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Work & Life 03/2019
Frau im kuenstichen Licht
© Tom Merton / Getty Images

Hallo, Herbst: Wie wirkt künstliches Licht auf die Gesundheit?

Die dunkle Jahreszeit hat begonnen und schon bald kommen wir um künstliches Licht kaum noch herum. Lichtexperte Dr. Alexander Wunsch hat uns im Interview verraten, welche Wirkung die Wahl der Beleuchtung auf die Gesundheit des Menschen hat.

Ähnlich wie Luft und Wasser begleitet auch Licht den Menschen von Geburt an. Dennoch machen sich nur wenige Gedanken über seine Wirkung. Tatsächlich beeinflusst Licht unseren Organismus über vielfältige Mechanismen – und nur wenn man sie kennt, kann man seine Vorteile nutzen und mögliche Schäden vermeiden. Wie gutes Licht den biologischen Rhythmus im Gleichgewicht hält, warum schlechtes Licht krank machen kann und wie wir mit Sonnenlicht, Kunstlicht und farbigem Licht richtig umgehen, erklärt der Arzt und führende Lichtexperte Dr. med. Alexander Wunsch in seinem Buch „Die Kraft des Lichts“. Wir haben ihn dazu befragt.

Mobil-e: Herr Dr. Wunsch, Sie unterteilen Licht in „gut“ und „schlecht“ – was hat es damit auf sich?

Dr. Alexander Wunsch: Gutes Licht ist dadurch gekennzeichnet, dass sich unsere Gene im Laufe der Evolution daran gewöhnt und angepasst haben. Der Körper kann daher aus bestimmten Bereichen des natürlichen Lichtspektrums wichtige Steuersignale ableiten, die der Organismus dringend braucht, um langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben. Diese Steuersignale geben unserem Organsystem darüber Aufschluss, ob es draußen Tag oder Nacht, Sommer oder Winter, warm oder kalt, gemütlich oder gefährlich ist. Es gibt aber auch Licht, das unser Organismus aus dem Laufe der Evolution nicht kennt, an das er sich also nicht auf regulativer Ebene gewöhnen konnte. Dazu gehört insbesondere das kalte Licht aus modernen Kunstlichtquellen, zum Beispiel weißes LED-Licht, oder das Licht von Hintergrundbeleuchtungen bei Smart Devices, TVs und Computermonitoren. Übrigens kann auch gutes Licht zu schlechtem Licht werden, zum Beispiel wenn zu viel Sonnenlicht einen Sonnenbrand verursacht.

Mobil-e: Wie wirkt schlechtes Licht auf den Menschen?

Dr. Alexander Wunsch: Der richtige Umgang mit Licht ist für die Gesundheit ebenso wichtig wie gute Ernährung, saubere Luft und genügend Bewegung. Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas und sogar Krebs werden durch zu wenig Tageslicht und zu viel künstliches Licht begünstigt.¹ Der Mensch nimmt Licht sowohl über die Augen als auch über die Haut auf. Bei schlechtem Licht kann es dann zum Beispiel passieren, dass über das Auge Wirkungen suggeriert werden, die das Licht über die Haut und den Körper nicht erzielen kann. So signalisiert bläulich-helles Licht dem Organismus über die Augen das Vorhandensein von UV-Strahlung. Fehlt diese dann in dem Licht, das auf die Haut trifft, kommt es zu Fehlreaktionen im Körper, ausgelöst zum Beispiel durch die Bildung von Stresshormonen, die unnötigerweise produziert wurden.

Mobil-e: Welche spezielle Wirkung hat die Beleuchtung von Fernsehgeräten, Computern und Handys auf die Gesundheit?

Dr. Alexander Wunsch: Fast alle Displays sind heute mit LEDs für die Hintergrundbeleuchtung ausgestattet. Unsere Augen sind jedoch nicht dafür gemacht, täglich stundenlang in eine aktive Lichtquelle zu starren. Das Lichtspektrum solcher Geräte kann Augen und Hormonsystem langfristig schädigen. Dabei ist ein Teil der negativen Effekte auf den erhöhten Blauanteil zurückzuführen, ein anderer Teil auf das Fehlen von Nahinfrarotlicht. Im Sonnenlicht ist der Nahinfrarotanteil genauso stark vertreten wie das sichtbare Licht, er gehört also zu unserer natürlichen Strahlungsumgebung. In der Lichtmedizin ist bekannt, dass Nahinfrarot die Zellregeneration verbessert und die Wundheilung effektiv beschleunigt. Da dieser nützliche Spektralbereich im LED-Licht fehlt, wirken die potenziell schädlichen Blaulichtanteile doppelt problematisch.

Mobil-e: Wie kann man sich dagegen schützen?

Dr. Alexander Wunsch: Das Tragen von gelblich getönten Blaulichtschutzbrillen wirkt sich positiv auf das Hormonsystem und die Augengesundheit aus. Software-Lösungen zur Verminderung des Blaulichts im Bildschirmlicht sind neueren Studien zufolge hingegen weniger effektiv.² Zusätzlich sollte die Bildschirmarbeit regelmäßig unterbrochen werden und in den Abendstunden möglichst nicht mehr stattfinden.

Mobil-e: Und was sollte man generell bei der Beleuchtung zu Hause und am Arbeitsplatz beachten?

Dr. Alexander Wunsch: Die meisten Menschen bekommen heute am Tag zu wenig echtes, ungefiltertes Tageslicht und abends beziehungsweise nachts zu viel Kunstlicht. Um seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun, sollte man deshalb immer nur so viel Kunstlicht verwenden, dass eine gute Orientierung im Raum möglich wird – nicht mehr. Optimal ist Kerzenlicht, aber auch echte Glühlampen und Halogenlampen erzeugen ein Spektrum, das den natürlichen Bedingungen nahekommt. Wer auf LEDs ausweichen muss, sollte auf eine warme Lichtfarbe von weniger als 2700 Kelvin und auf eine hohe Farbwiedergabe mit einem CRI-/Ra-Wert von mehr als 95 achten. Zudem sollten LEDs flimmerfrei sein. Quecksilberhaltige Energiesparlampen sind grundsätzlich nicht zu empfehlen. Auch die Position der Lichtquellen spielt eine wichtige Rolle: Während am Tag in der Natur das helle Licht von oben kommt, sollten die Lichtquellen am Abend eher von vorne oder von unten strahlen.

(1) Quelle: Untersuchungen des Internisten und Augenarztes Prof. Fritz Hollwich, die er in seinem Buch „Influence of Ocular Light Perception on Metabolism in Man and Animal“ veröffentlicht hat.

(2) Quelle: Studie „Does the iPad Night Shift mode reduce melatonin suppression?“

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