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Service 02/2017
Trauerbegleiterin hält Angehoerigem die Hand
© AZemdega / Getty Images

„Dem Tod den Schrecken nehmen“: Trauerbegleiterinnen im Gespräch

Der Tod ist etwas, worüber niemand gern nachdenkt. Wir haben die Trauerbegleiterinnen von „Vergiss Mein Nie“ gefragt, wie man sich dem Thema Tod nähern kann und welche Vorkehrungen Sie zu Lebzeiten unbedingt treffen sollten.

Die Angst vor dem Tod ist in den meisten Menschen tief verwurzelt – dennoch sollte man im eigenen Interesse und in dem der Angehörigen bereits in jungen Jahren einige Vorsorgemaßnahmen für den Notfall treffen. Dazu gehört auch, eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung und eine Betreuungsverfügung auszufüllen. Das erfordert allerdings, sich intensiv mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen – eine Hürde, die vielen zu hoch erscheint. Wir haben die Trauerbegleiterinnen Madita van Hülsen und Anemone Zeim gefragt, wie man dem Thema Tod seinen Schrecken nehmen kann. Gemeinsam betreiben sie die Agentur Vergiss Mein Nie, die Menschen unter anderem mit Coachings und einer Erinnerungswerkstatt vor, während und nach einem Trauerfall begleitet.

Mobil-e: Wir alle wissen, dass der Tod zum Leben dazugehört – woran liegt es, dass wir die Auseinandersetzung mit dem Thema dennoch so scheuen?

Anemone Zeim: Wir haben heute regelrecht verlernt, mit dem Thema Tod umzugehen. Bis vor rund 100 Jahren war das noch ganz anders: Alle Generationen lebten unter einem Dach und es war ganz normal, dass Oma und Opa irgendwann zu Hause gestorben sind. Der gesamte Prozess wurde von allen Familienmitgliedern begleitet und auch gemeinsam verarbeitet. Heute ziehen die Großeltern oft irgendwann ins Heim und sind – vor allem in der Wahrnehmung der Kinder – plötzlich weg. Es gibt meist keine Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Die Verbindung zwischen Leben und Tod ist gewissermaßen gekappt. Das verursacht bei vielen Menschen eine große Hilflosigkeit – sie möchten trauern, wissen aber nicht wie.
Madita van Hülsen: Hinzu kommt, dass sich unsere Gesellschaft generell sehr verändert hat. Wir sind es gewohnt, dass alles schnell geht, dass wir viele Dinge kontrollieren können und über alles Bescheid wissen. Beim Thema Tod ist das ganz anders: Wir können seinen Zeitpunkt nicht bestimmen, wir wissen nicht, was danach kommt, und wir haben auch keine Zeit, um zu trauern – besser gesagt: Wir nehmen sie uns nicht. Diese Diskrepanz hat den Tod mehr und mehr zum Tabuthema gemacht, wir scheuen die Auseinandersetzung damit, oft herrscht sogar ein regelrechter Aberglaube – ein bisschen so, als würde er einen nicht treffen, wenn man sich nicht mit ihm beschäftigt.

Mobil-e: Was veranlasst Menschen, sich dennoch mit dem Tod zu beschäftigen?

Madita van Hülsen: Oft geschieht das erst, wenn jemand im engeren Umfeld schwer krank wird oder stirbt. Aber auch wenn Prominente sterben oder sich eine Katastrophe mit vielen Toten ereignet, wird einem die eigene Sterblichkeit schlagartig bewusst.
Anemone Zeim: Generell setzen sich viele Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren vermehrt mit dem Tod auseinander. Das ist die Zeit, in der die Eltern älter werden und man vielleicht eine eigene Familie gründet. Dadurch bekommt man einen anderen, persönlichen Zugang zum Leben und zur Sterblichkeit.

Mobil-e: Was macht es für einen Unterschied, wenn man sich dem Thema Tod frühzeitig nähert?

Madita van Hülsen: Klar ist: Wenn ein nahestehender Mensch stirbt, zieht einem das immer den Boden unter den Füßen weg – ganz gleich, wie sehr man sich zuvor mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Schock, Hilflosigkeit, Trauer, aber auch Wut – das alles sind völlig natürliche Reaktionen. Aber: Das weiß man ja erst, wenn man sich überhaupt schon mal mit dem Thema beschäftigt hat.
Anemone Zeim: Ich würde sagen: Mehr Wissen macht weniger Angst. Wer sich mit dem Thema Tod beschäftigt, erfährt zum Beispiel, dass es bei der Trauer kein Richtig oder Falsch gibt – jedes Gefühl hat seine Berechtigung, jeder trauert anders. Man begreift, dass sich Trauer nicht steuern lässt und dass sie ihre Zeit braucht. Aber man lernt eben auch, dass es Möglichkeiten gibt, mit ihr zu leben, sodass sie ihren Schrecken verliert.

Mobil-e: Aber wird dann nicht das gesamte Leben von der Gegenwart des Todes überschattet?

Anemone Zeim: Ganz im Gegenteil: Wer sich mit dem Thema Tod auseinandergesetzt und die wichtigsten Vorkehrungen getroffen hat, der kann es ein Stück weit abhaken und sein Leben bewusst genießen mit dem Wissen, dass alles geregelt ist.
Madita van Hülsen: Wer sich um Formalien wie eine Patientenverfügung kümmert, muss sich vielleicht überwinden, über Dinge nachzudenken, von denen er eigentlich nichts wissen möchte. Andererseits sind sie dann vom Tisch – und das kann ein sehr beruhigendes Gefühl sein. Ich selbst habe zum Beispiel schon meine eigene Beerdigung geplant, denn ich möchte sichergehen, dass sie so wird, wie ich sie mir vorstelle: ein fröhliches Fest des Lebens mit Konfetti und meiner Lieblingsmusik und keine stille, düstere Trauergemeinschaft.

Mobil-e: Wie kann es gelingen, sich dem Thema Tod auf eine positive, trotz allem lebensbejahende Weise zu nähern?

Anemone Zeim: Ich kann nur empfehlen, mit Freunden oder Familienmitgliedern bei passender Gelegenheit über den Tod zu reden und zum Beispiel zu fragen, was der andere glaubt, was danach kommt. So können sich interessante Gespräche ergeben, durch die man viel über sich und die anderen erfährt. Eine weitere Möglichkeit ist es, einfach mal über einen Friedhof zu spazieren und sich die Gräber, aber auch die oft sehr schönen Anlagen anzusehen. Und wenn jemand gestorben ist, kann man sich ein Erinnerungsstück oder einen Ort suchen und anhand dessen einen positiven Bezug zur Person aufrechterhalten.
Madita van Hülsen: Es gibt auch einige gute Bücher, mit denen man sich dem Thema Tod annähern kann, zum Beispiel „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ von Bronnie Ware oder „Weil du mir so fehlst“ von Ayse Bosse und Andreas Klammt, das für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet ist. In unserem eigenen Buch „Vergiss mein nie“ beschäftigen wir uns mit den Themen Trauern und Erinnern. Und noch ein Tipp für Mutigere: Einfach mal bei einem Bestatter oder einem Friedhofsgärtner hineingehen und Fragen stellen. Viele von ihnen freuen sich sogar darüber.

Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung: Entscheidungen für den Ernstfall treffen

Niemand wünscht es sich und doch kann jeder in die Situation geraten, dass er durch einen Unfall oder eine Krankheit nicht mehr entscheidungsfähig ist. Dokumente wie eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung und eine Betreuungsverfügung regeln, was in einem solchen Fall in Ihrem Sinne zu tun ist und wer gegebenenfalls in Ihrem Namen Entscheidungen treffen darf. Auf unserer Website haben wir Ihnen alle wichtigen Informationen und Formulare zum Ausdrucken zusammengestellt. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.

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