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Gesundheit 04/2018
Frau erhaelt Impfung vom Arzt Aktuelle Ausgabe
© vadimguzhva / Getty Images

Kinderkrankheiten: Besonders gefährlich für Erwachsene

Das Wort „Kinderkrankheit“ täuscht: Auch Erwachsene können sich mit Windpocken & Co. anstecken – und bei ihnen nimmt die Infektion oft einen besonders schweren Verlauf. Expertin Lisa Degener erklärt warum und verrät, wann eine Impfung ratsam ist.

Für die meisten Eltern ist es selbstverständlich, dass ihr Nachwuchs einen ausreichenden Impfschutz gegen die sogenannten Kinderkrankheiten wie Windpocken, Masern, Mumps, Röteln und Keuchhusten erhält. Ihre Bezeichnung rührt daher, dass sie hochansteckend sind, sodass sie ohne entsprechende Impfung häufig schon im Kindesalter auftreten. Doch der Begriff ist irreführend, denn auch Erwachsene können sich infizieren. Welche Risiken das mit sich bringt und wie sich diese vermeiden lassen, hat uns die Ärztin Lisa Degener, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin sowie Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde, im Interview erläutert.

Mobil-e: Frau Degener, warum sind Kinderkrankheiten für Erwachsene so gefährlich?

Lisa Degener: Alle sogenannten Kinderkrankheiten verlaufen bei Erwachsenen und Jugendlichen heftiger als bei Kindern. Sie fühlen sich meist sehr viel kränker und schlechter. Warum das so ist, konnte die Forschung noch nicht herausfinden. Eine mögliche Erklärung lautet, dass das voll ausgereifte Immunsystem des Erwachsenen sozusagen überschießend reagiert, wenn es mit Viren oder Bakterien in Kontakt kommt, mit denen es üblicherweise im Kindesalter konfrontiert wird. Einen besonders schweren Verlauf können Kinderkrankheiten im Erwachsenenalter nehmen, wenn Grunderkrankungen vorliegen – und das ist mit zunehmendem Alter naturgemäß häufiger der Fall. So hat ein Asthmakranker bei einer Keuchhustenerkrankung mit ernsteren Komplikationen zu rechnen als ein Gesunder. Bei Schwangeren, die nicht immun sind, besteht zudem die Gefahr, dass sie bei einer Infektion die Erreger auf den Embryo übertragen und ihn schädigen. Säuglinge hingegen haben ein völlig unreifes Immunsystem. Abgesehen von den ersten Monaten, in denen insbesondere gestillte Säuglinge einen gewissen Nestschutz genießen, sind sie den Viren und Bakterien schutzlos ausgeliefert. Eine Keuchhustenerkrankung im ersten Lebensjahr gilt für Säuglinge zum Beispiel als besondere Bedrohung, die mit Atemaussetzern bis hin zu Atemstillstand einhergehen kann.

Mobil-e: Welche Kinderkrankheiten sind besonders häufig bei Erwachsenen?

Lisa Degener: Die häufigste Kinderkrankheit bei Erwachsenen ist der Keuchhusten. Laut Robert Koch-Institut gibt es jährlich circa 15.000 Erkrankungsfälle, davon sind etwa zwei Drittel über 19 Jahre alt – das mittlere Erkrankungsalter ist 42 Jahre.¹ Diese Verschiebung einer Kinderkrankheit ins Erwachsenenalter liegt zum einen daran, dass inzwischen rund 80 % der Kinder in Deutschland geimpft sind. Und zum anderen wissen wir inzwischen, dass die durchgemachte Keuchhustenerkrankung keine lebenslange Immunität hinterlässt, wie viele andere Kinderkrankheiten das tun. Diese Erkenntnis hat mittlerweile zu der neuen Impfempfehlung geführt, die eine Auffrischung der Keuchhustenimpfung bei Sechsjährigen und bei Erwachsenen in Kombination mit der Tetanus-Diphtherie-Auffrischimpfung vorsieht.

Mobil-e: Gibt es Kinderkrankheiten, die für Erwachsene besonders gefährlich sind?

Lisa Degener: Glücklicherweise selten, aber dafür umso gefährlicher ist eine Masernerkrankung im Erwachsenenalter. Aber auch für Kinder sind Masern eine gefährliche Kinderkrankheit. Man geht von einem Todesfall auf 1.000 Erkrankte aus. Gefürchtet ist vor allem die Gehirnentzündung durch Masern, die sogenannte Masern-Enzephalitis, die bei Kleinkindern in einem von 10.000 Erkrankungsfällen auftritt. Bei älteren Kindern und Erwachsenen tritt sie sogar in einem von 500 Fällen auf und verläuft bei 25 % tödlich. Wenn sie überlebt wird, dann nicht selten mit erheblichen Hirnschäden. Von den 929 Masernfällen, die das Robert Koch-Institut im Jahre 2017 registriert hat, waren 17 % unter zwei Jahre alt und damit nicht oder nicht vollständig geimpft, da die Impfung erst im zweiten Lebensjahr gegeben wird.² 36 % der Erkrankten waren Jugendliche und Erwachsene bis 40 Jahre. Aus dieser Gruppe mussten 45 % stationär behandelt werden.

Der schwere Masernausbruch in Berlin vor drei Jahren hat gezeigt, dass die Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind, besonders gefährdet sind zu erkranken. Zwar wurde um 1970 die Masernimpfung eingeführt, allerdings war die Durchimpfungsrate zunächst nicht besonders hoch. Außerdem wurde nur einmal geimpft, was sich im Nachhinein als nicht ausreichend herausstellte. Und während die Masernimmunität bei den vor 1970 Geborenen aufgrund durchgemachter Masernerkrankungen mit 95 % sehr hoch ist, sind die Erwachsenen zwischen 35 und 48 Jahren durch Impflücken offensichtlich gefährdet. Gleichzeitig sind sie häufig Eltern von Kleinkindern oder arbeiten in Berufen mit engem Kontakt zu Kindern, sodass sie sowohl als Multiplikator als auch als Opfer einer möglichen Masernepidemie fungieren können.

Mobil-e: Was raten Sie Erwachsenen, die sich gegen Masern und andere Kinderkrankheiten schützen möchten?

Lisa Degener: Jeder sollte regelmäßig beim Hausarzt seinen Impfstatus überprüfen lassen. Falls dieser unvollständig ist und Impfungen im Kindes- und Jugendalter vergessen wurden, können diese jederzeit nachgeholt werden. Neben der regelmäßigen Auffrischung des Impfschutzes gegen Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre sollte man sich als Erwachsener einmalig auch gegen Keuchhusten impfen lassen. Allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und keine zweimalige Masernimpfung nachweisen können, wird zudem eine einmalige Impfung gegen Masern empfohlen.

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Gefährlichen Erregern keine Chance geben

Um zu vermeiden, dass Sie sich selbst mit einer Kinderkrankheit anstecken und vielleicht auch andere infizieren, prüfen Sie mit Hilfe Ihres Impfausweises, ob und wann Auffrischungsimpfungen notwendig sind, oder fragen Sie Ihren Arzt, ob Ihr Impfschutz ausreicht. Alle erforderlichen Auffrischungsimpfungen für Erwachsene sind kostenlos. Die Abrechnung erfolgt direkt beim Arzt einfach über die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Alle Informationen zum Thema Impfungen finden Sie auf unserer Website.

(1) Quelle: „Ratgeber Keuchhusten“, Robert Koch-Institut (Link zu https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Pertussis.html)

(2) Quelle: „Aktuelle Epidemiologie der Masern in Deutschland“, Robert Koch-Institut

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