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Ausgabe 04/2018
Familie 04/2018
Mutter und Tochter in der Pubertaet lachen zusammen Aktuelle Ausgabe
© pixelheadphoto / Getty Images

Pubertät, na und? Probleme verstehen und gemeinsam meistern

Eben noch verschmuste kleine Jungen und Mädchen – plötzlich motzige Teenager: Die Pubertät kann für Eltern zur echten Nervenprobe werden. Autorin Maja Overbeck ist überzeugt, dass es auch anders geht. Hier verrät sie ihre Strategien.

Ganz gleich, wie klein und niedlich das Kind ist – früher oder später bekommen wohl die meisten Eltern den Spruch „Na, wartet mal ab, bis er (oder sie) in der Pubertät ist!“ zu hören. Und auch wenn sie noch weit entfernt scheint – etwas mulmig wird den meisten schon beim Gedanken an die Zeit, wenn die Hormone beim Nachwuchs verrückt spielen und Probleme auf der Tagesordnung stehen. Aber ist die Pubertät wirklich nur eine „Zeit des Schreckens“? Die Autorin Maja Overbeck hat selbst einen 16-jährigen Sohn. In ihrem Buch „I love Teens“ lädt sie Teenager-Eltern dazu ein, die Perspektive zu wechseln, und gibt ihnen Tipps, wie sie die Pubertät ihrer Kinder sogar genießen können.

Mobil-e: Frau Overbeck, was sind typische Probleme, die in der Pubertät für Zoff in Familien sorgen – und wie entstehen sie?

Maja Overbeck: Die meisten Eltern Heranwachsender kennen sicher die plötzlichen, oft heftigen Gefühlsausbrüche ihres Kindes – aus Ärger wird gleich ein Wutanfall, aus Traurigkeit der Weltuntergang. Die Intensität jugendlicher Reaktionen auf Ereignisse, die wir Erwachsenen als banal empfinden, ist wahrscheinlich hauptschuldig am schlechten Ruf der Pubertät. Dabei können die Kinder aus wissenschaftlicher Sicht ja eigentlich nichts dafür: Ihr Gehirn wird in der Pubertät komplett „umgebaut“ – und dabei fällt der für Vernunft zuständige Frontallappen öfter mal aus. In solchen Momenten werden die Gefühle teenagertypisch impulsiv in Handlungen umgesetzt und nicht wie beim Erwachsenen über den „vernünftigen“ Frontallappen hinterfragt, abgemildert und kontrolliert, bevor das Gehirn eine Reaktion auslöst. Hinzu kommen die Hormonschübe, die die Intensität der ungefilterten Gefühle noch verstärken. Mir persönlich hat es sehr geholfen, mich mit diesen spannenden Prozessen genauer auseinanderzusetzen, um verständnisvoller darauf reagieren zu können.

Mobil-e: Was verändert sich denn noch im Gehirn während der Pubertät?

Maja Overbeck: Die moderne Gehirnforschung hat beispielsweise herausgefunden, dass der Dopaminspiegel bei jugendlichen Jungen und Mädchen zu niedrig ist. Sie suchen deshalb regelrecht nach Dopaminkicks. Das sogenannte Glückshormon wird ausgeschüttet, wenn wir etwas Außergewöhnliches erleben oder Anerkennung bekommen. Diese „Belohnungsaussicht“ sticht bei Entscheidungen von Teenagern oft alle Argumente aus, ganz gleich wie vernünftig sie sind. Darum wollen und müssen Jugendliche Erfahrungen machen, am liebsten extreme. Konkret bedeutet das leider oft Schuleschwänzen, Komasaufen und Ähnliches.

Mobil-e: Gibt es andere typische Probleme in der Pubertät, die sich wissenschaftlich erklären und so besser verstehen lassen?

Maja Overbeck: Hilfreich finde ich auch, sich bewusst zu machen, dass heranwachsende Jungen und Mädchen sich auf der Suche nach ihrer neuen Identität als Erwachsene befinden. Teenager spüren sehr deutlich, wann sie bereit sind, sich von den Eltern zu lösen. Aber es erzeugt erst mal auch große Unsicherheit, sich jenseits der Selbstverständlichkeit der Kindheit neu zu erfinden. Diese Unsicherheit bewältigen Teenager, indem sie sich einerseits klar von den Eltern abgrenzen und andererseits neue Bindungen suchen. Identität stiftet in diesem Sinne alles, was Zugehörigkeit verschafft – ein Aufgebot an Äußerlichkeiten, aber auch Computerspiele, Club-Besuche und so weiter. Vor dem Hintergrund der dringenden Frage „Wer will ich sein?“ sehen Teenager ihre Eltern dann auch mit neuen Augen. Vieles, was diese tun oder erwarten, wird plötzlich hinterfragt, offen kritisiert und ganz bewusst anders gemacht. Und das betrifft nicht nur Klamotten und Schule, sondern auch Essgewohnheiten, Reiseziele, Hobbys und politische Ansichten. Hinzu kommt: Erwachsen zu werden heißt auch, mit Meinungen, Grenzen und Werten zu experimentieren, neugierig auf die Reaktion zu warten und sich über eine Explosion womöglich sogar zu freuen. Identitätsbedingte Abgrenzung braucht nun mal Reibung.

Mobil-e: Wie schaffen es Eltern, all diese Herausforderungen fürs Familienleben zu meistern, ohne zu verzweifeln?

Maja Overbeck: Ich kann nur empfehlen, sich nicht gegen die Veränderungen zu sträuben, sondern sich ein paar Punkte klarzumachen und zu versuchen sie zu akzeptieren. Zum einen: Die Zeiten der Hierarchie sind vorbei. Verbote und einseitig gesetzte Grenzen führen in der Pubertät nur zu Machtkämpfen, die Eltern nicht mehr gewinnen können. Viel besser ist es, sich auf Augenhöhe zu begeben, Teenager in ihrem Wunsch nach Selbstverantwortung ernst zu nehmen, zu diskutieren, statt anzusagen, und sich überraschen zu lassen, wie gern Teenager Grenzen, die sie sich selbst gesetzt haben, einhalten – zum Beispiel beim Ausgehen oder in Sachen Computerspielzeit. Zum anderen haben wir nach meiner Erfahrung oft zu hohe Erwartungen an Jugendliche. Wir wünschen uns, dass sich unsere Erziehung auszahlt, dass unsere Kinder zu hochintelligenten, wunderschönen, erfolgreichen, supersozialen – eben perfekten – Erwachsenen werden. Und wir versuchen verzweifelt, dies zu kontrollieren. Aber: Teenager lassen sich nicht kontrollieren. Sie wollen nicht mehr, dass wir uns in ihr Leben einmischen. Stattdessen ist es besser, echtes Interesse zu entwickeln. Das heißt: neugierig beobachten und auf Bitte – und nur dann – unterstützen. Das heißt vor allem: vertrauen. Vertrauen macht Jugendliche stark, selbstbewusst und verantwortungsvoll.

Mobil-e: Haben Sie noch ein paar konkrete Tipps für Eltern, deren Kinder gerade in die Pubertät kommen?

Maja Overbeck: Ich habe festgestellt: Viele Eltern kämpfen gegen die Pubertät. Sie jammern gegenüber Freunden und Bekannten über die Gefühlsausbrüche ihres eigenen Kindes, erhöhen den Druck in Sachen Schule, greifen zu abstrusen Erpressungsversuchen oder gleich zu Strafen und hoffen vor allem darauf, dass es bald vorbei sein möge. Ich sehe die Pubertät als Chance, als spannenden Weg in eine neue Beziehung mit meinem erwachsenen Kind. Deshalb würde ich allen Eltern folgende persönliche Tipps mit auf den Weg geben:

  • Bekämpfen Sie lieber die eigenen Erwartungen – nicht die Pubertät.
  • Akzeptieren Sie, dass sich etwas verändert, und finden Sie Spaß daran!
  • Erinnern Sie sich an die Macht positiver Motivation: Sehen Sie das Positive, loben Sie, zeigen Sie Respekt. Selbstzweifel haben Jugendliche schon genug.
  • Geben Sie Fehler zu, zeigen Sie Schwäche, seien Sie authentisch. Für Teenager ist es eine wertvolle Erfahrung zu erleben, dass ihre Eltern auch nicht perfekt sind.
  • Bleiben Sie im Gespräch. Damit meine ich nicht, das Kind auszufragen oder zu dozieren, sondern vielmehr zuzuhören, zu beobachten, da zu sein.
  • Schätzen Sie die glücklichen Momente ganz bewusst und erinnern Sie sich an sie, wenn der Pubertäts-Hurricane mal wieder tobt.

Verlosung: „I love Teens“

In ihrem Buch „I love Teens“ erklärt Maja Overbeck anhand eigener Erfahrungen, wie man Problemthemen mit verändertem elterlichem Verhalten umschifft und warum Offenheit und eine Portion Selbstironie dabei helfen. Wir verlosen drei Exemplare des unterhaltsamen Ratgebers. Nutzen Sie Ihre Chance, indem Sie einfach das Gewinnspielformular ausfüllen. Teilnahmeschluss ist der 31.01.2019. Wir drücken Ihnen die Daumen.

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Unser kostenloses Beratungsangebot für Eltern

Sie machen sich Sorgen, weil Ihr Kind mitten in der Pubertät steckt und sich völlig von Ihnen abkapselt oder an keine Regeln hält? Die BKK Mobil Oil steht Ihnen zur Seite: Auf unserer Website unter www.bkk-mobil-oil.de/med-dienste haben wir Beratungsstellen für psychologische und auch medizinische Fragestellungen für alle Familienmitglieder zusammengestellt.

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