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Ausgabe 04/2016
Gesundheit 04/2016
Elmar Sprink faehrt Radrennen mit Spenderherz
© Elmar Sprink

Ironman mit Spenderherz

Einem gespendeten Herzen verdankt Triathlet Elmar Sprink, dass er nach einem Herzstillstand heute noch lebt – und sogar wieder an Wettkämpfen teilnehmen kann. Im Interview erzählt er von seinem Weg.

Obwohl 81 % der Bevölkerung in Deutschland dem Thema Organspende aufgeschlossen gegenüberstehen, besitzt nur rund ein Drittel einen Organspendeausweis. Gleichzeitig warten hierzulande 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan – und jeder Mensch kann von heute auf morgen selbst betroffen sein. Deshalb ist es wichtig, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen, Pro und Contra abzuwägen und in der Folge seine persönliche Entscheidung in einem Organspendeausweis festzuhalten. Elmar Sprink war einer der 10.000 Wartenden. Der heute 44-Jährige verdankt sein Leben nicht nur einem Spenderherzen, sondern einer ganzen Reihe von glücklichen Zufällen. Und das Erstaunliche: Er kann mit dem neuen Herzen sogar wieder sportliche Höchstleistungen vollbringen.

So überquerte er vor wenigen Wochen bei einem der härtesten sportlichen Wettkämpfe der Welt, dem Transalpine Run, die Ziellinie. Zuvor hatte er im Oktober 2014 bereits als erster Mensch mit einem Spenderherzen den Ironman auf Hawaii bewältigt. Im Gespräch schildert er seine Geschichte und warum er sich für das Thema Organspende engagiert. Darüber hinaus gibt Dr. Katrin Esefeld, Ärztin am Zentrum für Prävention und Sportmedizin der TU München und ebenfalls mehrfache Finisherin des Ironman Hawaii, Einblick in Möglichkeiten und Grenzen einer Organtransplantation.

Krankengeschichte Elmar Sprink

  • 11.07.2010: Herzstillstand zu Hause auf dem Sofa
  •           2011: Reha und zehn Krankenhausaufenthalte
  • 28.12.2011: Einlieferung ins Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen
  • 28.02.2012: Einbau einer Herzpumpe
  • 09.06.2012: Herztransplantation
  • 11.07.2012: Entlassung nach 189 Tagen liegend im Bett

Mobil-e: Herr Sprink, welche Erinnerungen haben Sie an den 11.07.2010?

Elmar Sprink: Nicht mehr viele. Es war kurz vor 18:00 Uhr und ich schaute mir die Tour de France im Fernsehen an. Als ich wieder zu mir kam, war es 20:00 Uhr, ich hatte Kabel in der Nase und auf dem Bildschirm vor mir lief nicht mehr die Tour, sondern eine EKG-Linie. Den Rest weiß ich nur aus Erzählungen: Meine Frau hatte mich gefunden, ich war blau angelaufen. Unser Nachbar, der Arzt ist, hat mich dann zum Glück erfolgreich reanimiert.

Mobil-e: Was dachten Sie, als man Ihnen sagte, dass Sie mit Ihrem Herzen keine Überlebenschance haben?

Elmar Sprink: Das war ein riesiger Schock. Mir wurde schnell klar, dass es in Deutschland viel zu wenig Organe gibt. Ich habe dann weiter alles versucht, damit mein Herz wieder gesund wird. Leider sind sämtliche medizinischen und alternativen Behandlungsversuche gescheitert.

Mobil-e: Hat es lange gedauert, bis ein passendes Herz gefunden wurde?

Elmar Sprink: Ich hatte Glück und habe letztlich nur rund ein halbes Jahr gewartet. Als Ende 2011 meine Gallenblase entfernt werden musste und ich bei der OP starke Rhythmusstörungen hatte, kam ich ins Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen. Dort wurde ich als „high urgent“ gelistet und man versuchte, mich mit Medikamenten zu stabilisieren. Im Februar erlitt ich erneut einen Herzstillstand und die Ärzte sagten meiner Familie, dass ich ohne den Einbau einer Herzpumpe nur noch zwölf Stunden zu leben hätte. Mir wurde dann in einer neunstündigen OP eine Keramikpumpe für die linke Hälfte meines alten Herzens eingebaut. Da auch die rechte Seite sehr schwach war, musste man mich an eine Herz-Lungen-Maschine anschließen, doch das brachte leider keine Besserung. Bis Juni 2012 war ich auf der Intensivstation – eine harte Zeit, denn ich lag durchgehend auf dem Rücken im Bett und konnte mich kaum bewegen. Zu wissen, dass nur das Umlegen von Schaltern den Tod bedeuten würde, ist heftig. Diese Zeit begleitet mich immer noch in meinen Träumen. Am 08.06.2012 kam dann gegen 22:00 Uhr mein Pfleger herein und sagte, dass es bald losgehen werde und ein passendes Herz für mich gefunden worden sei.

Mobil-e: Was passierte nach Ihrer Herztransplantation?

Elmar Sprink: Zu Beginn wurde das Herz von meinem Körper abgestoßen, was recht normal ist. Bei mir kam hinzu, dass ich das Sitzen, Stehen und Gehen wieder erlernen musste, da ich durch das lange Liegen fast keine Muskeln mehr hatte. Der Weg war hart, aber ich habe jeden Fortschritt positiv gesehen. Zwei Monate nach meiner Entlassung im Juli fiel zwar das Gehen noch schwer, aber ich konnte bereits wieder Rennradfahren. Der größte Rückschlag war eine weitere Abstoßung im September und ein damit verbundener erneuter Klinikaufenthalt. Ende 2012 sind wir mit der ganzen Familie in den Skiurlaub gefahren. Und dann ging es wirklich bergauf. Nicht nur täglich auf den Gletscher, sondern auch mit meiner Fitness.

Mobil-e: Waren Sie schon vor Ihrer Erkrankung sportlich aktiv?

Elmar Sprink: Ja, ich habe bis zu meinem 30. Lebensjahr aktiv Fußball gespielt, war im Urlaub Ski- oder Snowboardfahren, Wellenreiten und Bergsteigen. Mit 30 habe ich mit dem Laufen begonnen und dann zwei Marathons absolviert. Danach war ich aktiver Triathlet und habe bis zu meiner Erkrankung weltweit sieben Ironman-Rennen gefinisht.

Mobil-e: Was motiviert Sie, weiterhin sportliche Höchstleistungen zu vollbringen?

Elmar Sprink: Ich habe mir direkt nach der Transplantation eine Liste mit Dingen geschrieben, die ich gern noch einmal erleben wollte. Da gab es kleine Ziele, größere und Träume. Der Ironman auf Hawaii war zu dem Zeitpunkt sicher einer der Träume. Mit kleinen realistischen Zwischenzielen habe ich es dann geschafft, mir viele dieser Dinge zu erfüllen.

Mobil-e: Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Elmar Sprink: Gesundheit ist unser wichtigstes Gut. Ich werde alles dafür tun, möglichst lange gesund und fit zu bleiben. Der Rest kommt dann von selbst. 2017 ist das 50. Jubiläum der ersten Herztransplantation in Kapstadt. Aus diesem Anlass starte ich mit meinem Kumpel Wouter aus Holland, der ebenfalls ein Spenderherz hat, beim Mountainbike-Etappenrennen Cape Epic in Südafrika. Und wenn man mich noch mal zum Ironman Hawaii einladen würde, wäre ich sicher auch nicht abgeneigt (lacht).

Mobil-e: Auf Ihrem Trikot steht „Organspende rettet Leben“ – was ist Ihr Anliegen?

Elmar Sprink: Mein Leben wurde definitiv durch die Organspende gerettet. Ich, meine Familie und meine Freunde – wir alle sind dem Spender und seiner Familie so dankbar und ich denke ganz oft an ihn, gerade beim Sport. Mein Fall zeigt einfach, wie schnell es gehen kann. Ich war sieben Wochen vor dem Herzstillstand beim Kardiologen und dort war alles in bester Ordnung. Es kann jeden treffen, daher versuche ich, durch meine Geschichte auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen.

Mobil-e: Frau Dr. Esefeld, was kann einen Herzstillstand auslösen?

Dr. Katrin Esefeld: Meistens haben die Ursachen einen direkten Bezug zum Herzen. Auslöser sind oft Rhythmusstörungen, die bei verschiedenen Herzerkrankungen auftreten, vor allem bei der koronaren Herzkrankheit, Herzmuskelerkrankungen, einem Herzklappenfehler oder angeborenen Fehlverläufen von Herzkranzarterien. Daneben gibt es Ursachen, die nicht direkt mit dem Herzen zu tun haben, beispielsweise eine Sauerstoffunterversorgung, eine Lungenembolie, aber auch Vergiftungen und Drogen- oder Medikamentenmissbrauch.

Mobil-e: Wie wird entschieden, ob eine Transplantation notwendig und möglich ist?

Dr. Katrin Esefeld: Eine Transplantation ist bei schwerer Herzschwäche oder einem Herzfehler erforderlich. Die behandelnden Kardiologen entscheiden in einer solchen Situation unter Berücksichtigung der Begleiterkrankungen und Prognose des Patienten. Er wird dann in der Regel in einem Transplantationszentrum vorgestellt, dort typisiert und auf die Transplantationsliste gesetzt.

Mobil-e: Wie wahrscheinlich ist es, dass der Körper ein fremdes Organ annimmt?

Dr. Katrin Esefeld: Nach fünf Jahren funktionieren circa 65 % der Herzen, bei der Bauchspeicheldrüse liegt der Wert ähnlich hoch, bei Nieren ist er sogar ein wenig besser (rund 75 %), bei der Lunge und der Leber etwas schlechter (etwa 55 %).

Mobil-e: Wie wichtig ist es, dass man schon vor der Transplantation über eine gute Konstitution und Fitness verfügt hat?

Dr. Katrin Esefeld: Beides wirkt sich sicherlich positiv auf die Regeneration aus und ist auch eine Voraussetzung dafür, die Transplantation gut zu überstehen. Bei solchen Patienten gibt es erfahrungsgemäß generell weniger Komplikationen bei einer OP.

Mobil-e: Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um nach seinem Tod Organe spenden zu dürfen?

Dr. Katrin Esefeld: Grundvoraussetzung ist zunächst, dass der Hirntod nachweislich und mit absoluter Sicherheit vorliegt. Außerdem müssen natürlich die zu transplantierenden Organe gesund und funktionsfähig sein. Bei bestimmten Infektionen wie Tuberkulose und HIV sowie bei akuten Krebserkrankungen ist eine Organspende nicht möglich. Eine Altersbegrenzung gibt es in Deutschland nur bei einigen Organen. Häufig werden Organe älterer Menschen auch an ältere Patienten auf der Warteliste vergeben. Ganz wichtig ist natürlich, dass auf jeden Fall die Zustimmung des Verstorbenen oder seiner Angehörigen vorliegt. Idealerweise hat der Betroffene selbst seinen Wunsch, ob und welche Organe transplantiert werden dürfen, in einem Organspendeausweis festgehalten.

Organspende – eine sehr wichtige Entscheidung

Eine Organspende kann Leben retten. Viele Menschen sind deshalb damit einverstanden, ihren Körper in Zukunft für eine Transplantation zur Verfügung zu stellen. Andere haben ganz persönliche Gründe, aus denen sie eine Organspende für sich selbst ablehnen. Als Ihre Krankenkasse möchten wir Sie ermutigen, Pro und Contra für sich abzuwägen und Ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis zu dokumentieren – ganz unabhängig davon, ob Sie spenden möchten oder nicht. Nur so können Sie Ihren Angehörigen ersparen, für Sie entscheiden zu müssen, falls Sie jemals als Organspender infrage kommen sollten. Auf unserer Website haben wir ausführliche Informationen rund um das Thema Organspende für Sie zusammengestellt. Hier haben Sie auch die Möglichkeit, einen Organspendeausweis zu bestellen.

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