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Ausgabe 04/2019
Ernährung 04/2019
Light Lebensmittel
© Mukhina1 / Getty Images

Light-Produkte: Sinnvolle Abnehmhelfer oder Kalorienfallen?

Kartoffelsalat, Müsli oder Limo – von fast allen Lebensmitteln gibt es heute eine Light-Version. Aber helfen Produkte mit Hinweisen wie „weniger Zucker“ oder „Balance“ wirklich beim Abnehmen? Wir haben den Experten Achim Valet gefragt.

Pünktlich zu Silvester fassen viele von uns wieder gute Vorsätze fürs neue Jahr – und Abnehmen steht oft ganz oben auf der Liste. Doch wie stellt man das am besten an? Im Supermarkt vermitteln Lebensmittel mit Bezeichnungen wie „light“, „zuckerfrei“ oder „fettreduziert“ den Eindruck, wir könnten damit ruck, zuck ein paar Pfunde verlieren, ganz ohne Diät und Ernährungsumstellung. Aber stimmt das wirklich? Wir haben Armin Valet, Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, gefragt, was es mit den verlockend klingenden Hinweisen auf der Packung eigentlich auf sich hat und wie sinnvoll der Griff zum Light-Produkt wirklich ist, wenn man effektiv und langfristig abnehmen möchte.

Mobil-e: Herr Valet, sind Hinweise auf Lebensmitteln wie der Begriff „Light“ geschützt oder kann jeder Hersteller sie frei verwenden?

Armin Valet: Grundsätzlich ist die Verwendung von nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben auf Lebensmitteln über eine EU-Verordnung europaweit einheitlich definiert. Für Verbraucher ist ihre Bedeutung aber nicht immer verständlich. So bezieht sich die Angabe „light“ meist nur auf einen Inhaltstoff, etwa Fett oder Zucker. Das Produkt muss dann 30 % weniger Fett beziehungsweise Zucker als Vergleichsprodukte beinhalten. Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass auch der Gesamtkaloriengehalt geringer ist. Mehr noch: Durch Ersatzstoffe kann der Kaloriengehalt sogar steigen. Hinzu kommt, dass eine „Leberwurst light“ noch immer eine Kalorienbombe ist, da der Fettgehalt ja nur um 30 % des sehr hohen Fettgehalts einer normalen Leberwurst reduziert wird.

Mobil-e: Haben Sie ein anderes Beispiel, das bei Verbrauchern oft für Verwirrung sorgt?

Armin Valet: Nehmen wir die Angaben zum Zuckergehalt: „Zuckerfrei“ darf ein Lebensmittel genannt werden, wenn es höchstens 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm beziehungsweise Milliliter enthält. Anders verhält es sich mit dem ähnlich klingenden Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ – er besagt lediglich, dass kein Haushaltszucker oder Ähnliches zugesetzt wurde. Das Produkt kann aber von Natur aus viel Zucker beinhalten, zum Beispiel durch Früchte. Oder Hersteller verwenden andere Süßungsmittel als Zucker, etwa Fruchtsaftkonzentrate. Wir haben beispielsweise einmal ein Cappuccino-Pulver mit der Auslobung „ohne Zuckerzusatz“ gefunden, das noch immer über 50 % Zucker in Form von Süßmolkenpulver enthielt.

Mobil-e: Gibt es auch Produkt-Bezeichnungen, die nicht gesetzlich geschützt sind?

Armin Valet: Viele Hersteller verwenden Worthülsen wie „Balance“, die aber überhaupt nicht definiert sind und von jedem Anbieter in einem anderen Zusammenhang verwendet werden. Schwierig wird es für Verbraucher auch, wenn der Haushaltszucker in der Rezeptur durch andere Süßungsmittel wie Glucosesirup oder Dextrose ersetzt wird, die viele Verbraucher nicht kennen. Die Verbraucherzentralen haben in einer Untersuchung herausgefunden, dass bis zu 70 andere Namen in Zutatenlisten von Lebensmitteln zu finden sind.

Mobil-e: Wie können sich Verbraucher beim Einkaufen am besten orientieren?

Armin Valet: Auf jedem Fertigprodukt ist eine Nährwerttabelle angegeben. Wenn man sich allerdings gar nicht mit den Werten auskennt, ist diese nicht immer leicht zu deuten. Hinzu kommt, dass zahlreiche Hersteller Angaben pro Portion auf der Packungsvorderseite herausstellen. Häufig handelt es sich aber um Miniportionen, mit denen die Lebensmittel gesund gerechnet werden sollen. So haben die Verbraucherzentralen nachgewiesen, dass zum Beispiel bei Müsli die Portionen, die der Verbraucher tatsächlich isst, mehr als doppelt so groß sind wie auf den Packungen der Hersteller angegeben. Dadurch nimmt man viel mehr Kalorien zu sich als gedacht. Es ist nun geplant, in Deutschland auf freiwilliger Basis den sogenannten Nutri-Score einzuführen. Dabei handelt es sich um eine fünfstufige, farbige Nährwertkennzeichnung, mit der sich auf einen Blick die Nährstoffzusammensetzung eines Lebensmittels bereits beim Einkauf beurteilen lässt. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung, sofern die Hersteller den Nutri-Score auch wirklich einsetzen.

Mobil-e: Helfen Light-Produkte in der Regel beim Abnehmen oder eher nicht?

Armin Valet: Nein, Light-Produkte können sogar dazu verleiten, mehr zu essen, denn sie vermitteln dem Konsumenten oft das Gefühl, erheblich weniger Kalorien zu sich zu nehmen, als es tatsächlich der Fall ist. Wer nachhaltig abnehmen möchte, sollte stattdessen sein Ernährungsverhalten grundsätzlich unter die Lupe nehmen. Ein wichtiger Punkt dabei ist, die Gewöhnung an den extremen Süßgeschmack vieler Fertigprodukte zu überwinden – Light-Produkte helfen hier nicht weiter, denn sie schmecken nicht weniger süß. Lediglich bei stark übergewichtigen Personen können Light-Produkte möglicherweise am Anfang einer Ernährungsumstellung in Abstimmung mit einem Arzt oder Ernährungsberater hilfreich sein.

Light-Produkte: Klare Vorgaben für die Hersteller

Die Health-Claims-Verordnung regelt die Anforderungen an Produkte, die mit Begriffen werben, die auf eine Reduzierung des Nährstoff- oder Energiegehalts hindeuten. Einige Beispiele haben wir Ihnen hier aufgelistet:

  • Leicht, light, reduziert
    Mindestens 30 % weniger von einer Zutat oder an Gesamtkalorien als herkömmlich
  • Fettarm
    Nicht mehr Fett als 3 Gramm je 100 Gramm oder 1,5 Gramm je 100 Milliliter
  • Fettfrei, ohne Fett
    Nicht mehr Fett als 0,5 Gramm je 100 Gramm oder je 100 Milliliter
  • Zuckerarm
    Nicht mehr Zucker als 5 Gramm je 100 Gramm oder 2,5 Gramm je 100 Milliliter
  • Zuckerfrei
    Nicht mehr Zucker als 0,5 Gramm je 100 Gramm oder je 100 Milliliter
  • Ohne Zuckerzusatz
    Ohne zugesetzten Zucker oder süßende Lebensmittel, natürlicher Zucker kann enthalten sein
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