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Ausgabe 03/2019
Familie 03/2019
Kind mit Malfarben
© Tassii / Getty Images

Wie Kinder lernen, forschen und die Welt entdecken

Wie macht man das Licht an? Wozu ist ein Schlüssel da? Für Kleinkinder steckt die Welt voller Rätsel, die sie lösen möchten. Wie sie dabei vorgehen und was Erwachsene von ihnen lernen können, hat uns der Psychologe Prof. Dr. Sebastian Berger erklärt.

Wenn der Sohn sein Mittagessen in gefühlter Endlosschleife auf den Boden wirft und die Tochter unermüdlich mit dem Löffel auf verschiedene Töpfe haut und damit einen Heidenlärm erzeugt, so ist das höchstwahrscheinlich keine böse Absicht, sondern lediglich der unermüdliche Drang, die Umwelt zu erforschen: Fällt wirklich nicht nur die Nudel, sondern auch der Brokkoli immer nach unten? Wie klingt es, wenn ich auf ein kleines Gefäß schlage, und wie hört es sich an, wenn ich den ganz großen Topf treffe? All das sind kleine Experimente, mit denen Kinder nach und nach entdecken, wie die Welt funktioniert, weiß Prof. Dr. Sebastian Berger. Der Wirtschafts- und Sozialpsychologe begann mit der Geburt seines Kindes, sich auch von einem wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus für kindliche Frühentwicklung zu interessieren. In seinem Buch „Geniale Kindsköpfe“ hat er seine Beobachtungen aufgeschrieben – wir konnten mit ihm darüber sprechen.

Autor Sebastian Berger
Autor Sebastian Berger
© DominiqueKrevet_PicturePeopleKoeln

Mobil-e: Herr Prof. Berger, wie erforschen Kinder ihre Umwelt?

Prof. Dr. Sebastian Berger: In uns Menschen ist der Drang nach Erkenntnis quasi „eingebaut“. Alle Kinder wollen lernen, die Welt zu verstehen und sich in ihr zurechtzufinden. Dieser Erkenntnisdrang beginnt nicht erst im fortgeschrittenen Alter, sondern mit Tag eins. Erstaunlich ist, dass die Methoden klare Parallelen zu Wissenschaftlern aufweisen. Kinder lernen wie Forscher, die Welt durch statistische Schlüsse und durch gezielte Experimente zu verstehen. Sie verstehen dabei sehr viel früher sehr viel mehr, als wir ihnen im Allgemeinen zutrauen. Schon Babys im zarten Alter von wenigen Monaten haben grundlegende Theorien über Moral, Logik, Sprache oder Mathematik. Darauf basierend versuchen sie, die Welt zu verstehen, zu gestalten und gezielt zu nutzen. Wenn ihre kindlichen Theorien danebenliegen, also konsistent zu falschen Vorhersagen führen, dann wird die Theorie verworfen und eine neue muss her.

Mobil-e: Wie können Eltern ihre Kinder bei ihren Erkundungen unterstützen?

Prof. Dr. Sebastian Berger: Kinder im Kleinkindalter lernen in aller Regel von ganz allein. Der Drang zum Forschen kommt aus ihrem Innersten. Eltern handeln also am besten nach dem Motto „weniger ist mehr“. Im freien Spiel und beim Toben im Zimmer oder im Wald finden Kinder genau das Forschungslabor, das sie brauchen. Im Bereich des sozialen Lernens spielen die Eltern jedoch eine wichtige Rolle – nicht als Lehrer, sondern als „Datenpunkte“. Kinder schauen genau darauf, wie ihre Eltern anderen Menschen begegnen, wie sie auf Bedrohungen oder Chancen reagieren oder wie sie im Umgang miteinander sind. Deshalb sollten Eltern sich bewusst sein, dass sie den Kindern durch ihr Verhalten zeigen, wie man sich zu verhalten hat. Sind sie höflich zueinander, lernen die Kinder, dass dies ein normaler Umgang ist. Beschimpfen sie einander häufig, gehen die Kinder hingegen davon aus, dass es okay ist, sich so zu verhalten.

Mobil-e: Gibt es weitere Verhaltensweisen, die Eltern lieber unterlassen sollten?

Prof. Dr. Sebastian Berger: Ich verweise bei dieser Frage gern auf eine Metapher der Erziehungswissenschaftlerin und Psychologin Alison Gopnik aus Berkeley: Wir sind keine Zimmerleute, die ihre Kinder wie ein Stück Holz formen. Wir sind eher Gärtner, die das Pflänzchen mit Nahrung und Sonne versorgen und es von alleine gedeihen lassen. Es gibt generell sehr wenig wissenschaftliche Erkenntnisse über viele „Mikrodinge“ der Erziehung. Mich selbst erstaunt immer wieder, dass viele Eltern in unerheblichen Dingen oft sehr genau wissen, was „richtig“ ist, etwa ob sie Stoff- oder Papiertaschentücher verwenden sollen. Auf die Frage, was denn die große Philosophie ihrer Elternschaft ist, haben die meisten keine Antwort parat. Mein Tipp wäre, dass sich Eltern einmal ausführlich darüber Gedanken machen, wer sie selbst sind, für welche Werte sie stehen und wie sie das ihren Kindern zeigen wollen. Ob es nun ein Hirsebällchen oder ein Hirsekringel zum Snack sein soll, ist erst mal nicht so wichtig.

Mobil-e: Was können wir Erwachsenen Ihrer Meinung nach von Kindern lernen?

Prof. Dr. Sebastian Berger: Meine Antwort ist ganz simpel. Kinder gehen vorurteilsfrei und wahrhaftig forschend – das heißt auf der Suche nach Erkenntnis, nicht nach Bestätigung – an die Welt heran. Ein bisschen mehr davon täte uns allen gut. In der Welt gibt es viel zu entdecken, es gibt immer noch unendlich viel zu forschen und zu wissen. Mein großer Appell an die Erwachsenen ist, sich mehr von der „Kindsköpfigkeit“ – und damit meine ich das scheinbar zwecklose Ansammeln von Wissen durch Spiel und Spaß – zu bewahren, idealerweise bis zum Tod. Es gibt immer mehr zu wissen. Es gibt immer mehr zu sehen. Dafür reicht kein einziges Leben und man hört besser nie damit auf. Im Alltagsstress versuche ich mir das jeden Tag zu vergegenwärtigen.

Verlosung: „Geniale Kindsköpfe – Wie Babys die Welt erforschen und was wir von ihnen lernen können“

Buchcover Geniale Kindskoepfe
© Kösel Verlag

Babys sind wahre Lernwunder. Wie Wissenschaftler erkunden sie ihre Umgebung experimentell, werten statistische Informationen aus und leiten daraus allgemeingültige Regelmäßigkeiten ab. Einen neuen Blick auf die faszinierende Welt dieses frühkindlichen Lernens eröffnet Prof. Sebastian Berger in seinem Buch „Geniale Kindsköpfe – Wie Babys die Welt erforschen und was wir von ihnen lernen können“. Er erlaubt es seinen Lesern, Kinder besser zu verstehen und wertzuschätzen. Wir verlosen drei Exemplare des spannenden Handbuchs. Nutzen Sie Ihre Chance, indem Sie einfach das Gewinnspielformular ausfüllen. Teilnahmeschluss ist der 31.10.2019. Wir drücken Ihnen die Daumen.

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