Rubrik Navigation

Vorheriger Rubrik
Familie
Nächste Rubrik
Familie 04/2017
Mutter sitzt am Bett des kranken Kindes
© kupicoo / Getty Images

Umgang mit schwer kranken Kindern

Wenn Kinder an Krebs oder einer anderen schweren Krankheit leiden, fällt den Eltern der Umgang mit ihnen vor Kummer oft schwer. Experte Dr. Matthias Wölfl erläutert, wie ein besonderes Tagebuch bei der Krankheitsverarbeitung helfen kann.

Eine Krebserkrankung stellt nicht nur das betroffene Kind, sondern auch seine Angehörigen vor eine große Herausforderung. Oft haben die Erwachsenen Schwierigkeiten, ihre eigenen Ängste zu verarbeiten und gleichzeitig empathisch auf das erkrankte Kind einzugehen. Dr. Matthias Wölfl ist Oberarzt auf der Stammzelltherapie-Station der Universitäts-Kinderklink Würzburg. Er hat uns mehr darüber erzählt, warum Erwachsenen der Umgang mit krebskranken Kindern oft so schwer fällt und wie das auf seiner Station entstandene monsterle Therapietagebuch ihnen helfen kann.

Mobil-e: Herr Dr. Wölfl, warum tun wir uns so schwer im Umgang mit Kindern, die an Krebs oder einer anderen schweren Krankheit leiden?

Dr. Matthias Wölfl: Anders als die Kinder selbst leben wir Erwachsene nicht so sehr im Moment, sondern Vergangenheit und Zukunft beeinflussen unser tägliches Denken und Handeln. Wir machen uns Sorgen, wollen Dinge vorab lösen, möchten vorausschauen – und wenn uns das nicht gelingt, sind wir verunsichert und verspüren Angst. Sobald es um das Leben unserer Kinder geht, gilt das verständlicherweise umso mehr. Damit diese Sorgen nicht übermächtig werden, ist es manchmal die einzige Lösung, die Situation als Ganzes abzulehnen und zu verdrängen. Angesichts einer schweren Erkrankung eines Kindes im Augenblick zu verweilen und sich nicht von Sorgen überwältigen zu lassen – das ist schon ein ziemlicher Hammer, der da den Familien abverlangt wird.

Mobil-e: Kann man in dieser schweren Situation irgendetwas falsch machen?

Dr. Matthias Wölfl: Nichts ist falsch – alles ist menschlich. Je mehr ich mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren kann und je weniger ich grüble, was die Zukunft bringen mag, desto reicher wird die Gegenwart. Gerade kleine Kinder sind da Spezialisten und es hilft allen, wenn auch die Großen sich auf den Augenblick einlassen.

Mobil-e: Gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die Sie Betroffenen ans Herz legen?

Dr. Matthias Wölfl: Jeder Mensch geht seinen eigenen Weg und es gibt gerade in so schweren Situationen kein Patentrezept. So sehr wir – als zukunftsorientierte, rationale Erwachsene – auch versuchen, in die Zukunft zu sehen: In der Realität gelingt es uns nicht – auch nicht den medizinischen Spezialisten, die ihre Erfahrung und ihre statistischen Daten für die Zukunftsprognose heranziehen. Wir müssen offen erkennen, dass niemand alles weiß, dass immer nur die nächsten Schritte gegangen werden können, dass Gesundheit und Krankheit nicht planbar sind.

Mobil-e: Wie kann das monsterle Tagebuch krebskranken Kindern helfen?

Dr. Matthias Wölfl: Jeder Tag im Krankenhaus kann anders sein, und vor allem wenn mal richtig schlechte Tage dabei sind, können die Kinder das mit Hilfe des Tagebuchs noch besser benennen und sichtbar machen: Da gibt es Angstmonster, Juckreizmonster oder Brechmonster, die den Tag beherrscht haben. Für das Tagebuch können die Kinder diese Monster – als Aufkleber – aussuchen und einkleben. So erhält der Krankenhausalltag eine andere Form und bietet gleich auch Familie und Betreuern einen Einstieg, über die Hauptprobleme im Alltag – mit einer etwas heitereren Note – zu sprechen. Und selbst wenn die meisten Monster eher die dunklen Seiten der Therapie abbilden – es gibt auch ein ziemlich fröhliches Gute-Laune-Monster.

Mobil-e: Wie ist das Tagebuch entstanden und wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Dr. Matthias Wölfl: Die Idee und Initiative kommt voll und ganz aus dem Alltag einer Kinderkrebsstation: Eine Schwester mit Zeichentalent und Phantasie hatte begonnen, kleine Comicmonster für die Kinder zu zeichnen – das erste war ein Juckmonster. Der Junge, der das als Erster gesehen hat, hat den Faden begeistert aufgegriffen und wollte gleich noch mehr von diesen lustigen Monstern haben. Gemeinsam wurden neue Ideen gesammelt. Dabei wurde klar, wie über diese eher spielerische Herangehensweise ein ganz anderer Zugang entsteht als über die täglich wiederkehrende und langweilige Frage: Wie geht’s dir heute? So ist die Idee zum Tagebuch entstanden und hat rasant Fahrt aufgenommen.

Laeufer trainiert im Winter auf dem Laufband
Vorheriger artikel
Fit durch den Winter: Ausdauertraining für drinnen und draußen
Mutter liest mit Kind ein Buch
Nächster artikel
Bei Kindern Spaß am Lesen wecken

Newsletter bestellen und informiert bleiben

Aktiv-Prämie, erweiterte Früherkennungs- und Vorsorgeangebote, Fitnessstudio-Rabatte oder Ernährungskurse: In vollem Umfang von unseren zahlreichen Zusatzleistungen und Angeboten profitieren kann nur, wer informiert bleibt. Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Newsletter und lassen Sie sich bis zu 4 x jährlich über Leistungs- und Serviceangebote sowie rund um die Themen Sport, Familie oder Gesundheit im Job informieren.

Mitglieder werben Mitglieder

Sie sind zufrieden mit der BKK Mobil Oil? Dann empfehlen Sie uns doch einfach weiter. Als Dankeschön erhalten Sie für jedes geworbene Mitglied von uns 20,00 Euro.