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Ausgabe 03/2019
Fitness 03/2019
Erkaeltete Sportlerin
© Geber86 / Getty Images

Sport bei Erkältung: Fit genug fürs Training?

Die Erkältungszeit steht vor der Tür. Wann man bei Grippe & Co. eine Trainingspause machen sollte, hat uns Expertin Dr. Verena Heinicke erläutert.

Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, der freut sich oft darauf, nach der Arbeit beim Training ordentlich ins Schwitzen zu geraten. Doch was, wenn der Hals am Nachmittag plötzlich anfängt zu kratzen und die Glieder schmerzen – darf man trotz nahender Erkältung Sport treiben? Und wie sieht es aus, wenn eine Grippe schon langsam abklingt – wann können wir die Trainingspause bedenkenlos beenden? Antworten auf diese und weitere Fragen hat uns Dr. Verena Heinicke, Internistin und Sportmedizinerin am Zentrum für Prävention und Sportmedizin der TU München, im Interview gegeben.

Mobil-e: Frau Dr. Heinicke, sollte man bei einer Erkältung immer mit dem Training pausieren?

Dr. Verena Heinicke: Jeder Infekt beeinträchtigt das Immunsystem, deshalb sollte man während einer Erkrankung unbedingt auf Sport verzichten – ganz gleich, ob man an einem grippalen Infekt, einer echten Grippe oder an einem anderen Infekt leidet. Unsere Abwehrkräfte sind in dieser Zeit vollauf damit beschäftigt, sich gegen die Krankheitserreger zu wehren. Kommt ein weiterer Stressfaktor hinzu, können sich Viren und Bakterien leichter ausbreiten und sogar das Herz in Mitleidenschaft ziehen. Sport kann ein solcher Stressfaktor sein – gerade hohe Intensitäten und Belastungen. Deshalb sollte als strikte Regel gelten: Kein Sport bei Gliederschmerzen, Erkältung, allgemeinem Krankheitsgefühl, Lymphknotenschwellungen, Fieber, verfärbtem Auswurf, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall sowie bei erhöhten Entzündungswerten im Blut.

Mobil-e: Was sind Risiken, wenn man sich nicht daran hält?

Dr. Verena Heinicke: Wer bei einem Infekt trotzdem weiter trainiert und Sport treibt, hat ein höheres Risiko für eine Herzmuskelentzündung. Man geht davon aus, dass 5 % aller viralen Infekte eine Mitbeteiligung des Herzens verursachen, jedoch wird dies nicht immer bemerkt. Bakterielle Infekte sind seltener für Herzmuskelentzündungen verantwortlich. Das Risiko steigt jedoch, wenn man zusätzlich Sport treibt, da das Immunsystem dadurch weiter geschwächt wird und die Krankheitserreger sich leichter im Körper ausbreiten können.

Mobil-e: Woran kann man selbst eine Herzmuskelentzündung erkennen?

Dr. Verena Heinicke: Die Symptome können sich vielfältig darstellen. Die Beschwerden reichen von einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit und Kurzatmigkeit, wie sie oft ohnehin bei einer Erkältung auftreten, über Herzrhythmusstörungen, Schmerzen in der Brust und Schwindel bis hin zum Kollaps. Mein Rat lautet deshalb: Wer während eines Infektes neue Beschwerden am Herzen hat, sollte damit unbedingt zum Arzt gehen. Dieser kann dann mithilfe von EKG, Blutabnahme und Ultraschall feststellen, ob tatsächlich eine Herzmuskelentzündung vorliegt. Ist dies der Fall, ist besonders wichtig, dass sich der Patient körperlich vollständig schont.

Mobil-e: Woran merkt man, wann man wieder ins Training einsteigen kann?

Dr. Verena Heinicke: Eine Erkältung muss vollständig auskuriert sein, bevor man wieder mit Sport beginnt. Das heißt, dass alle Symptome der Erkältung abgeklungen sein sollten. Wer Fieber hatte, sollte sogar mindestens sieben Tage warten, bevor er wieder ins Training einsteigt. Dabei gilt: Der Wiedereinstieg in den Sport sollte mit geringer Belastungsintensität erfolgen. Fühlt man sich anschließend gut und hat keine Beschwerden, kann man auch wieder die Intensität steigern. Ausnahme: Im Falle einer Herzmuskelentzündung darf sechs Monate lang kein Sport ausgeübt werden.

Mobil-e: Was ist zu beachten, wenn man Medikamente zur Behandlung des Infekts einnimmt?

Dr. Verena Heinicke: Grundsätzlich ist davon abzuraten, mit dem Training zu beginnen, solange noch Medikamente eingenommen werden. Denn: Die Symptome der Erkrankung werden durch die Medikamente reduziert, obwohl der Infekt noch besteht. Deswegen sollte man die Trainingspause erst beenden, wenn man keine Schmerzmittel und fiebersenkenden Medikamente mehr einnimmt und keine Symptome mehr vorhanden sind. Bei schweren bakteriellen Infekten kann es sein, dass der Arzt dem Patienten Antibiotika verschreibt. Abhängig von der Art der Erkrankung und vom Präparat muss man diese meist zwischen drei und zehn Tagen einnehmen. Im Normalfall ist mit Beendigung der Antibiose auch der Infekt abgeheilt, dennoch empfehlen wir, auch dann noch eine Woche mit sportlichen Betätigungen zu warten. Spazierengehen ist aber auch vorher schon wieder möglich. Zu beachten ist bei der Einnahme von Antibiotika, dass bestimmte Wirkstoffe mit einem erhöhten Risiko für eine Reizung der Sehnen einhergehen – in diesem Fall sollte man darauf achten, die Achillessehne während dieser Zeit nicht zu überfordern.

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