Rubrik Navigation

Vorheriger Rubrik
Ernährung
Nächste Rubrik
Ernährung 03/2016
Frau waescht eine Handvoll Salat
© Tay Jnr / Thinkstock

Orthorexie: Sucht nach gesunder Ernährung

Gesunde Ernährung ist eine gute Sache – wird sie allerdings zum Mittelpunkt des Lebens, sprechen Experten von Orthorexie. Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Sibylle Adam klärt über die Symptome dieses extremen Essverhaltens und seine Folgen auf.

Milch und Zucker sind tabu, Weizen wird vom Speiseplan gestrichen, Obst und Gemüse kommen ausschließlich in Bioqualität auf den Tisch: Manche Menschen beschäftigen sich so intensiv mit gesunder Ernährung, dass fast alle Gedanken nur noch um dieses Thema kreisen. Aus dem Wunsch, sich etwas Gutes zu tun, wird Orthorexie: ein unflexibles und zwanghaftes Essverhalten, das sich vor allem auf gesunde Lebensmittel bezieht. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland zwischen 1 und 3 % der Bevölkerung unter Orthorexie. Im Interview verrät Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Sibylle Adam, was es mit diesem speziellen Essverhalten auf sich hat und was Ursachen sein können.

Mobil-e: Frau Prof. Dr. Adam, was versteht man unter Orthorexie?

Prof. Dr. Sibylle Adam: Der Begriff Orthorexie tauchte erstmals vor 15 Jahren auf und ist von anderen bekannten Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie abzugrenzen. Die Betroffenen versuchen, in einem übertriebenen Verhalten vermeintlich ungesunde oder schädliche Lebensmittel zu vermeiden. Die Auswahl der Lebensmittel erfolgt vor allem nach dem Kriterium „gesund“, und nicht zum Beispiel nach Geschmack oder Aussehen. Die selbst aufgestellten Ernährungs- und Zubereitungsregeln sind sehr starr. Dabei kann die Vorstellung „gesund essen zu müssen“ ein so hohes Ausmaß annehmen, dass andere Lebensbereiche vernachlässigt werden.

Mobil-e: Was können Auslöser der Erkrankung sein?

Prof. Dr. Sibylle Adam: Häufig steht am Anfang einfach der Wunsch, seine Gesundheit zu verbessern. Aber auch aufgrund von Lebensmittelunverträglichkeiten oder der Bewältigung von chronischen Erkrankungen kann ein orthorektisches Essverhalten entstehen. Es geht immer darum, die Qualität der Ernährung zu verbessern, die Gesundheit steht klar im Fokus – und nicht die Gewichtsreduktion.

Mobil-e: Was sind die Gefahren von Orthorexie?

Prof. Dr. Sibylle Adam: Die Betroffenen haben zunächst erstmal ein Gefühl von Reinheit, aber auch von Selbstkontrolle, also „alles im Griff zu haben“. Dies gibt ihnen Sicherheit und steigert auch das Selbstwertgefühl. Aber: Durch diesen Wunsch, alles unter Kontrolle zu haben, wird es schwieriger, beispielsweise in Kantinen, in Restaurants oder bei Freunden zu essen, da hier die Kontrolle über die Zutaten und die Zubereitung fehlt. Zu den möglichen Folgen gehört eine soziale Isolierung, da Kontakte zu „Nicht-gesund-Essern“ eingeschränkt oder abgebrochen werden. Darüber hinaus ist die Entstehung einer Mangel- beziehungsweise Unterernährung möglich, da die Lebensmittelauswahl häufig stark eingeschränkt ist.

Mobil-e: Merken Betroffene in der Regel selbst, dass sie unter Orthorexie leiden?

Prof. Dr. Sibylle Adam: Hierzu lässt sich kaum eine fundierte Aussage treffen, da die Forschung in diesem Bereich noch sehr rudimentär ist. Abgeleitet von den Erkenntnissen über Essstörungen nehmen die Betroffenen selbst nur schwer wahr, dass ihr Essverhalten nicht gesund ist. Behandlungsbedürftig wird Orthorexie dann, wenn die Betroffenen selbst einen großen Leidensdruck verspüren oder immer mehr an Gewicht verlieren beziehungsweise an einer Mangelernährung leiden.

Mobil-e: Kann man es allein schaffen, wieder ein „normales“ Essverhalten zu erlangen?

Prof. Dr. Sibylle Adam: Orthorexie wird wie eine Essstörung behandelt, das heißt, die Therapie beinhaltet in der Regel auch eine stationäre Phase. Wieder einen entspannten Umgang mit Lebensmitteln zu erlernen, ist eine Säule der Therapie. Darüber hinaus sollte aber auch nach den Ursachen für dieses speziell entwickelte Essverhalten geschaut werden. So können eine emotionale Unzufriedenheit oder auch besondere Lebensumstände Auslöser für dieses Verhalten sein. Die Analyse von solchen Lebensumständen oder -situationen ist selten allein zu bewältigen, sodass eine therapeutische Begleitung unbedingt zu empfehlen ist. Grundsätzlich können die Ursachen für die Entwicklung eines orthorektischen Essverhaltens sehr vielfältig sein. Ein genaues Schema lässt sich dafür nicht ermitteln und bedarf auch noch weiterer Forschung.

Mobil-e: An wen kann man sich wenden, wenn man glaubt, an Orthorexie zu leiden oder jemanden kennt, bei dem man dies vermutet?

Prof. Dr. Sibylle Adam: Der Arzt des Vertrauens kann auf jeden Fall erster Ansprechpartner sein. Darüber hinaus gibt es regionale Selbsthilfegruppen und Beratungsangebote bei Essstörungen, die man im Internet findet. Bundesweit bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine informative Website sowie ein Beratungstelefon. Ebenfalls in ganz Deutschland gibt es Kliniken, die über qualifizierte Ärzte und Therapeuten im Bereich Essstörungen verfügen.

Frau reibt sich die mueden Beine
Vorheriger artikel
Aktiv gegen müde Beine
Frau trainiert mit dem Theraband
Nächster artikel
Mit dem Theraband® fit durch Herbst und Winter

Newsletter bestellen und informiert bleiben

Aktiv-Prämie, erweiterte Früherkennungs- und Vorsorgeangebote, Fitnessstudio-Rabatte oder Ernährungskurse: In vollem Umfang von unseren zahlreichen Zusatzleistungen und Angeboten profitieren kann nur, wer informiert bleibt. Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Newsletter und lassen Sie sich bis zu 4 x jährlich über Leistungs- und Serviceangebote sowie rund um die Themen Sport, Familie oder Gesundheit im Job informieren.

Mitglieder werben Mitglieder

Sie sind zufrieden mit der BKK Mobil Oil? Dann empfehlen Sie uns doch einfach weiter. Als Dankeschön erhalten Sie für jedes geworbene Mitglied von uns 20,00 Euro.