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Fitness 02/2019
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Mobility-Training: Mit Köpfchen die Beweglichkeit verbessern

Beweglichkeit ist wichtig für ein gesundes Leben. Inwiefern sie mit unserem Gehirn zusammenhängt, hat uns Mobility-Experte Patrick Meinart erklärt.

Selbst Menschen, die viel Sport treiben, fühlen sich oft ungelenkig und steif. Dennoch legen in ihrem Training noch immer nur wenige einen Fokus auf die Beweglichkeit. Der Grund: Oft wird unterschätzt, wie wichtig Mobilität nicht nur im Sport, sondern auch für ganz alltägliche Tätigkeiten ist. Hinzu kommt, dass es selbst unter Experten nach wie vor Diskussionen gibt, wie die Beweglichkeit am besten trainiert wird. Mobility-Experte Patrick Meinart vertritt einen Ansatz, der hierzulande noch wenig bekannt ist: Er hebt hervor, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Körper und Gehirn gibt und ein effektives Mobility-Training deshalb immer beide Bereiche beinhalten muss. In „Mobility – Das große Handbuch“ stellt Patrick Meinart dar, wie sich mit den richtigen Übungen Leistungsblockaden lösen und Schmerzen beseitigen lassen sowie Beweglichkeit zurückgewinnen lässt. Uns hat er im Interview mehr darüber verraten.

Mobility-Experte Patrick Meinart
Mobility-Experte Patrick Meinart
© David Leonhardt

Mobil-e: Herr Meinart, was versteht man unter Mobility?

Patrick Meinart: Der Begriff Mobility bezieht sich auf eine Vergrößerung der Beweglichkeit unter Kontrolle. Dieses Konzept ist vom klassischen Dehnen klar zu trennen: Dehnen ist meist passiv, Mobility hingegen setzt immer Kontrolle und Koordination voraus. Unsere Dehnfähigkeit hat im täglichen Leben keine Bedeutung, Mobility ist im Gegensatz dazu enorm wichtig. Wir benötigen sie nicht nur im Sport, sondern überall, wo wir unseren Körper in bestimmten Positionen kontrollieren müssen. Das kann beim Hinhocken sein, beim Spielen mit den Kindern oder sogar beim Streichen der Decke. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Mobility ist der gehirnbasierte Ansatz: Unsere körperliche Beweglichkeit hängt nämlich eng mit dem Gehirn zusammen – und das wird in herkömmlichen Trainingssystemen kaum berücksichtigt.

Mobil-e: Worin besteht dieser Zusammenhang zwischen Beweglichkeit und Gehirn?

Patrick Meinart: Das Gehirn steuert alles, also auch unsere Beweglichkeit. Somit kann unser Gehirn auch mit dafür verantwortlich sein, wenn unsere Beweglichkeit eingeschränkt ist, zum Beispiel aufgrund von Schutzmechanismen. Immer dann, wenn unser Gehirn eine Gefahr wahrnimmt, werden unsere Leistungsfähigkeit sowie die Beweglichkeit automatisch eingeschränkt. Wir erfahren das allerdings nicht bewusst, da unser Gehirn häufig in einem „Notfallmodus“ operiert. Wir stehen ständig unter Druck und sind gestresst. Bewegungsarmut tut ihr Übriges – und so verlernen wir, uns zu bewegen. Das Gehirn vergisst einfach, wie es ist, sich entsprechend zu bewegen. Jede neue Bewegung wird dann als potenzielle Bedrohung wahrgenommen. Kinder bewegen sich frei und unbeschwert. Sie probieren aus, spielen sorglos und erleben Bewegung als eine Erweiterung ihrer Fähigkeiten. Im Erwachsenenalter geht uns diese Fähigkeit verloren und das Gehirn „verkümmert“ immer mehr. Tatsächlich ist einer der häufigsten Gründe für Alzheimer Bewegungsarmut.

Mobil-e: Was macht die von Ihnen vorgestellte Form des Mobility-Trainings aus?

Patrick Meinart: Ich fokussiere mich auf die Wirkung des Beweglichkeitstrainings auf das Gehirn. Bewusste Gelenkbewegungen führen zu positiven Signalen an das Gehirn, die wichtig für die Entwicklung und Gesunderhaltung sind. Mobility ist also nicht nur gut für den ambitionierten Sportler, sondern für jeden, der lange körperlich und mental aktiv sein möchte. Unser Gehirn interpretiert ständig Signale aus der Umwelt, auf bewusster und unbewusster Ebene. In unseren Gelenken befinden sich mehr „Signalgeber“ als in der Muskulatur. Je mehr von diesen Signalgebern wir aktivieren, desto stärker ist der positive Effekt auf das Gehirn.

Mobil-e: Welche Effekte lassen sich denn damit erreichen?

Patrick Meinart: Die genannten Gelenkbewegungen sind nicht nur sinnvoll für ein gesundes Gelenksystem bis ins hohe Alter, sondern auch hilfreich gegen Schmerzen. Beinahe jeder körperliche Schmerz steht in Verbindung mit Bewegungsarmut oder falschen Bewegungen. Durch das Mobility-Training wird der Körper wieder in die richtige Bahn gelenkt, um Bewegung als sinnvoll wahrzunehmen und Schmerzen zu reduzieren. Für Sportler ist das Training aber auch hilfreich, um zum Beispiel die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Untersuchungen konnten zeigen, dass Mobility-Übungen dazu führen, dass Muskeln besser und stärker arbeiten. Dies liegt an der Verbindung, die Muskeln zu ihren Gelenken haben.

Mobil-e: Ist das Training für jedermann geeignet? Und wie intensiv muss man trainieren, um Effekte zu erzielen?

Patrick Meinart: Das Mobility-Training ist tatsächlich für jeden geeignet, egal wie fit man ist. Für Ungeübte ist es in der Regel sinnvoll, häufiger zu trainieren. Dabei muss das Training keineswegs anstrengend sein – es reicht, wenn wir uns auf das Training konzentrieren, es also bewusst ausführen. Je mehr Fokus wir auf die Bewegung legen, desto besser. Komplexe Übungen sind besser als simple, sie dürfen uns aber nicht überfordern. Grundsätzlich sind die Übungen sehr individuell – nicht jede Übung ist für jeden sinnvoll. Daher habe ich ein Testverfahren entwickelt, das ich auch in meinem Mobility-Handbuch beschreibe. Es geht genau darauf ein, wie ich die für mich passenden Übungen finden und anwenden kann.

Mobil-e: Haben Sie eine beispielhafte Übung für uns?

Patrick Meinart: Viele Menschen haben Rückenschmerzen und lassen häufig – vor allem aufgrund einer andauernden sitzenden Tätigkeit – die Schultern hängen. Zu den Rückenschmerzen kommen häufig Verspannungen in den Schultern. Je unbeweglicher die Brustwirbelsäule, desto mehr Probleme können sich daraufhin in den Schultern ergeben. Die Brustwirbelsäule ist quasi das Fundament für die Schultern. Mobilisieren Sie deshalb, vor allem wenn Sie viel sitzen müssen, ihre Brustwirbelsäule, indem Sie sie regelmäßig beugen und strecken. Achten Sie dabei darauf, nur die Brustwirbelsäule und nicht die angrenzenden Strukturen zu bewegen. Die Bewegung findet quasi nur von der Mitte zwischen den Schulterblättern bis zur untersten Rippe statt und geht nicht darüber hinaus.

Verlosung: „Mobility – Das große Handbuch“

Buchcover Mobility das große Handbuch
© riva Verlag

In „Mobility – Das große Handbuch“ veranschaulichen der Mobility-Experte Patrick Meinart und die Wissenschaftsjournalistin Johanna Bayer, wie Bewegung und Mobilität vom Gehirn gesteuert und beeinflusst werden und wie wir neurologische Muster durch Training umprogrammieren können. Neben der ausführlichen Darstellung der Neurophysiologie, der Biomechanik, der Prinzipien des Mobility-Trainings sowie einem Vergleich zum funktionellen Training und zum Stretching werden Themen wie Körperhaltung, chronische Schmerzen, Techniken und Geräte behandelt. Wir verlosen drei Exemplare des spannenden Handbuchs. Nutzen Sie Ihre Chance, indem Sie einfach das Gewinnspielformular ausfüllen. Teilnahmeschluss ist der 31.07.2019. Wir drücken Ihnen die Daumen.

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