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Ausgabe 02/2020
Familie 02/2020
Junge_im_pinken_Kleid Aktuelle Ausgabe
© gettyimages / Johner Images

Prinzessinnenjungs – nehmen Sie Ihren Jungs nicht die Puppen weg

Ein Junge ist wild und laut und haut auch schon mal seine Spielkameraden – das ist schon in Ordnung, denn schließlich ist er ja ein „richtiger Junge“. Ein kleiner Kerl hingegen, der gerne liest, phantasievolle Schlösser malt und lang und ausgiebig mit seinen Eltern kuschelt, wird als „Mädchen“ betitelt.

Autor und Vater Nils Pickert hatte genug von diesem klischeehaften Schubladendenken. Er definiert Männlichkeit und „echte“ Jungs anders. Wenn Männer und Jungen sich schlagen, ist das für ihn genauso männlich wie wenn sie sich streicheln. Damit gibt er männlichem Verhalten eine neue Bandbreite an Möglichkeiten und ruft dazu auf, Jungen zu sehen, wie sie sind. Denn auch ein Prinzessinnenjunge ist richtig und gut. Ein Interview über Unterschiede, die keine sein sollten, und der Aufruf zu mehr Akzeptanz für das, was und wie Jungen (und auch Mädchen) sind.

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Nils Pickert, 38, Autor und Journalist, u. a. für Die Zeit, engagiert sich gegen Sexismus und Ho-mophobie. 2012 zog sich der vierfache Vater aus Solidarität zu seinem damals fünfjährigen Sohn einen Rock an und schrieb über seine Erfahrungen.
© Benno Ochs

Herr Pickert, in Ihrem Buch plädieren Sie für eine freie Entfaltung von Kindern – egal wie diese sich verhalten. Ihr Buch „Prinzessinnenjungs“ bezieht sich dabei speziell auf die Erziehung und das Umfeld von Jungen. Sind Jungen, Ihrer Meinung nach, mehr Vorurteilen und Stereotypen ausgesetzt als Mädchen?

Nils Pickert: Sie sind anderen Vorurteilen und Stereotypen ausgesetzt als Mädchen. Lange Zeit hat man dieses Feld nicht im Blick gehabt. Auch weil man nicht verstanden hat, wie die Diskriminierung und der herablassende Umgang mit Mädchen mit dem Umgang mit Jungen zusammenhängt. Ich arbeite jetzt zwölf Jahre im feministischen Gleichberechtigungsbereich und mir wird oft vorgeworfen, ich würde Männer und Jungen hassen und nur für Frauen schreiben. Jetzt, wo ich dieses Buch herausgebracht habe, zeigt sich, dass viele Leute, die das Buch gerne kritisieren wollten, verwirrt waren davon, wie stark ich mich darin zum Anwalt von Jungen und auch von Männern mache.

Paare, die heute Eltern werden, wollen das Geschlecht ihres Ungeborenen vor der Geburt häufig schon gar nicht mehr verraten, aus Sorge, mit rosa Feen und blauen Autos überhäuft zu werden. Wie können Eltern dieser Klischeeflut von Freunden und Verwandten entkommen und auch später ihre Söhne dabei unterstützen, sich wirklich frei zu entfalten. Gibt es da einen idealen Weg?

Nils Pickert: Meine Lebenskomplizin und ich waren da sehr radikal. Wir haben einen geschlechtsneutralen Namen ausgesucht und allen gesagt: „Das Kind wird so heißen und wenn ihr diese ganzen Sachen schenken wollt, dann ist das super. Ihr müsst dann nur damit leben, dass wir dem Kind die Sachen auch anziehen, egal was es wird.“ Das hatte dann zur Folge, dass in dieser Rosa-Hellblau-Falle nicht viel passiert ist.

Gleichzeitig ist mir aber wichtig zu sagen: So weit muss man nicht gehen. Niemand muss sich an dem messen lassen, was man alles machen könnte, sondern daran, was sie selbst tun können und wollen. Das hat viel damit zu tun, dass Kinder sich frei entfalten sollen und  so sind, wie sie es wollen. Ich möchte keinem Jungen seinen Fußball wegnehmen, ihn in ein Kleid zwingen und sagen: „Jetzt sei doch mal still und interessiere dich für Schminke!“ Es geht mir nur darum, dass wenn ein Junge das will, er es auch darf. Und dass kein anderer sagt: „Ein Junge darf sich nicht für Glitzer und Ponys und Kuscheln interessieren.“ Eltern sollten aufhören Dinge zu kategorisieren und zu bewerten, solange ein Kind damit nicht sich selbst oder anderen schadet.

Farben und Dinge haben kein Geschlecht.

Es gibt Eltern, die versuchen keine „typischen Jungs“ oder auch Mädchen zu erziehen, indem sie streng genderneutral erziehen. Das bedeutet, die Kinder haben einen neutralen Namen, und oft weiß nicht einmal das engste Umfeld, ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Ist das die Lösung?

Nils Pickert: Aus meiner Sicht: nein, weil es Geschlechtsneutralität nicht gibt. Die Geschlechter sind real, das kann ich nicht wegreden. Das wäre auch in gewisser Weise ein Vorenthalten der Identität meines Kindes vor sich selbst. Es gibt in Kanada eine Familie, die ihrem 2011 geborenen Kind den Namen „Storm“ gegeben hat und das Geschlecht des Kindes selbst den Großeltern verheimlicht hat. Ich verstehe den Ansatz der Eltern, aber Menschen haben nun mal ein Geschlecht und es ist völlig in Ordnung, dies auch zu benennen. Was ich mir aber wünsche, ist, dass wir Gegenständen, Farben und Kleidung kein Geschlecht geben. Denn aktuell ist es so, dass die meisten Eltern unter dem Begriff „geschlechtsneutral“ verstehen, dass sie ihrem Kind braune Kleidung kaufen und Spielzeuge, die nicht in diese Rosa-Hellblau-Klischees fallen. Aber das kann nicht die Lösung sein. Wenn mein Sohn oder meine Tochter Pink liebt, dann muss das in Ordnung sein.

Es ist schließlich nicht falsch, dass mein Kind ein Geschlecht hat, sondern dass haufenweise Dingen und Betätigungsfeldern ein Geschlecht gegeben wird. Pink ist nur für Mädchen und Autos sind nur für Jungs. Das ist nicht richtig.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Unsere Vorurteile sind es nicht.

Vorurteile spielen eine große Rolle in unserer Gesellschaft. Sie beschreiben das in Ihrem Buch mit einem Besuch im Spielzeuggeschäft: Man möchte ein Geburtstagsgeschenk für ein Kind kaufen und wird nicht nach Alter, Interessen oder Budget gefragt, sondern erst einmal nach dem Geschlecht.

Nils Pickert: Hier müssen wir uns eingestehen, dass Vorurteile normal sind und dass wir diese auch teilweise haben müssen. Vorurteile helfen uns beispielsweise in Sekundenbruchteilen Entscheidungen zu treffen. Deshalb ist hier der erste Schritt, uns selbst und auch dem Verkäufer zu verzeihen und uns zu sagen: Vorurteile gehören eben dazu.

Gleichzeitig müsse wir aber zugeben, dass unsere Vorurteile, und die des Verkäufers, antastbar sind. Die Würde des Menschen ist unantastbar, aber die Vorurteile sollten antastbar sein. Das bedeutet, wenn wir uns nicht hinter Klischees verschanzen und Sachen sagen wie „ALLE Jungen spielen Fußball“, sondern daraus eine Tendenz machen, indem wir feststellen: „In meinem Umfeld spielen die meisten Jungen Fußball.“ Dann wirft es mich und andere reflektierte Menschen auch nicht aus allen Wolken, wenn ein Mädchen vorbeikommt und auch kicken will. Ich habe dann die Möglichkeit, die Tendenz, die ich zuvor aufgestellt habe, zu korrigieren.

 

Beim Kind darf nicht hängen bleiben, dass es selbst das Problem ist.

Einen großen Teil nimmt das Thema Gewalt in Ihrem Buch ein. Wer Jungs hat oder selber einer war, kennt das. Man kommt scheinbar weder als Eltern noch als Junge um das Thema herum. Unsere Frage: Müssen kleine Jungen sich prügeln?

Nils Pickert: Kinder und Jugendliche müssen miteinander raufen und ihr Revier abstecken können. Wenn sie ihre Körperlichkeit erfahren, indem sie miteinander ringen, ist das für sie auch ein Weg sich abzugrenzen. Aber das gilt nicht nur für Jungen, sondern auch für Mädchen. Das Thema Gewalt ist ein schwieriges, weil Eltern völlig zu Recht sagen: „Ich will mein Kind doch nur schützen und wenn ich ihm ein bestimmtes Setting, Tools und Verhaltensweisen an die Hand gebe, dann ist es ja immer das Opfer.“ Das ist ein Punkt, den man ernst nehmen muss. Viele Eltern verbieten ihrem Jungen nicht aus Boshaftigkeit Röcke, Kleider und Schminke, sondern weil sie befürchten, dass er, wenn er damit rausgeht, Gewalt erfährt, zum Beispiel indem er gemobbt oder geschnitten wird.

Das ist natürlich richtig, aber wir müssen auch beachten, dass wenn wir ihm das Thema so erklären, am Ende nur bei ihm hängen bleibt, dass er ein Problem ist. Dass das, was er tut, falsch ist. Aber nichts daran ist falsch, wenn ein Junge sich schminken oder ein Kleid tragen möchte. Es ist unsere Aufgabe als Eltern und gesamtgesellschaftlich, darauf zu achten, dass ein Junge auch mal still am Rand sitzen und lesen kann. Und dass das genauso in Ordnung ist, wie wenn er Lust hat, mit anderen zu rangeln. Allerdings muss klar sein, dass wenn er eben nicht rangeln möchte, auch seine Grenzen akzeptiert werden. Auch da heißt „Nein“ nein.

Oft haben mir im Zuge von „Prinzessinnenjungs“ Männer erklärt, sie würden ihren Sohn natürlich unterstützen, aber eben nur in den eigenen vier Wänden. Er darf sein, wie er will, aber soll das zu Hause ausleben, sonst würde er gemobbt. Aber das ist die falsche Herangehensweise. Denn dabei wird zu sehr auf die möglichen Opfer geguckt, anstatt mit den Tätern ins Gespräch zu kommen und diesen zu sagen „Halt, stopp“.

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Es ist nur Farbe auf den Fingern.
© gettyimages / Paul Biris

Das heißt, wenn, z. B. wegen eines Rockes oder etwas anderem, immer wieder die Konfrontation von anderen Kindern gesucht wird, muss ich als Erwachsener einschreiten?

Nils Pickert: Das kommt auf das Alter des Kindes an. Wenn es sehr klein ist, schreite ich ein. Wenn mein Kind in die Pubertät kommt, frage ich, „Ich sehe, dass du unglücklich bist, möchtest du, dass ich dir bei diesem Konflikt helfe?“. Kinder sind an dieser Stelle sehr wohl in der Lage zu sehen, was sie können und was nicht. Wichtig ist, dass wir als Eltern da sind, wenn es wichtig ist, und notfalls für sie kämpfen.  

Prinzessinnenjungs_Buchcover
© Beltz Verlag

Sie haben ein sehr schönes Kapitel mit dem Titel „Das bisschen Haushalt“. Da geht es um die Frage „Was lebe ich vor?“. Es ist schwierig, einem Kind vorzuleben, dass es nicht nur Stereotype gibt, wenn zu Hause Mama den Haushalt macht, sich ums Kind kümmert, und Papa nur für die schönen Dinge da ist. Wie schafft man es als Eltern, aus solchen Stereotypen rauszukommen?

Nils Pickert: Man kann versuchen, 50:50 zu teilen, das funktioniert nur leider nicht immer. Bei uns ist es zum Beispiel so: Mein Vater war Koch und ich kann einfach ein bisschen besser kochen als meine Frau. Mir macht das mehr Spaß. Teilt man an dieser Stelle 50:50, dann sind die Fähigkeiten und Talente unter Umständen nicht gut verteilt. Wir müssen hier aufpassen mit persönlichen Vorlieben und Vorteilen. Oft werden diese übrigens genutzt, um ein systemisches Problem persönlich zu machen. Von Männer hört man oft Sätze wie: „Ich kann halt nicht kochen“ oder bezogen auf andere Bereiche der Care-Arbeit: „Ich hör den Lärm einfach nicht“, „Sie putzt ja eh viel besser als ich“. Da tut der Mann dann, als wäre das nur bei ihm so, aber gleichzeitig machen das fast alle. Es ist also ein systemisches Problem. Gleichzeitig ist es übrigens so, dass besonders Männer, die sich viel darauf einbilden, dass sie mit ihrer Partnerin eine gerechte Verteilung leben, sich häufiger mal überprüfen sollten, ob das, was sie da tun, wirklich 50:50 ist. Und sie sich nicht nur einfach die Sachen raussuchen, die ihnen mehr Applaus bringen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung: Kochen führt zu Applaus – das Abräumen von dreckigem Geschirr nicht. Bei mir hat es zum Beispiel sehr lange gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich mir die Aufgaben rausgesucht habe, die mir mehr Applaus von außen einbringen.

Ich habe meine Familie doch nicht erst seit fünf Sekunden, ich muss doch wissen, was wann ansteht.

Und damit sind wir beim nächsten Punkt: Wenn man gewillt ist, sich zu überprüfen, und bereit ist, sich dadurch verunsichern zu lassen, muss man auch mal ein Scheitern in Kauf nehmen. Hier erfordert es Aufmerksamkeit, um nicht in die Mental-Load*-Falle zu tappen. Und das ist dann das nächste Thema: Man kommt als Familie nach Hause, war gerade einkaufen und der Mann setzt sich auf die Couch und spielt am Smartphone. Die Frau macht das, was jetzt ansteht: einräumen, Kind usw. Irgendwann kommt sie dann völlig genervt an und sagt: „Warum hilfst du mir nicht?“ Wenn man an dieser Stelle mit „Ja, du hättest nur was sagen müssen“ antwortet [Verweis auf alten Mental-Load-Artikel], tappt man in die Mental-Load-Falle und muss sich eingestehen, dass die Familienarbeit nicht gerecht geteilt ist. Denn ich als Mann habe die Familie ja nicht erst seit fünf Sekunden. Ich müsste doch wissen, dass das jetzt alles passiert und diese Dinge jetzt anstehen.

Abschließend haben wir vier typische Szenarien zusammengetragen, die Jungs- und auch Mädcheneltern kennen und bei denen man nicht immer weiß, wie man richtig reagieren sollte.

Mein Sohn kommt nach Hause und weint, weil ihm jemand gesagt hat, mit seiner ruhigen Art, seiner Vorsicht und seiner Ängstlichkeit sei er „ein Mädchen“ – wie reagiere ich richtig, um ihn aufzubauen?

Nils Pickert: Es ist erst mal ganz wichtig, dass ich ihn in den Arm nehme und tröste. Und zwar so lange, bis er getröstet ist. Und nicht kurz „draufpatschen“ und sagen „Du machst das schon“. Wenn ein Kind Trost braucht, egal, ob Junge oder Mädchen, dann tröste ich es. Das ist das Erste. Das Zweite ist, mit ihm darüber zu reden. So, dass er genau weiß, dass Mädchen nichts Schlechtes sind. Machen Sie ihm klar, was das für eine unsinnige Beschimpfung ist. Er hat eine Mama, vielleicht auch eine Schwester, er hat Freundinnen und Tanten – was soll an denen schlecht sein? Das heißt, die Beschimpfung ist falsch. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Bezeichnung von Jungen als „Mädchen“ eine Abwertung von Mädchen bedeutet. Je nach Alter würde ich mit den Jungen dazu ins Gespräch kommen. Warum wird das als Beschimpfung benutzt? Hier kann man an Rollenbildern arbeiten und zeigen, dass das so nicht stimmt. Schwäche hat kein Geschlecht. Es gibt Profiboxerinnen, die jeden Mann umhauen würden, und das ist nur ein Beispiel. Trost suchen, „weich“ und schutzbedürftig sein, das hat alles kein Geschlecht.

 

Das Kind wird ständig von anderen Jungen in der Schule oder dem Kindergarten geärgert, die Erzieher und Lehrer sind aber der Meinung, der Junge „müsse sich auch mal wehren“.

Nils Pickert: Erstens ist es hier wichtig zu wissen, dass Schulen und Kitas bundeslandspezifisch einen Auftrag haben. Das wissen viele Eltern nicht. Diese Institutionen müssen in solch einem Fall besser reagieren. Da gibt es richtige Schriftsätze, Broschüren und sogar gesetzliche Vorgaben. An dieser Stelle hätten die Erzieher und Lehrer versagt. Und zweitens ist es nicht die Aufgabe von egal wem, sich gegen Gewalt zu wehren. Es ist die Aufgabe der Täter, keine Gewalt auszuüben. Das heißt, wir betreiben hier kein Victim Blaming. Das zu vermitteln ist vordringlich die Aufgabe von Pädagoginnen und Pädagogen. Und sollten diese das nicht schaffen, dann darf man auch mal den Konflikt mit ihnen suchen, denn das geht gar nicht.

 

Die Oma kommt zu Besuch und das Erste, das sie tut, ist, dem Enkel die Puppen wegzunehmen, „weil Jungen damit nicht spielen“.

Nils Pickert: Omas und Opas sind ein Beispiel, welches sehr häufig kommt. Oft fragt man sich als Generation darunter, ob man wirklich noch mit einer 70-, 80-jährigen Person über solche Sachen reden und sie belehren muss. An dieser Stelle sollten Eltern ganz klar zum Anwalt ihres Kindes werden, da es das selbst noch nicht kann. Ein achtjähriger Junge kann sich nicht dagegen wehren. Der hat seine Großeltern lieb und hört dann gegebenenfalls auf solche Äußerungen. Aber nein, Oma und Opa haben nicht das Recht, einem Jungen seine Puppe wegzunehmen. Versuchen Sie, mit ihnen zu reden. Und wenn sie das nicht verstehen wollen, dann haben die Großeltern ein Problem und nicht das Kind. Denn es ist absolut nichts falsch daran, mit Puppen zu spielen. Spielen mit Puppen vermittelt Kindern ein Gefühl für Sozialkompetenz, es macht sie besser in der Kommunikation und in der Lösung von Konflikten. Fragen Sie uneinsichtige Großeltern doch mal, was daran schlecht sein soll. So werden sie als Erwachsene genau die Menschen, mit denen wir Zeit verbringen wollen, denen wir vertrauen, mit denen wir uns befreunden, die wir als Kolleginnen und Kollegen haben wollen. Und mein Junge soll das nicht lernen? Nichts daran ist falsch. Aber alles ist falsch daran, es einem Jungen zu verbieten, das darf auch die Oma nicht.

 

Der Sohn möchte Nagellack in der Kita tragen, ein Elternteil (Vater oder Mutter) ist dagegen.

Nils Pickert: Ich würde dann erst mal die Gegenfrage stellen, „Warum soll er denn keinen Nagellack tragen?“. Wenn der Junge dafür geärgert wird, kann das nicht das Problem sein, das ist schließlich nur Farbe auf Fingern – also was ist das Problem? Es sind wieder einmal Vorurteile, die da stattfinden. Wenn dieses Denken auch bei den Erzieherinnen und Erziehern stattfindet, gibt es Hilfe bei einem Verein wie pinkstinks, für den ich auch arbeite. Dort gibt es Broschüren für die Eltern und das Kitapersonal. Wir kommen übrigens auch in die Einrichtungen und beraten vor Ort. Das heißt, man könnte die Leute beschulen und gleichzeitig seine eigenen Geschlechterbilder hinterfragen und überprüfen, warum es für mich als erwachsenen Menschen unangenehm ist, wenn mein Junge Nagellack trägt. Es ist ja so, in den meisten Fällen tun wir so, als wären wir als Gesellschaft unfassbar aufgeklärt, aber am Ende kommt dann doch meistens: „Hinterher wird der noch schwul.“

Und dann geht es ans Eingemachte, auch für die Eltern: Denn a) ist es wirklich nicht schlimm oder verwerflich, schwul zu sein. b) Wird oder ist man nicht schwul, weil man sich die Nägel lackiert, das ist nur Farbe auf den Fingern. c) Muss man mit Eltern darüber reden, dass sie ihren Sohn lieben, weil er so ist, wie er ist. Und dazu können eben auch lackierte Fingernägel gehören.

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