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Work & Life 02/2017
Mann steht am Scheideweg und muss sich entscheiden
© olaser / Getty Images

Mit Kopf und Bauchgefühl: Die richtigen Entscheidungen treffen

Große Entscheidungen sind belastend und kosten uns viel Energie, bevor wir sie treffen. Business Coach Nina Kreutzfeldt gibt Tipps, die unterstützen.

„Ich kann einfach keine Entscheidung treffen“ – sicher hat jeder von uns schon mal mehr oder weniger verzweifelt diesen Satz gedacht. Immer wieder stehen Kopf und Bauchgefühl im Widerspruch, wenn man sich beispielsweise entscheiden muss, ob man für einen neuen Arbeitsplatz in eine andere Stadt ziehen oder die Beförderung annehmen soll, obwohl man den jetzigen Job mag. Business Coach Nina Kreutzfeldt berät Menschen darin, souverän wichtige Entscheidungen zu treffen, hinter denen sie auch langfristig stehen. Wir haben sie gefragt, was es uns in vielen Fällen so schwer macht und ob es Methoden gibt, die uns die Entscheidungsfindung erleichtern.

Mobil-e: Frau Kreutzfeldt, was macht es oft so schwierig, Entscheidungen zu treffen?

Nina Kreutzfeldt: Große Entscheidungen, die den Charakter von Weichenstellungen haben, sind fast immer mit einem gewissen Maß an Unsicherheit verbunden. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass viele Menschen sie als herausfordernd erleben. Wenn wir zum Beispiel darüber entscheiden, ob wir für einen attraktiven neuen Job 600 Kilometer weit umziehen, dann wissen wir nicht sicher, ob er wirklich so spannend ist, wie wir momentan denken, ob die neuen Kollegen nett sind und ob wir die Entscheidung nicht schon in einem halben Jahr bereuen. Vielleicht wird alles sogar noch besser als erwartet – vielleicht aber auch nicht. Wir gehen ein Risiko ein und müssen unsere Komfortzone verlassen. Häufig melden sich in solchen Situationen dann mehrere Stimmen in uns, die uns gedanklich in verschiedene Richtungen zerren. So werden innere Konflikte sichtbar. Das ist normal, weil wir nun einmal unterschiedliche Bedürfnisse haben, die manchmal auch miteinander konkurrieren. Wir leben in komplexen Zeiten, vieles hängt miteinander zusammen. Wichtig ist es, zu erkennen, dass es nicht „die“ richtige Entscheidung gibt, die für jeden in einer bestimmten Situation richtig wäre. Welche Entscheidung für uns im Einzelfall stimmig ist, hängt von vielen Faktoren ab, darunter von unseren individuellen Werten, Bedürfnissen und Lebenszielen.

Mobil-e: Woran liegt es, dass es uns unterschiedlich schwerfällt, uns zu entscheiden?

Nina Kreutzfeldt: Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen mit Entscheidungen: Manche sehen sich als Kapitän auf ihrem Lebensschiff und haben Spaß daran zu steuern. Sie wissen von sich, dass sie normalerweise gut entscheiden können, gehen souverän mit Entscheidungssituationen um und sind davon überzeugt, dass sie – selbst im schlimmsten Fall – mit den Konsequenzen zurechtkommen werden. Andere denken von sich, dass sie sich „mit Entscheidungen eben schwertun“. Steht eine wichtige Entscheidung an, setzen sie sich unter Druck und fühlen sich gleichzeitig blockiert – kein schöner Zustand. So können auch positive Chancen, wie eine mögliche Beförderung oder ein Jobangebot, zu ernsthaftem negativem Stress führen. Entscheidend ist die eigene Haltung, also wie man die Weggabelung sieht und wie man konkret damit umgeht: ob man sich selbst blockiert und leidet, ausweicht und sich ablenkt oder die Entscheidung als eine willkommene Gelegenheit sieht, sein eigenes Leben zu gestalten.

Mobil-e: Sollte man lieber auf den Kopf oder auf den Bauch hören?

Nina Kreutzfeldt: Unbedingt auf beides. Der Bauch sendet häufig Signale, die wertvoll, aber noch eher unspezifisch sind, wie „das wäre doch toll“ oder „irgendwie will ich das nicht“. Letzteres zeigt sich manchmal auch an Formulierungen wie „das macht mir Bauchschmerzen“. Der Kopf kann diese Signale auswerten, den Prozess steuern und so sicherstellen, dass wir nichts Entscheidendes übersehen. Keinesfalls sollten wir ein positives oder auch negatives Bauchgefühl ignorieren, sondern es vielmehr erstens überhaupt wahrnehmen und zweitens als wertvolle Information begreifen. Zum Glück haben wir außerdem einen Kopf, mit dem wir die Gesamtsituation mit etwas Abstand anschauen und Für und Wider benennen und abwägen können.

Mobil-e: Wie lange sollte man sich Zeit für eine Entscheidung lassen?

Nina Kreutzfeldt: Das kann man nicht pauschal sagen. Wichtig ist es, darüber die Kontrolle zu behalten. Wenn man zum Beispiel ein Angebot bekommt und subjektiv den Eindruck hat, dass man unter Druck gerät, kann man sich für das Angebot bedanken und mitteilen, dass man bis zum Zeitpunkt X darauf antworten wird. Dieser Termin hängt dann von den Rahmenbedingungen ab, aber mindestens einmal darüber zu schlafen, sollte bei allen wichtigen Entscheidungen drin sein.

Mobil-e: Fällt es uns mit zunehmender Häufigkeit leichter, Entscheidungen zu treffen?

Nina Kreutzfeldt: Möglicherweise ja, aber nur, wenn man sich mit der Zeit eine konstruktive Haltung und eine Herangehensweise bei wichtigen Entscheidungen angewöhnt, die passt. Falls man beispielsweise dazu neigt, sich in Entscheidungssituationen selbst zu blockieren, kann man lernen, damit konstruktiv umzugehen, und sich Tools aneignen, die einen dabei unterstützen.

In drei Schritten zur guten Entscheidung

Was tun, wenn eine Entscheidung ansteht und die Gedanken im Kopf einen Knoten bilden? Nina Kreutzfeldt hat uns ihre wichtigsten Tipps zusammengestellt.

  1. Schaffen Sie sich zu Beginn zu drei Fragenkomplexen Klarheit:

    Was ist mein Ausgangspunkt, worüber will ich genau (bis wann) entscheiden und welche Optionen gibt es? Häufig existieren zum Beispiel noch weitere Alternativen neben denen, die man auf den ersten Blick wahrnimmt.

    Warum will beziehungsweise muss ich die Entscheidung überhaupt treffen? Was ist mir in diesem Zusammenhang wichtig? Die Antwort hierauf gibt uns Hinweise auf unsere Werte, unsere Bedürfnisse und andere individuelle Faktoren.

    Was brauche ich und was muss ich wissen, um die Entscheidung verantwortungsvoll treffen zu können? Was davon weiß ich schon und wie kann ich die weiteren Informationen erhalten? Bei beruflichen Entscheidungen sind manchmal auch andere Personen (Partner, Kinder, gute Freunde) betroffen, wenn zum Beispiel eine sehr zeitintensive Aufgabe oder gar ein Umzug in eine andere Stadt ansteht. Vielleicht haben Sie eine Vermutung, wie die Meinung dieser Personen zu der Fragestellung aussieht, aber Sie wissen es nicht wirklich. Dann ist es wichtig, mit diesen Menschen zu sprechen. Und zwar nicht, um die Entscheidung an sie abzugeben – die Verantwortung dafür tragen Sie weiterhin –, sondern um sicherzustellen, dass Sie wissen, was die Alternativen für die jeweilige Person und für Ihr Verhältnis zu ihr bedeuten würden.
     
  2. Ist diese Vorarbeit getan, können Sie in Ruhe reflektieren, welche Entscheidung für Sie persönlich die beste ist, diese für sich abklopfen und sich dann aktiv und aus vollem Herzen dafür entscheiden. Auf dem Weg gibt es viele weitere wertvolle Tools wie beispielsweise gewichtete Listen zur Auswertung oder den Trick, so zu tun, als ob die Entscheidung bereits in die eine oder andere Richtung gefallen wäre, und dann zu prüfen, wie es einem damit ginge.
     
  3. Und wenn Sie sich trotz alledem weiterhin im Kreis drehen, rate ich: Sprechen Sie mit jemandem, der Sie dabei unterstützt, Ihre Gedanken zu sortieren, Klarheit zu bekommen und sicherzustellen, dass Sie am Ende souverän hinter Ihrer eigenen Entscheidung stehen. Dies sollte möglichst eine neutrale Person sein. Ein erfahrener Coach kann Sie durch diesen Prozess leiten. Richtig angepackt ist eine Entscheidungssituation am Ende vor allem eines: eine Chance, den eigenen Weg weiter zu gestalten.
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