Rubrik Navigation

Vorheriger Rubrik
Gesundheit
Nächste Rubrik
Gesundheit 03/2018
Frau haelt Apfel vor den Bauch
© PeopleImages / Getty Images

Darm und Gehirn: Eine schlaue Verbindung

Auf den ersten Blick haben Darm und Gehirn wenig gemeinsam – doch das täuscht: Neue Forschungen zeigen, dass der eine nicht ohne den anderen kann. Expertin Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann verrät mehr über den Zusammenhang zwischen Darm und Psyche.

Wie wir uns fühlen und was wir denken ist keine reine Kopfsache: Nicht nur das Gehirn, sondern auch unser Darm entscheidet darüber, ob wir optimistisch, konzentriert, gut gelaunt und entspannt durchs Leben gehen oder beispielsweise unter Stress und Ängsten leiden. Die Wissenschaft findet immer mehr Belege dafür, wie eng Darmbakterien und Gehirnzellen zusammenwirken. Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann ist Ärztin sowie Professorin für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg und Autorin des Buchs „Schlau mit Darm“. Im Interview hat sie uns verraten, wie die Verbindung zwischen Darm und Gehirn unsere Stimmung und unser Gemüt beeinflusst und was wir aktiv tun können, um sie zu verbessern.

Mobil-e: Frau Prof. Axt-Gadermann, inwiefern beeinflusst der Darm unsere Psyche?

Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann: Darm und Gehirn stehen über zwei Wege sehr eng miteinander in Kontakt: Zum einen gibt es eine direkte Nervenverbindung, den Nervus vagus, der quasi eine direkte Datenautobahn zum Gehirn darstellt. Er verbindet den Lebensraum der Darmbakterien geradewegs mit den Gehirnzellen. Über diese Standleitung sendet der Darm ständig seine Informationen ins Gehirn. Zum anderen kommuniziert der Darm über Botenstoffe, die von den Darmbakterien und der Darmschleimhaut produziert werden, mit dem Gehirn. Auch auf diesem Weg kann er unser Befinden stark beeinflussen.

Mobil-e: Können Sie die Rolle der Darmbakterien etwas genauer erklären?

Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann: In unserem Darm leben rund 100 Billionen Keime. Diese produzieren zahlreiche Hormone und Botenstoffe, die über das Blut bis zum Gehirn gelangen. Einige Arten der Darmbakterien sind zum Beispiel an der Bildung von Hormonen, die Appetit und Sättigung beeinflussen, beteiligt. Andere produzieren Botenstoffe, die Ängste auslösen oder uns beruhigen können. Im Tierversuch ließ sich sogar das Verhalten durch die Übertragung von Darmbakterien verändern: Erhielten scheue Mäuse die Darmflora von aggressiven Tieren, so wurden sie ebenfalls wilder. Auch beim Menschen beobachtet man Ähnliches. So haben depressive Personen eine andere Darmflora als gesunde und bei Autismus treten bestimmte Darmkeime in besonders hoher Zahl auf. Man kann dieses Wissen auch aktiv nutzen, um Empfindungen und Stimmungen zu beeinflussen. So haben Wissenschaftler herausgefunden, dass der Stresshormonspiegel von Menschen nachweislich sinkt, wenn ihnen Milchsäurebakterien oder Bifidobakterien verabreicht werden.

Mobil-e: Wie können wir unsere Darmgesundheit positiv beeinflussen?

Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann: Während wir als „Wirte“ gern zu leicht verdaulichen Kohlenhydraten wie Gummibärchen oder Kuchen greifen, haben unsere „Gäste“ im Darm viel mehr Appetit auf Präbiotika. Präbiotika sind unverdauliche Ballaststoffe, die anders als die übrigen Nährstoffe nicht direkt im Darm aufgenommen werden, sondern vom Magen über den Dünndarm weiter in den Dickdarm wandern und dort der Darmflora als Energiequelle dienen. Präbiotische Ballaststoffe kommen zum Beispiel in Lauch, Knoblauch, Haferflocken und Hülsenfrüchten vor und sind gut für den Darm. Auch kalte Kartoffeln, kalte Nudeln und kalter Reis sind ein wunderbares Bakterienfutter, denn durch das Abkühlen verändert sich die Stärke zu resistenter Stärke, die wiederum eine wichtige Energiequelle für die Darmzellen darstellt. Neben präbiotischen sind auch probiotische Lebensmittel super für die Darmflora. Probiotika sind bestimmte Bakterien, die in aktiver Form in den Darm gelangen und sich dort günstig auf die Gesundheit auswirken. Reichlich enthalten sind sie beispielsweise in Joghurt, Kefir, Käse und Sauerkraut.

Mobil-e: Und welche Faktoren schaden unserer Darmgesundheit?

Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann: Dass Antibiotika die Darmflora schädigen, ist schon länger bekannt und wissenschaftlich erwiesen – man sollte sie deshalb wirklich nur einnehmen, wenn es keine Alternative gibt. Ungünstig wirken sich auch eine ballaststoffarme Ernährung und Fast Food aus, denn diese Nahrungsmittel werden schon im oberen Darmabschnitt resorbiert und gelangen nicht bis zum Dickdarm, wo ein Großteil der Keime sitzt, die über unsere Gesundheit und unser Gefühlsleben entscheiden. Und auch zu viel Hygiene im Haushalt schadet unserer Gesundheit, denn Desinfektionsmittel unterscheiden nicht zwischen nützlichen und schädlichen Bakterien. Unser Körper benötigt die regelmäßige Auseinandersetzung mit Keimen, um das Immunsystem auf Trab zu halten. Ein großes Problem ist auch Stress, denn er sorgt dafür, dass die bakterielle Vielfalt zurückgeht. Eine solche Störung der Lebensgemeinschaft im Darm kann wiederum Stresssignale an den Kopf schicken, wodurch Alltagsstress sich schnell zu gefühltem Megastress aufschaukelt. Die Darmflora kann uns sowohl schaden als auch schützen. Gelingt es uns, unseren Darmbewohnern eine angenehme Umgebung zu schaffen und sie gut zu füttern, können wir auch unsere Psyche positiv steuern und ein entspannteres Leben führen.

Sechs Tipps für Darmgesundheit und Wohlbefinden

Im täglichen Leben kann man einiges tun, um seinen Darm zu pflegen und somit auch ein aufgewühltes, gestresstes Gehirn zu beruhigen beziehungsweise – wenn es einem gerade gut geht – diesen Zustand möglichst lange zu erhalten. Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann hat effektive Tipps zusammengestellt.

  1. Antibiotika nur bei Bedarf einnehmen
    Falls eine Einnahme notwendig ist, sollte man anschließend unbedingt die Darmflora durch eine darmfreundliche Ernährung mit Präbiotika und Probiotika plus gegebenenfalls entsprechende Nahrungsergänzungsmittel aufbauen.
     
  2. Auf desinfizierende Haushaltsreiniger verzichten
    Je hygienischer die Umgebung, desto häufiger treten zum Beispiel Allergien und Asthma auf und desto eintöniger und damit schwächer ist unsere Darmflora.
     
  3. In Bewegung bleiben
    Sportler haben eine vielfältigere Darmbesiedelung als Couch-Potatoes. Schon regelmäßiges Gehen reicht aus, um eine Veränderung im Darm zu bewirken.
     
  4. Negativen Stress vermeiden
    Unter Druck entspannt zu bleiben, ist leichter gesagt als getan – helfen kann eine darmfreundliche Ernährung mit prä- und probiotischen Stoffen. Einige Bakterienstämme senken sogar messbar den Stresshormonspiegel und das persönliche Stressempfinden.
     
  5. Häufiger mal selber kochen
    Zusatzstoffe in Fertiggerichten (Konservierungsstoffe, Süßstoff, Emulgatoren) können der Darmflora schaden.
     
  6. Das Leben richtig genießen
    Eine darmfreundliche Ernährung bedeutet nicht, auf alles zu verzichten: Kaffee, Espresso, dunkle Schokolade, Rotwein (in Maßen), grüner Tee und reifer Käse fördern ebenfalls eine gesunde Darmflora.

Verlosung: „Schlau mit Darm“

Buch Schlau mit Darm
© südwest

In ihrem Buch „Schlau mit Darm“ veranschaulicht Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann auf spannende und unterhaltsame Weise den Zusammenhang zwischen Darm und Psyche. Darüber hinaus enthält das Buch viele Tipps zur Förderung der Darmgesundheit und Rezepte, mit denen man Darm und Hirn verwöhnen kann. Wir verlosen drei Exemplare des Buchs. Nutzen Sie Ihre Chance, indem Sie einfach das Gewinnspielformular ausfüllen. Teilnahmeschluss ist der 31.10.2018. Wir drücken Ihnen die Daumen.

Olivenoelflaschen und Oliven
Vorheriger artikel
Diese Pflanzenöle sind gut für die Gesundheit
Maedchen leidet unter Cybermobbing per Handy
Nächster artikel
Cybermobbing: Dem Hass im Internet Paroli bieten

Newsletter bestellen und informiert bleiben

Aktiv-Prämie, erweiterte Früherkennungs- und Vorsorgeangebote, Fitnessstudio-Rabatte oder Ernährungskurse: In vollem Umfang von unseren zahlreichen Zusatzleistungen und Angeboten profitieren kann nur, wer informiert bleibt. Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Newsletter und lassen Sie sich bis zu 10x jährlich über Leistungs- und Serviceangebote sowie rund um die Themen Sport, Familie oder Gesundheit im Job informieren.

Mitglieder werben Mitglieder

Sie sind zufrieden mit der BKK Mobil Oil? Dann empfehlen Sie uns doch einfach weiter. Als Dankeschön erhalten Sie für jedes geworbene Mitglied von uns 20,00 Euro.