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Gesundheit 03/2016
Natuerliche Familienplanung
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Natürliche Familienplanung: Wie funktioniert Verhütung ohne Hormone?

Wer einen Kinderwunsch hegt oder ohne Hormone verhüten möchte, stößt früher oder später auf den Begriff „natürliche Familienplanung“ (NFP). Was hat es damit auf sich? Wir haben Frauenärztin Dr. Dorothee Struck gefragt.

Die Methode der natürlichen Familienplanung, kurz NFP, dient dazu, die fruchtbaren Tage einer Frau zu bestimmen. Das eröffnet die Möglichkeit, durch zeitlich geplanten Geschlechtsverkehr die Chance einer Schwangerschaft zu erhöhen oder aber auch ohne hormonelle Hilfsmittel zu verhüten. Wir haben die Frauenärztin Dr. Dorothee Struck zum Für und Wider dieses Konzepts befragt. Neben ihrer Praxis in Kiel betreibt sie als Doc Dodo eine Plattform für Webinare und Onlinekurse rund um Frauengesundheit und natürliche Verhütung.

Mobil-e: Frau Dr. Struck, viele Frauen setzen heute auf Verhütung ohne Hormone – was sind die Beweggründe dafür?

Dr. Dorothee Struck: Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Einige Frauen nehmen die Pille und leiden unter Nebenwirkungen, sodass sie nach einer Alternative suchen. Andere haben zwar nicht selbst mit Nebenwirkungen zu kämpfen, aber von Freundinnen davon gehört und setzen sich deshalb mit dem Thema auseinander. Außerdem kommen viele Frauen zu mir in die Praxis, die generell verstärkt auf ihre Gesundheit achten und die Einnahme von Medikamenten einschränken möchten. Und schließlich gibt es Frauen, die in ein oder zwei Jahren Kinder haben möchten und befürchten, nach dem Absetzen der Pille längere Zeit nicht schwanger zu werden. Hier möchte ich aber warnen: Das ist ein Irrtum – viele Frauen können sofort schwanger werden. Deshalb kann man auch sofort alternative Verhütungsmethoden nutzen beziehungsweise mit NFP beginnen, falls man mit dem Kinderkriegen noch warten möchte.

Mobil-e: Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff NFP?

Dr. Dorothee Struck: NFP gehört zu den sogenannten Zeitwahlmethoden. Diese ermitteln mehr oder weniger sicher den Zeitpunkt des Eisprungs und eignen sich somit mehr oder weniger sicher zur Verhütung. Oder sie können eben mehr oder weniger schnell zum Wunschkind führen. Am ungenauesten ist die Rechenmethode nach Kalender, bei der nur die Zyklustage gezählt werden. Die Ein-Zeichen-Methoden, bei denen nur morgens die Körpertemperatur gemessen oder nur der Muttermundschleim beobachtet wird, sind da schon genauer, aber auch nicht sehr sicher. NFP ist eine symptothermale Methode, das heißt, sie kombiniert die Messung der Körpertemperatur mit der Beobachtung des Zervixschleims. Durch die „doppelte Kontrolle“ kann die fruchtbare Zeit mit sehr hoher Sicherheit bestimmt werden. Ein positiver Nebeneffekt der Methode ist, dass die Frauen sehr viel über ihren Körper und ihren Zyklus lernen – so können sie auch bei körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen oftmals genauer eingrenzen, ob ein Bezug zum Zyklus vorliegt, was Ärzten wiederum die gezielte Behandlung erleichtert.

Mobil-e: Wie kann man NFP lernen?

Dr. Dorothee Struck: Ich empfehle in meiner Praxis die symptothermale Methode Sensiplan®. Sie wurde von der Malteser Arbeitsgruppe NFP in Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt NFP der Universitäten Düsseldorf und Heidelberg entwickelt. Die Methode kann in Kursen bei ausgebildeten Beraterinnen und Beratern, durch Bücher oder im Internet erlernt werden. Adressen und Informationen findet man auf der Website www.sensiplan.de.

Mobil-e: Und was braucht man dann, um NFP umzusetzen?

Dr. Dorothee Struck: Wenn man erst einmal weiß, wie NFP funktioniert, braucht man nicht mehr als ein Thermometer, das mit zwei Stellen nach dem Komma misst, einen Stift und ein Blatt Papier. Vielen Frauen hilft beim Einstieg auch ein Zykluscomputer, aber er ist kein Muss. Wer sich einen zulegt, sollte unbedingt darauf achten, dass das Gerät NFP-fähig ist, also mehr Daten verlangt als nur die Körpertemperatur.

Mobil-e: Wie sicher ist NFP zur Verhütung?

Dr. Dorothee Struck: Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge ist NFP sehr sicher – vorausgesetzt, die Methode wird gewissenhaft und korrekt angewendet. Das gilt für andere Methoden wie die Pille aber ebenso. Studien an den Universitäten Düsseldorf und Heidelberg haben für Sensiplan® ergeben, dass bei 7.866 Zyklen nur drei unbeabsichtigte Schwangerschaften auftraten.1 Das entspricht gemäß Pearl Index einer Methodensicherheit von 0,4. Der Pearl Index besagt, wie viele von 100 Frauen bei konsequenter Anwendung einer bestimmten Methode in einem Jahr unbeabsichtigt schwanger werden. Bei richtigem Gebrauch liegt Sensiplan® mit diesem Wert im Bereich der Pille.

Mobil-e: Eignet sich NFP für jede Frau oder gibt es Einschränkungen?

Dr. Dorothee Struck: Um auf Nummer Sicher zu gehen, ist die Anwendung von NFP dann zu empfehlen, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind. So sollte die Zykluslänge mehr als 23 und weniger als 35 Tage betragen und der Zyklus idealerweise in sich regelmäßig sein. Nach Absetzen der Pille sowie nach Beendigung der Stillperiode ist erst ab Beginn des dritten Zyklus auf die Sicherheit von NFP Verlass. Es gibt zwar auch Sonderregeln für unregelmäßige Zyklen und Phasen der hormonellen Umstellung, die jedoch den Einstieg in NFP für Anfängerinnen oft schwierig gestalten. Nicht angewendet werden sollte NFP zudem bei Hormonbehandlungen, bei Tumoren, bei Leber- und Nierenerkrankungen, bei Vorliegen eines polyzystischen Ovarialsyndroms mit verlängerten Zyklen sowie bei Einnahme von Arzneimitteln, die die Körpertemperatur oder den Muttermundschleim beeinflussen können, wie zum Beispiel bestimmte Antihistaminika oder Psychopharmaka.

info image

Tipp

NFP und weitere Alternativen zu Pille & Co. beschreibt Dr. Dorothee Struck in ihrem Buch „Verhüten ohne Hormone“. Auch auf der Website www.familienplanung.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erfahren Sie mehr über natürliche Methoden der Familienplanung.

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