde in dieser Zeit mehr als deutlich. Nach der Absage diverser Läufe war die eigene Motivation im Keller. Lediglich der (abgespeckte) Trainingsplan (auch wenn ich ihn nicht 1:1 umgesetzt habe) hat zumindest für einen gewissen Motivationsschub gesorgt. Sonst wären sub2 am letzten Sonntag nicht möglich gewesen.

Es ging von dem Bauernhof, wo ich wohne (Klosterhof Lindern), über Neuenburg und Zetel in die Zeteler Marsch. Bei bestem Wetter und wenig Wind dann nach der Hälfte wieder auf demselben Weg zurück. Komischerweise fehlten zurück 500 m, sodass ich noch eine kleine Extra-Runde drehen musste.

Auf der Strecke lief es eigentlich ganz gut. Wie immer die ersten beiden Kilometer viel zu schnell gestartet (5er Schnitt). Dann meinen Tritt gefunden. Beim Wettkampf hangele ich mich sonst immer von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt. Das fiel ja nun aus. Spart aber auch Zeit, da ich dort sonst auch Tempo rausnehme. Dank Trinkrucksack musste ich aber nicht verdursten. Ab Kilometer 14 fing der linke Oberschenkel an zu zwacken. Egal, das Ziel war sub2. Also Zähne zusammengebissen und durch. Dass am Ende 500 m fehlten, tat nochmal weh, da mein Zieleinlauf sich jetzt verschob.

Die Party an der Strecke fehlte schon. Gerade der Teil an den Landungsbrücken pusht immer so schön.

Ob ich nochmal einen Versuch unternehmen werde, einen Marathon unter 4 Std. zu finishen, bezweifle ich aktuell. Meine Ziele verschieben sich doch ein wenig. Eventuell nochmal den Halbmarathon unter 1:50 laufen.

Ansonsten geht es zu Events, die sich abseits des Mainstreams bewegen: 24h Traildorado (kann ich jedem empfehlen), Hyrox im Battlemodus gegen meine Söhne, 6h um den Sander See rennen oder einen Volkstriathlon.

Dem BKK Mobil Oil Team möchte ich nochmal DANKE sagen. Macht diese Aktion unbedingt wieder möglich.

 

Söhnke

Soehnke Portrait

Zunächst herzlichen Dank dem BKK Mobil Oil Team für die tolle Organisation und dieses tolle Angebot. Und natürlich Nils für das großartige, motivierende Training – trotz der Corona-Absage, echt mega!

Ich kann mich Matthias nur anschließen: Es ist schon erstaunlich, was man aus einem etwas eingerosteten Büro-Körper so alles rausholen kann. Innerhalb weniger Wochen konnte ich mich durch das individuelle Training von ca. 10 km auf fast 30 km steigern, alles ohne Verletzungen oder nennenswerte Infekte. Besonders erstaunt hat mich, dass sich durch den gezielten Einsatz des Trainings, Gels, Mobility und Co. selbst Erschöpfung oder Muskelkater auch nach langen Läufen in Grenzen hielten.

Schon Mitte März spürte ich die Sicherheit: Der Marathon sollte auf jeden Fall in einer besseren Zeit als der erste vor 2 Jahren klappen!

Der Corona-Shutdown und die Absage waren natürlich Downer :-( Richtig cool fand ich es von Nils, dass er das Training dennoch weitergeführt hat – und die BKK Mobil Oil die Vorbereitung auf den Ausweichtermin zugesagt hat. Das hat wieder Schub gegeben.

Highlight war dann der Alone-Halbmarathon gegen die Uhr mit der Aktion #runyourownblueline. Ich bin um die Außenalster gelaufen – meine Lieblingsstrecke. :-) Verpflegt habe ich mich mit Gels. Mein kleiner Neffe ist nebenher geradelt und hat mir die Gels und Getränke gereicht – ich hatte also ein kleines Versorgungsfahrzeug  Es lief ziemlich gut. Immer wenn man andere Läufer getroffen hat, gab es Applaus und aufmunternde Rufe – natürlich mit Abstand. :-) Der HM in unter 2 Stunden war so ein Klacks.

Danke an alle, ich freue mich schon auf Runde 2. Der Marathon unter 4 Stunden bleibt weiter das Ziel!

Anna

Anna Portrait

Auch von mir gibt es einen kleinen Bericht der letzten 12 Wochen. Für mich hat sich mit dem Training einiges geändert. Ich laufe zwar auch bereits seit 2012, bin schon einige Halbmarathons gelaufen und mache seit 2017 beim Lauftreff mit, aber eine Uhr besaß ich nie und habe auch nie fokussiert trainiert. Mein Ziel war es immer, irgendwie anzukommen und das hat sich natürlich auch in meinen Zeiten widergespiegelt.

Anfänglich war es schon eine Umstellung, so oft und so regelmäßig trainieren zu "müssen". Dabei hat mich nicht unbedingt das viele Training an sich, sondern das ständig schlechte Wetter gestört. Ich glaube 90 % meiner langen Läufe habe ich im Regen oder bei Sturm absolviert.

Aber wie auch Söhnke bereits geschrieben hat, finde ich es nach wie vor faszinierend, dass man mit dem richtigen Training in so kurzer Zeit solche Erfolge verzeichnen kann. Am Anfang hätte ich nie gedacht, solche Strecken laufen zu können und das auch noch verletzungsfrei und ohne großen Muskelkater. Auch war ich in der gesamten Zeit nicht einmal krank oder habe mich unfit gefühlt.

Es lief eigentlich alles gerade so richtig gut, da kam die Absage des Haspa Marathons, die natürlich für uns alle ein herber Rückschlag war. Auch meine Motivation ging mit einem Mal gänzlich gegen 0. Ich glaube, eine Woche bin ich erstmal gar nicht laufen gewesen, aber nachdem Nils die Trainingspläne weitergeschrieben hat, habe ich mich wieder aufgerafft und das war auch gut so.

Ich für mich kann sagen, dass ich – auch ohne den Marathon gelaufen zu sein – durch das Training andere Ziele erreicht habe. Nach gerade einmal 6 Wochen bin ich das erste Mal 30 km in meinem Leben gelaufen – und das nicht mal so langsam, wie ich es erwartet hätte. Ostern standen dann 1000er und 2000er Wechsel bei bestem Wetter auf dem Programm und ich dachte zunächst, Nils hätte sich bei der Pace vertan. Aber irgendwie habe ich auch das geschafft und bin mit 52:56 die schnellsten 10 km meines Lebens gelaufen.

Gekrönt wurde das Ganze dann natürlich mit meinem ersten Halbmarathon unter 2 h (1:57:00) – und das ganz alleine, nur mit meiner Uhr. Ich bin zweimal um die Alster gelaufen und das bewusst am Montag Vormittag, da es mir sonntags einfach überall zu voll in Hamburg ist und man keine Chance hat, 2 m Abstand zu halten. Da ich in der Woche zuvor erkältet war und noch immer etwas Halsschmerzen habe, hatte ich mich drauf eingestellt, dass es nicht super wird, bin dann aber erstmal mit meiner gewünschten 5:40 Pace gestartet. Und dann lief es irgendwie. Ich habe mich gut gefühlt und irgendwie war es auch mal ganz entspannt, ohne Druck und einfach nur für sich zu laufen. Ich hatte meine letzten zwei Gels in der Tasche und bin zum Trinken auf die öffentliche Toilette an der Alster gegangen, weil ich leider zwecks der geschlossenen Läden noch immer keinen Trinkrucksack besitze. Bei meinen sonstigen Halbmarathons hatte ich immer mit Seitenstechen zu Beginn zu kämpfen oder mir ging bei Kilometer 15 die Kraft aus, sodass ich langsamer laufen musste und Montag bin ich konsequent meine Pace durchgelaufen und habe mich die ganze Zeit super gefühlt. Auch der Muskelkater am nächsten Tag hielt sich in Grenzen. :-)

Insgesamt kann ich nur sagen, dass es eine super tolle Sache war/ist, uns dieses Training zu ermöglichen. Auch die Treffen in der Gruppe haben super viel Spaß gemacht und das Gruppengefühl hat zusätzlich motiviert.

Abschließend möchte auch ich der BKK Mobil Oil und vor allem Nils für diese tolle Möglichkeit danken! Auch wenn es in den Sternen steht, ob der Haspa Marathon am 13.09.2020 wirklich stattfinden kann, hoffe ich sehr, das eigentliche Ziel – einen ganzen Marathon zu laufen – doch noch zu erreichen.

Danke an alle und bis ganz bald.

Laura

Laura Portrait

Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Finishen eures Halbmarathons!! Super Leistung, ihr Lieben! Matthias, Söhnke und Anna haben einfach mal locker und flockig die 21 km gerockt. :-) Statt laufen habe ich gestern 80 km mit dem Rennrad gedreht und versuche, so wieder langsam an Kondition zu gewinnen.

Was das Laufen angeht: Es geht bergauf, in laaangsamen Schritten. Aber ich freue mich, dass ich seit ca. 3 wochen schmerzfrei bin. Nun muss ich tatsächlich das Laufen wieder erlernen, ein ganz komisches Gefühl, aber nun ja! Ich baue in meiner Walking-Runde nun regelmäßige Laufschritte mit ein, langsam und bewusst mit positivem Denken & DEHNEN DEHNEN DEHNEN.

Liebe Grüße an alle!

Und was sagt der Coach?

Gruppenbild mit Nils

Das war er also, der Hamburg Marathon 2020 1.0. Die erste Hälfte der 12-wöchigen Marathon Vorbereitung des BKK Mobil Oil Teams lief nahezu perfekt. Anna, Matthias und Söhnke waren mehr als on track, auch wenn Anna als Marathon Rookie besonders unter den regnerischen, stürmischen Long Runs litt – das Gemeine der Vorbereitung auf den Hamburg Marathon sind sicher die „fiesen“ Monate Januar bis März. Mit dem ersten absolvierten 30 km-Lauf, den alle drei mit Bravour erledigten und z.T. über sich selbst überrascht waren, wie leicht und locker dieser ging, kam dann aber die große Unbekannte, die uns seitdem alle fest im Griff hat – Covid 19.

Recht schnell war klar, dass der Marathon nicht wie geplant stattfinden würde. Just zu dem Zeitpunkt, als alle drei Marathonmaschinen angesprungen waren. Was also tun? Aus Trainer Sicht war/ist die Gesundheit natürlich das Wichtigste und so sollten alle drei besonders in sich hineinhorchen und entscheiden, was sie sich zutrauen wollten. Ganz klar sollte nicht mehr ans Limit gegangen werden, um das jetzt so wichtige Immunsystem nicht unnötig zu schwächen. Auf der anderen Seite sollte natürlich die tolle Arbeit der letzten Wochen und v.a. die Eigendynamik, die sich bei allen dreien mittlerweile eingestellt hatte, nicht gestoppt werden. Ziel war also, den Plan angepasst durchzuziehen und am 19.04. einen Halbmarathon für sich selbst zu laufen. Ich sah bei allen dreien das Potential, dies deutlich unter 2 Stunden zu schaffen, auch ohne Zuschauer und Wettkampfatmosphäre.

Die Ergebnisse und Erfahrungen sprechen für sich und zeigen wieder einmal, zu was man imstande ist mit 3 bis maximal 4 Läufen pro Woche, wenn die Struktur und die Motivation stimmen.

Ich bin mir sicher, dass alle drei bzw. dann vier, denn auch Laura ist mittlerweile wieder gesund, beim Hamburg Marathon 2.0 ihre Ziele erreichen werden. Ob dies tatsächlich am 13.09.2020 schon der Fall sein wird oder dann im kommenden Frühjahr, das kann zur Zeit sicher niemand wissen. Auf alle Fälle bin ich nach den tollen Halbmarathons der drei heiß auf die Verlängerung bzw. Wiederaufnahme dieses tollen Projekts und freue mich jetzt schon wieder darauf, die Truppe fit zu machen – diesmal dann für die klassischen 42,195 km.

Super gemacht Anna, Söhnke und Matthias!