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Ausgabe 03/2018
Young 03/2018
Maedchen leidet unter Cybermobbing per Handy
© Highwaystarz-Photography / Getty Images

Cybermobbing: Dem Hass im Internet Paroli bieten

Jemanden zu beleidigen ist online viel leichter als von Angesicht zu Angesicht – zum Leidwesen vieler Jugendlicher, die vom sogenannten Cybermobbing betroffen sind. Expertin Dr. Anja Schultze-Krumbholz erklärt, was das Phänomen so tückisch macht.

Böse Kommentare bei Facebook oder ein privates Foto, das plötzlich massenweise geteilt wird – das Internet macht es einfach, andere zu beschimpfen oder bloßzustellen. Die erschreckende Folge: In einer aktuellen Studie gaben zwei Fünftel der befragten Jugendlichen in Deutschland an, dass in ihrem Bekanntenkreis schon mal jemand im Internet gemobbt wurde, und 8 % waren bereits selbst von Cybermobbing betroffen.

Was ist Cybermobbing eigentlich?

Oft kennen sich Opfer und Täter nicht einmal persönlich.

Dr. Anja Schultze-Krumbholz

„Cybermobbing ist dem Offline-Mobbing grundsätzlich sehr ähnlich“, sagt die Psychologin Dr. Anja Schultze-Krumbholz von der Technischen Universität Berlin. „Bei beiden Formen des Mobbings wird eine Person aus oftmals banalen Gründen zum Opfer der Angriffe und Verunglimpfungen einer Gruppe von Menschen. Es gibt aber auch große Unterschiede: Beim ‚klassischen‘ Mobbing wird das Opfer meist von einer relativ klar definierten Gruppe verbal, psychisch oder körperlich geschädigt. Das kann zum Beispiel ein Schüler sein, der vom Rest der Klasse gehänselt, ausgegrenzt oder gar geschlagen wird. Mobbing im Internet spielt sich hingegen über Social-Media-Kanäle oder per Messenger ab, sodass die Gruppe der Täter erheblich größer sein kann. Opfer und Täter müssen sich beim Cybermobbing nicht einmal persönlich kennen. Manchmal werden die Betroffenen direkt attackiert, indem sie beleidigt, belästigt oder bedroht werden. In anderen Fällen erfolgt das Cybermobbing indirekt durch die Demütigung vor anderen Internetnutzern.“ Besonders tückisch: Gegen Cybermobbing können sich die Betroffenen nur schwer wehren, weil sich Inhalte im Internet rasant verbreiten und kaum entfernen lassen.

Jeder kann zum Opfer werden

Oft sind Opfer von Offline-Mobbing auch Opfer von Cybermobbing und Täter von Offline-Mobbing auch Täter von Cybermobbing. Andersherum kann es aber auch sein, dass eigentlich beliebte Schüler im Internet plötzlich gemobbt werden. Die Erklärung hierfür liegt auf der Hand: In der vermeintlichen Anonymität des Internets erfordert es kein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und wenig Mut, jemanden lächerlich zu machen oder zu bedrohen und sich so zum Beispiel für in der Schule Erlebtes zu rächen. Ist der Stein erstmal ins Rollen gebracht, können die Folgen jedoch in beiden Fällen ähnlich fatal sein. Viele empfinden Cybermobbing noch bedrohlicher als das herkömmliche Mobbing. Ist letzteres zeitlich und räumlich zumeist begrenzt – beispielsweise auf die Unterrichtszeit und den Schulhof –, können die Täter ihre Opfer im Internet rund um die Uhr und zu jeder Zeit tyrannisieren. Damit fallen bisher bestehende Schutzräume für die Betroffenen weg. Hilflosigkeit, Stress und Angst können einen gravierenden Einfluss auf das Leben des Opfers haben: „Studien zeigen, dass viele unter Schlaflosigkeit und depressiven Stimmungen bis hin zu Suizidgedanken leiden“, so Schultze-Krumbholz. „Das Selbstwertgefühl der Betroffenen schrumpft, sie schämen sich – viele ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück, geben Freundschaften auf und beginnen, ihrem gesamten Umfeld zu misstrauen. Auch Aggressivität und Wut kann eine Folge sein. Und sollten sich die Schulleistungen von Schülern oder Schülerinnen ohne erkennbaren Grund verschlechtern, kann dies ein Warnsignal für Eltern und Lehrkräfte sein, genauer hinzuschauen.“

Verhaltenstipps für Opfer von Mobbing im Internet

Für alle, die selbst von Cybermobbing betroffen sind, hat Schultze-Krumbholz einige Tipps parat: „Der erste und wichtigste Schritt ist, das Problem nicht für sich zu behalten, sondern sich damit an Erwachsene und Freunde zu wenden. Andere Personen können helfen, sich bewusst zu machen, dass man nichts falsch gemacht hat und nicht wertlos ist, auch wenn eine Menge an Leuten gerade versucht, einem das einzureden. Darüber hinaus sollte man unbedingt die Kommunikation mit den Mobbern abbrechen, Beweise in Form von Screenshots sichern und dann die Kontakte der Täter blocken.“ Unterstützung finden Opfer von Cybermobbing auch bei Schulpsychologen und Lehrern sowie bei Online-Beratungsangeboten wie zum Beispiel JUUUPORT.de. Die Expertin betont: „Auf keinen Fall sollte man auf Konfrontationskurs mit den Mobbern gehen oder versuchen, sich zu rächen – das birgt immer die Gefahr, dass sich eine ‚Spirale der Gewalt‘ entwickelt und alles nur noch schlimmer wird.“

(1) Quelle: JIM-Studie 2017

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