Rubrik Navigation

Vorheriger Rubrik
Work & Life
Nächste Rubrik
Work & Life 04/2018
Aengstliche Frau sitzt am Boden
© Tinpixels / Getty Images

Von Angst bis Wut: Negativen Gefühlen einen Sinn geben

Niemand ist gern ängstlich, traurig oder verletzt – und dennoch kennt wohl jeder solche negativen Gefühle. Was tun, wenn sie einen erwischen? Und wie können sie vielleicht sogar nützlich sein? Psychologin Dr. Katharina Tempel verrät mehr.

Gluecksdetektiv Dr. Katharina Tempel
Psychologin Dr. Katharina Tempel

Sei es die Angst vorm Bewerbungsgespräch, die Wut auf die ständig unpünktliche Freundin oder die innere Unzufriedenheit mit der eigenen Faulheit: Manche Gefühle können einem ziemlich zu schaffen machen – und noch dazu sind sie oft ganz schön hartnäckig. Eltern und Freunde kommen dann gern mit Floskeln wie „Sei doch nicht immer so negativ“ – doch das ist leichter gesagt als getan. Woran liegt das? Und wie kommen wir wieder heraus aus dem Gefühlstief?

Gedanken und Gefühle – ein unzertrennliches Team

„Um unsere Gefühlswelt besser zu verstehen, müssen wir zunächst unsere Gedanken unter die Lupe nehmen – sie bestimmen nämlich, wie wir uns fühlen“, sagt Dr. Katharina Tempel, Psychologin und Expertin auf dem Gebiet der Positiven Psychologie. „Tag für Tag haben wir etwa 60.000 bis 80.000 Gedanken. Sie sind – meist unbewusste – Bewertungen aller Situationen und Begegnungen unseres Alltags. Aus diesen Gedanken resultieren dann unsere Gefühle. Es sind also nicht die Ereignisse, die uns ängstlich, traurig oder wütend machen, sondern unsere Bewertung dieser Ereignisse, sprich unsere Gedanken.“ Und damit nicht genug: Unsere Gefühle können weitere Gedanken auslösen, die wiederum Gefühle erzeugen – so entsteht ein permanenter Kreislauf.

Verdrängen oder betäuben? Kein guter Plan!

Der Versuch, Gefühle zu verdrängen, kostet viel Kraft.

Dr. Katharina Tempel

Angesichts dessen wird schnell klar: Wer lediglich den Entschluss fasst, sich ab jetzt anders zu fühlen, steht auf verlorenem Posten. Hilft es vielleicht, das negative Gefühl zu ignorieren? Die Expertin rät ab: „Je mehr wir versuchen, einen bestimmten Gedanken nicht zu haben, desto mehr drängt er sich wieder in unser Bewusstsein. Bei Gefühlen ist das nicht anders. Hinzu kommt: Der Versuch, Gefühle zu verdrängen, kostet viel Kraft.“ Und er kann sogar gesundheitsschädigend sein: Studien haben gezeigt, dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Unterdrückung negativer Gefühle und einem erhöhten Blutdruck besteht.¹ Mindestens ebenso gefährlich ist übrigens der Versuch, seine Trauer, Enttäuschung oder Wut mit Alkohol, Schmerzmitteln oder anderen Drogen zu betäuben: Diese Strategie bringt zwar kurzfristig Linderung, hat aber schnell extrem negative Konsequenzen, weil der Missbrauch zu Abhängigkeiten und gesundheitlichen Schäden führt – man handelt sich also gleich mehrere neue und äußerst schwerwiegende Probleme ein.

Strategien im Umgang mit negativen Gefühlen

Was kann man also stattdessen tun? Die Psychologin empfiehlt, auch negative Gefühle zunächst einmal anzunehmen, wie sie sind: „Jedes Gefühl hat eine Daseinsberechtigung. Wenn wir es zulassen, verschwindet es oft von ganz alleine wieder. Macht es uns noch immer zu schaffen, können wir im zweiten Schritt überlegen, worauf uns die jeweilige Empfindung hinweisen möchte: Welcher Gedanke hat dazu geführt, dass wir uns so fühlen? Welches Bedürfnis wurde vielleicht verletzt? Angst zeigt uns zum Beispiel, dass eine Gefahr bestehen könnte, und ermöglicht uns so, diese Gefahr besser zu bewältigen. Bis zu einem gewissen Punkt kann Angst sogar leistungssteigernd sein – das kennen wir alle von Prüfungen oder Referaten. Wut wiederum gibt uns zu verstehen, dass wir uns schlecht behandelt fühlen. Sie kann uns dabei helfen, für uns einzustehen, eine Aussprache zu suchen und unsere Bedürfnisse in Zukunft wichtiger zu nehmen. Und Scham zeigt uns, dass wir eine Regel verletzt haben. Sie kann uns dazu bewegen, dies nicht zu wiederholen, zum Beispiel um nicht aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden.“

Dem Negativen nicht zu viel Raum geben

Wer im Negativen auch Gutes erkennen kann, erholt sich schneller von Krisen.

Dr. Katharina Tempel

Oft halten wir uns aber auch länger als notwendig an negativen Gedanken und Gefühlen fest und machen uns das Leben unnötig schwer. „Schenkt man dem Negativen zu viel Raum im Leben, läuft man Gefahr, sich zum Opfer seiner Gefühlswelt zu machen“, warnt Tempel. „Es kann dann passieren, dass wir uns von der Stärke der Gefühle erschlagen und völlig hilflos fühlen.“ Wenn man sich stark mit seiner Traurigkeit, Verzweiflung oder Wut identifiziert, werden diese Emotionen möglicherweise sogar zum Teil des eigenen Selbstbildes. Das kann wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirken: Unbewusst sorgen wir dann selbst dafür, dass wir auch weiterhin traurig, verzweifelt oder unglücklich bleiben. Die Expertin weiß: „Menschen, die in der Lage sind, in negativen Situationen das Positive zu erkennen, sind seltener gestresst und erholen sich schneller von Krisen, denn ihnen ist klar, welchen Sinn das Erlebnis hat und was sie daraus lernen können. Deshalb ist es ratsam, den Blick immer wieder gezielt auf das Positive zu lenken.“

info image

Einem glücklichen Leben auf der Spur

Ganz gleich, ob man sich traurig und verletzt fühlt, seine innere Unzufriedenheit bekämpfen möchte oder dringend Hilfe bei Wut sucht: Als „Glücksdetektivin“ hält Dr. Katharina Tempel auf ihrer Website  und ihrem YouTube-Kanal  praktische Tipps zu zahlreichen Alltagsthemen rund um unsere Gefühlswelt bereit und hilft ihren Lesern und Zuschauern so dabei, glücklicher zu werden und ein erfüllteres Leben zu führen.

Gestresste Frau verschlingt Essen
Vorheriger artikel
Emotionales Essen: Wie Gefühle unsere Ernährung beeinflussen
Frau mit Burn-out sitzt erschoepft am Schreibtsich
Nächster artikel
Mit Stress umgehen lernen dank Selfapy – ein Erfahrungsbericht

Newsletter bestellen und informiert bleiben

Aktiv-Prämie, erweiterte Früherkennungs- und Vorsorgeangebote, Fitnessstudio-Rabatte oder Ernährungskurse: In vollem Umfang von unseren zahlreichen Zusatzleistungen und Angeboten profitieren kann nur, wer informiert bleibt. Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Newsletter und lassen Sie sich bis zu 4 x jährlich über Leistungs- und Serviceangebote sowie rund um die Themen Sport, Familie oder Gesundheit im Job informieren.

Mitglieder werben Mitglieder

Sie sind zufrieden mit der BKK Mobil Oil? Dann empfehlen Sie uns doch einfach weiter. Als Dankeschön erhalten Sie für jedes geworbene Mitglied von uns 20,00 Euro.