Ausgaben Navigation

Ausgabe 04/2019
Work & Life 04/2019
Gekraenkte Frau am Arbeitsplatz
© PeopleImages / Getty Images

Gekränkt sein war gestern: Wie es gelingt, Kritik nicht persönlich zu nehmen

Oft passiert es, wenn wir gar nicht damit rechnen: Ein Kollege, der Partner oder die Schwester macht eine Bemerkung und schon fühlen wir uns tief verletzt. Expertin Dr. Doris Wolf erklärt, wie man sich gegen Kränkungen wappnen kann.

Der Chef geht grußlos an einem vorbei, die Freundin findet die neue Frisur altmodisch – es gibt unzählige Situationen, in denen wir plötzlich total verunsichert und verletzt sind. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die andere Person sich absichtlich kränkend verhalten oder einfach nicht nachgedacht hat. In einem solchen Moment einfach zur Tagesordnung überzugehen, gelingt wohl den wenigsten. Oft fressen wir die Enttäuschung in uns hinein und werden immer unglücklicher – oder wir werden wütend und brechen einen Streit vom Zaun. Doch wie reagiert man tatsächlich angemessen auf Kränkungen – und wie schafft man es vielleicht sogar, gar nicht erst gekränkt zu sein? Die Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf hat in ihrem Buch „Ab heute kränkt mich niemand mehr“ effektive Strategien, wie man am besten mit Kritik und dem Gefühl von Zurückweisung umgeht, zusammengestellt. Im Interview hat sie uns mehr darüber verraten.

Mobil-e: Frau Dr. Wolf, warum fühlen sich einige Menschen schneller gekränkt als andere?

Dr. Doris Wolf: Wie schnell man bestimmte Worte oder Verhaltensweisen als kränkend erlebt, ist eng mit unserem Selbstwertgefühl verknüpft. Wer sich selbst für nicht liebenswert und minderwertig hält, wird das Verhalten anderer ihm gegenüber auch durch diese Brille sehen. Das bedeutet, er sucht quasi im Verhalten des anderen nach Beweisen für diese Einstellung. Und selbst wenn der andere beteuert, dass er es nicht kränkend gemeint hat, bleibt der Betroffene dann manchmal bei seiner negativen Sichtweise. Kränkung entsteht nämlich durch unsere Bewertung und nicht durch die andere Person.

Mobil-e: Wie kann man feststellen, ob eine Kritik tatsächlich zu harsch war oder man selbst einfach sehr sensibel reagiert hat?

Dr. Doris Wolf: Jeder von uns hat seinen eigenen Maßstab, wann er etwas als „zu harsch“ bewertet. Abhängig ist unsere Bewertung zum Beispiel davon, wie eng die Beziehung zu einer bestimmten Person ist und wie viel sie uns bedeutet. „Zu harsch“ ist also eine Bewertung, die wir selbst treffen. Natürlich spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle, etwa unsere momentane Verfassung, unsere Erwartungen an den anderen und welche Gründe wir hinter seinem Verhalten vermuten. Einen kleinen Hinweis darauf, ob wir einen Kommentar richtig einordnen, können wir bekommen, indem wir Dritte fragen, ob sie dieses Verhalten ähnlich negativ sehen und ebenso wie wir reagieren würden.

Mobil-e: Und wie geht man am besten damit um, wenn man sich gekränkt fühlt?

Dr. Doris Wolf: Im Moment der Kränkung geht es zunächst darum, uns Sicherheit zu verschaffen. Wenn wir uns aufrecht hinstellen und tief ein- und ausatmen, signalisieren wir unserem Körper, dass keine Lebensgefahr besteht und er sich beruhigen kann. Dann können wir auch eher wieder einen klaren Gedanken fassen. Danach müssen wir unsere Bewertung überprüfen, ob wir nicht falsch oder übertrieben interpretiert haben. Wir können den anderen hierzu beispielsweise fragen: „Was genau meinst du damit?“ oder „Wann genau habe ich mich so verhalten?“. Hilfreich ist es auch, sich in den anderen hineinzuversetzen, um sein Verhalten besser zu verstehen.

Mobil-e: Wie gelingt es, generell besser mit Kränkungen umzugehen?

Dr. Doris Wolf: Langfristig ist es hilfreich, das kränkende Verhalten in Relation zu all dem zu setzen, was wir mit der anderen Person schon an Erfahrungen gesammelt haben. Wollen wir diese eine Reaktion wirklich wichtiger als all die positiven Erfahrungen nehmen? Wir können uns auch fragen, ob wir uns wirklich wegen dieses einen Ereignisses auf Dauer schlecht fühlen wollen. Indem wir uns innerlich Stopp zurufen und Grübeleien über dieses negative Erlebnis unterbrechen, können wir uns auch entlasten.

Mobil-e: Wie kann man dem Gegenüber klarmachen, dass sein Verhalten kränkend war?

Dr. Doris Wolf: Hier möchte ich zwischen innerer Bewältigung und Klärung der Beziehung unterscheiden. Zuerst müssen wir innerlich die Arbeit verrichten und uns wieder in ein seelisches Gleichgewicht bringen. Dies kann passieren, indem wir zum Beispiel zunächst aus der Situation gehen. Danach können wir ganz bewusst entscheiden, wie wir reagieren möchten. Ist uns die Person wichtig und wir wollen weiterhin den Kontakt mit ihr pflegen, dann müssen wir die ganze Geschichte klären. Am besten sprechen wir sie in einem ruhigen Augenblick an und erklären ihr in der Ich-Form, wie ihr Kommentar oder Verhalten bei uns angekommen ist und wie wir uns gefühlt haben: „Ich fühlte mich ..., als du ... zu mir gesagt hast.“ Dabei sollten wir auf Beschuldigungen und Vorwürfe verzichten. Danach können wir den anderen bitten, sich in Zukunft anders zu verhalten.

Verlosung: „Ab heute kränkt mich niemand mehr“

Buchcover Ab hweutb kraenkt mich niemand mehr
© PAL Verlag

In ihrem Ratgeber „Ab heute kränkt mich niemand mehr“ veranschaulicht die Autorin Dr. Doris Wolf unter anderem, wie Kränkungsgefühle entstehen, und verrät 101 Power-Strategien, wie man sich gezielt vor seelischer Verletzung schützen kann und wie man es schafft, Kränkungen aus der Vergangenheit zu überwinden und zu verzeihen. Am Ende des Buchs findet der Leser einen Aktivitätsplan, in den man die ausgewählte Strategie eintragen kann, um sie mithilfe des Plans vier Wochen lang zu trainieren. Wir verlosen drei Exemplare des hilfreichen Handbuchs. 

Das Gewinnspiel wurde bereits beendet und die Gewinner benachrichtigt.

Frau beim achtsamen Laufen
Vorheriger artikel
Mindful Running: Laufen und Achtsamkeit verbinden
Mutter legt Baby schlafen
Nächster artikel
Kleines Kind, großes Geschrei? So lernt Ihr Baby schlafen

Newsletter bestellen und informiert bleiben

Aktiv-Prämie, erweiterte Früherkennungs- und Vorsorgeangebote, Fitnessstudio-Rabatte oder Ernährungskurse: In vollem Umfang von unseren zahlreichen Zusatzleistungen und Angeboten profitieren kann nur, wer informiert bleibt. Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Newsletter und lassen Sie sich bis zu 4 x jährlich über Leistungs- und Serviceangebote sowie rund um die Themen Sport, Familie oder Gesundheit im Job informieren.

Mitglieder werben Mitglieder

Sie sind zufrieden mit der BKK Mobil Oil? Dann empfehlen Sie uns doch einfach weiter. Als Dankeschön erhalten Sie für jedes geworbene Mitglied von uns 25,00 Euro.