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Familie 04/2019
Mutter legt Baby schlafen
© LightFieldStudios / Getty Images

Kleines Kind, großes Geschrei? So lernt Ihr Baby schlafen

Wie viel Schlaf braucht ein Säugling? Warum schreit mein Baby jeden Abend und schläft nicht mehr durch? Expertin Dr. Daniela Dotzauer hat Tipps, wie Mütter und Väter ihrem Nachwuchs beim Ein- und Durchschlafen helfen können.

„Alle Mütter und Väter wünschen sich guten Schlaf für ihr Baby, doch nur wenige kennen sich mit dem altersgemäßen Schlafverhalten von Kindern aus – so ist es schwierig, den Nachwuchs angemessen beim Ein- und Durchschlafen zu unterstützen“, sagt Ärztin und Eltern-Kind-Beraterin Dr. Daniela Dotzauer. Die Schlafexpertin erzählt, dass viele Eltern ratlos sind, wenn der noch eben „pflegeleichte“ Säugling nachts plötzlich alle zwei Stunden schreit – dabei sei das eine völlig normale Entwicklung. „Entscheidend ist das Vermögen, ein Verhalten dem Alter entsprechend einzuordnen und dann so darauf zu reagieren, dass das Kind im Laufe des ersten Lebensjahres nach und nach lernt, ohne die Hilfe der Eltern ein- und weiterzuschlafen.“ Doch wie funktioniert das?

Kleine Säuglinge: Schlafen geht ganz leicht

Schlafberaterin Daniela Dotzauer
Schlafexpertin Dr. Daniela Dotzauer
© privat

„In der Zeit nach der Geburt bis etwa zum vierten Lebensmonat sind Kinder tagsüber etwa ein bis zwei Stunden wach und schlafen dann wieder eine Weile, sodass sich in diesem Alter meist vier Tagesschläfchen ergeben“, erklärt Dr. Dotzauer. „Regelmäßige Schlafphasen sind jetzt äußerst wichtig, um zu vermeiden, dass das Kind überreizt wird. Eltern sollten wissen, dass kleine Babys viel leichter schlafen, wenn sie nicht allzu müde sind. Denn: Ein müdes Kind regt sich leicht auf und ein aufgeregtes Kind ist weit weg von Entspannung und Schlaf.“ Nachts wachen die Kleinen üblicherweise nur auf, wenn sie Hunger haben. Anders am Tag: „In den ersten Monaten herrschen tagsüber Leichtschlafphasen vor, die dafür sorgen, dass das Kind häufig erwacht.“ Hinzu kommt, dass es manchmal „Mischzustände“ gibt, zum Beispiel wenn das Kind beim Trinken einschläft und noch nicht richtig satt war – es wacht dann irgendwann hungrig auf, obwohl es noch gar nicht ausgeschlafen ist.

Was können Eltern tun, um dem Kind das Wiedereinschlafen zu erleichtern? Dr. Dotzauer erläutert: „Kleine Säuglinge können sich noch nicht allein beruhigen, sie brauchen die Hilfe der Eltern. Wichtig ist, dass diese Hilfe schnell kommt, bevor die Situation eskaliert. Verpasst man den richtigen Zeitpunkt, wird es umso schwieriger, das Kind wieder zu beruhigen.“ Beim Zwischenerwachen sei es wichtig, die Schlafstimmung möglichst aufrechtzuerhalten. Eltern sollten also rasch beim Kind sein und es sanft beruhigen, etwa indem sie leise „schschsch“ machen, den Schnuller geben, es sanft bewegen und eventuell die Schlafposition verändern, da das Kind sich noch nicht allein umdrehen kann.

„In dieser ersten Lebensphase sollte das Kind lernen: Schlafen geht ganz leicht“, fasst die Ärztin zusammen. „Aufgabe der Eltern ist es, hierfür die Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu ist es hilfreich, frühzeitig die Wachzeit zu begrenzen. Außerdem sollte das Stillen nicht direkt vor der Einschlafzeit stattfinden, sondern mit einem kleinen zeitlichen Abstand, damit das Kind nicht das Stillen mit dem Einschlafen verbindet. Um dem Kind das Einschlafen zu erleichtern, sollte man am besten schon jetzt beginnen, eine Routine zu entwickeln, die man später altersgerecht anpassen kann. Dazu gehört es, das Kind ‚runterzukuscheln‘, es sanft zu wiegen, leise zu sprechen, vielleicht zu singen und es so in den Schlaf zu begleiten.“

Halbjährige Babys: Weiterschlafen ist kein Problem

Typisch für dieses Alter ist das häufige nächtliche Erwachen.

Dr. Daniela Dotzauer

Ein Baby im Alter von fünf bis sieben Monaten schläft meist drei Mal am Tag und hält schon etwas länger wach durch. „Typisch für dieses Alter ist das häufige nächtliche Erwachen“, weiß Dr. Dotzauer. „Das ist ganz normal, denn wie bei uns Erwachsenen wechseln sich auch bei Babys Leicht- und Tiefschlafphasen ab. In diesem Schlafphasenwechsel, also ungefähr alle zwei Stunden, erwachen die Kinder und vergewissern sich, ob noch alles in Ordnung ist. Dabei vergleichen sie die Erwachens- mit der Einschlafsituation und sind irritiert, wenn sie voneinander abweichen – zum Beispiel weil sie auf dem Arm eingeschlafen sind und nun im Bettchen liegen. Dann werden erst mal Mama oder Papa herbeigerufen, damit sie beim Wiedereinschlafen helfen. Dabei sollten Mütter nicht grundsätzlich bei jedem Erwachen sofort mit Stillen reagieren – das funktioniert zwar, hat aber den Haken, dass das Kind nur noch an der Brust einschlafen kann und keine anderen Beruhigungsstrategien geübt werden.“

Eltern sollten dem Kind jetzt Stück für Stück beibringen, wie das Einschlafen mit weniger Elternunterstützung gelingen kann. „Das lehrt man sein Baby am besten am ersten Tagschlaf, indem man es mit einigem Abstand zum Schlafen stillt und – falls noch nicht geschehen – eine Einschlafroutine einübt, zum Beispiel indem man den Raum abdunkelt, das Kind sanft wiegt und trägt. Schrittweise legt man das Kind wacher ab. Eventuell gibt man ihm einen Schnuller oder ein Kuscheltuch. Es lernt so: Es ist nicht schlimm, müde zu sein und einzuschlafen.“ Jede Mutter und jeder Vater kann hier eine eigene „Weiterschlafsprache“ entwickeln, die dem Kind signalisiert: Aufwachen ist kein Problem, ich kann beruhigt wieder einschlafen.

Einjährige Kinder: Wieder einschlafen kann ich selber

Kinder haben jetzt feste Erwartungen und etablierte Gewohnheiten.

Dr. Daniela Dotzauer

Ist das Kind etwa acht bis zwölf Monate alt, braucht es tagsüber in der Regel nur noch zwei Schlafpausen. „Eltern sollten schauen, dass das Kind nicht mehr an der Brust einschläft“, empfiehlt Dr. Dotzauer. „Stattdessen wird es langsam runtergekuschelt und in sein Bettchen gelegt. Die gelernten Einschlafrituale helfen dabei. Fällt das Einschlafen noch immer schwer, kann man ab dem zwölften Monat auch langsam auf einen Schlaf am Tag umstellen. Mit mehr Schlafdruck schläft es sich in diesem Alter leichter ein, vorausgesetzt, man ist schlafbereit und gut runtergekuschelt.“ Die Kalorien sollten Kinder jetzt möglichst tagsüber zu sich nehmen, sodass nachts nicht mehr gestillt werden muss.

In diesem Alter entwickelt sich die Motorik und das Kind liegt jetzt nicht mehr nur im Bettchen und schreit, sondern es dreht und wendet sich, zieht sich am Bettgitter hoch und steht auf. Wenn die Eltern ihren Nachwuchs in dieser Situation immer aus dem Bett herausholen oder stillen, gewöhnt er sich an einen solchen „Weiterschlafservice“ und erwartet ihn dann immer, sobald er nachts aufwacht. „Kinder haben jetzt feste Erwartungen und etablierte Gewohnheiten“, erläutert die Ärztin. „Zum Problem kann es werden, wenn die Mama als unverzichtbare Einschlafhelferin empfunden wird. Denn: Wacht das Kind beim Schlafphasenwechsel auf und die Mama ist nicht da, wird sie jedes Mal herbeigerufen.“

Eltern sollten ihrem Nachwuchs jetzt vermitteln: Leg dich ruhig wieder hin und schlaf weiter, ich helfe dir dabei. „Dazu ist es günstig, im selben Zimmer zu schlafen, um schnell zu helfen, bevor das Kind hellwach und aufgeregt ist. Die Eltern sollten ihr Kind lehren, wie Weiterschlafen geht: sich nicht aufregen – beispielsweise indem sie leise ‚schschsch’ machen –, sich wieder hinlegen – zum Beispiel indem sie auf die Matratze klopfen – und dem Kind helfen, seinen Schnuller oder sein Kuscheltier selbst zu finden und sich wieder einzukuscheln“, beschreibt die Beraterin. „Kinder sind in diesem Alter schon in der Lage zu lernen, all das selbst zu tun – man muss es ihnen immer wieder zeigen und Geduld haben, denn etwas Neues nur ein oder zwei Mal auszuprobieren genügt nicht.“

Kleinkinder: Allein einschlafen ist völlig in Ordnung

Nun macht es sich bezahlt, wenn das Kind bereits das Wichtigste übers Schlafen gelernt hat.

Dr. Daniela Dotzauer

Mit einem Jahr stellt sich das Kind schließlich langsam auf einen Mittagsschlaf um und schlummert nachts etwa elf Stunden. Allerdings dauert das abendliche Einschlafen nun oft sehr lange. „Spätestens jetzt macht es sich bezahlt, wenn das Kind bereits das Wichtigste übers Schlafen gelernt hat“, sagt Dr. Dotzauer. „Andersherum rächt es sich, wenn sich Gewohnheiten gefestigt haben, die den Einsatz der Eltern erfordern – sei es Händchenhalten oder das Nuckeln am Finger der Mama. Denn: Diese Gewohnheiten werden jetzt umso heftiger eingefordert – und ohne ist an Einschlafen kaum zu denken. Die Mama fungiert als interaktives Kuscheltier und blockiert damit die Eigenregulation des Kindes. Natürlich wird die Mama bevorzugt und es besteht wenig Interesse an passiven Stoffobjekten.“

Trotzdem empfiehlt die Expertin, dem Kind ein Kuscheltier als Einschlafbegleiter an die Hand zu geben: „Dieses Stofftier sollte das Kind in allen positiven Beruhigungssituationen erst mal tagsüber begleiten – das kann beim Schmusen mit den Eltern sein, beim Vorlesen, Singen, Trösten oder auch beim Trinken aus der Flasche oder an der Brust. Das Kind verknüpft sein Kuscheltier so mit Geborgenheit, schönen Momenten und einem guten Gefühl. Es braucht Geduld, Zuversicht und Übung, aber dann ist es irgendwann auch nachts in der Lage, sich selbst mit dem Kuscheltier wieder zu beruhigen und einzuschlafen.“

Das Kind kann jetzt nach und nach lernen, wie es sich beruhigt, und dass es völlig in Ordnung ist, nach einer schönen und intensiven Kuschelzeit selbstständig mit seinem Kuscheltier und Schnuller einzuschlafen. Hierzu empfiehlt Dr. Dotzauer vier Schritte: wegschauen, wegdrehen, wegrücken und weggehen. „Wer zum Beispiel immer beim Einschlafen neben dem Kind liegt und es streichelt, macht jetzt die Augen zu, streichelt weniger, gibt immer wieder das Kuscheltier in den Arm und stellt sich irgendwann schlafend. Als Nächstes könnte man sich vor das Bett legen, sich wegdrehen und schnarchen. Nach und nach beginnt man nun, wegzurücken und sich immer weiter vom Kinderbett zu entfernen. Wird das akzeptiert, kann man das Zimmer verlassen, aber zum Beispiel im Flur bügeln und von dort aus dem Kind versichern, dass alles in Ordnung ist. Das Kind lernt so, dass es okay ist, wenn die Mama nachts nicht neben ihm ist, und sie dennoch immer erreichbar ist, wenn etwas sein sollte. Wichtig ist hierbei, jeweils erst mit dem nächsten Schritt zu beginnen, wenn das Kind den vorherigen gelernt und akzeptiert hat. Das kann ein wenig dauern, deshalb sollte man nicht zu schnell aufgeben. Mit diesen kleinen, machbaren Schritten führen Sie Ihr Kind zunehmend in die Eigenregulation und legen so den Grundstein für gutes Schlafen.“

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