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Familie 02/2017
Trauriges Scheidungskind
© aphrodite74 / Getty Images

Können Kinder trotz Scheidung glücklich werden?

Jede Scheidung tut weh, doch manchmal lässt sich eine Trennung nicht vermeiden. Was bedeutet das für die Kinder und wie können Eltern ihren Nachwuchs in dieser Situation unterstützen? Wir haben die Psychotherapeutin Helga Land-Kistenich gefragt.

Wenn die Konflikte in einer Beziehung unüberwindbar und Streitereien an der Tagesordnung sind, ist eine Scheidung oft die beste Lösung für alle Beteiligten. Und doch leidet die Psyche enorm – nicht nur die der Eltern, sondern auch und vor allem die der Kinder. Sie sind meist die Hauptleidtragenden. Welche Fehler sollten Eltern auf jeden Fall vermeiden und wie können sie ihren Kindern helfen, nach einer Trennung wieder glücklich zu werden? Die Berliner Psychotherapeutin Helga Land-Kistenich klärt auf.

Mobil-e: Frau Land-Kistenich, welche Auswirkungen hat eine Trennung der Eltern auf die Psyche des Kindes?

Helga Land-Kistenich: Für Kinder ist die Trennung der Eltern immer mit seelischen Schmerzen verbunden – ganz gleich, wie sehr die Eltern darauf bedacht sind, sie behutsam vorzunehmen. Vater und Mutter sind für das Kind seit seiner Geburt im Normalfall eine unveränderbare Größe. Die Gefühle der Zugehörigkeit zu ihnen sind tief in ihm verwurzelt. Deshalb liegt es in der Natur der Dinge, dass das Kind unter einer Trennung leidet.

Mobil-e: Was sind Hauptprobleme, mit denen Kinder in dieser Situation zu kämpfen haben?

Helga Land-Kistenich: Kinder haben generell Schwierigkeiten, sich an neue Umstände zu gewöhnen, selbst wenn es keine Konflikte zwischen den Eltern gibt. Oft kommt ja noch ein Wohnungs- oder Schulwechsel hinzu und sorgt für noch mehr Unsicherheit. Große Probleme bereitet es Kindern auch, sich zu entscheiden, bei welchem Elternteil sie leben möchten. Noch belastender wird es, wenn die Eltern sich streiten. Jedes Kind wünscht sich vor allem, dass die Eltern sich vertragen. Und es möchte nicht in Konflikte einbezogen werden, da es sich dann genötigt fühlt, für eine Seite Stellung zu beziehen. Man kann sagen: Immer, wenn von einem Kind etwas verlangt wird, was es nicht begreifen, verstehen und verantworten kann, entsteht ein psychischer Schaden. Es kann dann mit Verhaltensauffälligkeiten wie Einnässen, Lügen oder Stehlen reagieren, einige Kinder werden trotzig, aggressiv oder depressiv. Bei Jugendlichen kommt es in vielen Fällen zu Selbstverletzungen, Essstörungen, Schulschwänzen – oder sie wenden sich ganz von den Eltern ab.

Mobil-e: Ändern sich diese Probleme je nach Alter des Kindes?

Helga Land-Kistenich: Ob erwachsene oder minderjährige Scheidungskinder: Die Wunden einer Trennung sind tief und grausam. Selbst wenn ein Elternteil stirbt, treten weit weniger abweichende Verhaltensweisen auf als bei einer Scheidung. Das liegt daran, dass bei einem Todesfall normalerweise das soziale Gefüge nicht zerstört wird. Zudem helfen Verwandte und Freunde, den Verlust zu verarbeiten und die Trauer zu überwinden.

Mobil-e: Gibt es Spätfolgen, die noch im Erwachsenenalter auftreten können?

Helga Land-Kistenich: Die US-Autoren Beverly und Tom Rodgers haben in ihrem Buch „Adult Children of Divorced Parents“ die Probleme erwachsener Scheidungskinder untersucht. Sie fanden unter anderem heraus, dass diese später Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle zu zeigen und Vertrauen in einer Partnerschaft aufzubauen, dass sie selbst eine höhere Scheidungsrate haben als Kinder aus intakten Familien, sich selbst und anderen schlechter verzeihen können und mehr unter Depressionen und Ängsten leiden.

Mobil-e: Was sind die größten Fehler, die Eltern nach einer Trennung machen können?

Helga Land-Kistenich: Leider kommt es sehr oft vor, dass Eltern ihre Konflikte vor den Kindern austragen, was deren seelische Qualen unnötig vergrößert. Noch schlimmer ist es, wenn die Kinder von einem Elternteil oder sogar von beiden instrumentalisiert und gezwungen werden, für eine Seite Partei zu ergreifen. Aber auch, wenn Vater und/oder Mutter in Gegenwart eines Kindes „lediglich“ schlecht über den jeweils anderen reden, gerät das Kind in einen enorm belastenden Loyalitätskonflikt. Weitere häufig anzutreffende Fehler sind ein unkorrektes Verhalten bei der Besuchsrechtregelung sowie eine fehlende Abstimmung zum Beispiel hinsichtlich Erziehungsanweisungen, der Ferienaufenthalte oder der Schullaufbahn.

Mobil-e: Und wie können Eltern ihre Kinder besser unterstützen?

Helga Land-Kistenich: Eltern sollten dem Kind zunächst einmal gemeinsam ihre Trennung erklären. Von grundlegender Bedeutung ist es, dem Kind immer wieder zu zeigen, dass beide es lieb haben und die Trennung nicht entstanden ist, weil das Kind „böse“ war, sondern weil die Eltern sich nicht mehr verstanden haben. Ein Gefühl von Sicherheit vermitteln sie ihm, wenn sie weiterhin gemeinsame Unternehmungen machen und den Kontakt zur Verwandtschaft aufrechterhalten. Falls es neue Partner gibt, sollten diese in das alte Familiengebilde integriert werden, was vielen Paaren gut gelingt. Beide Elternteile sollten respektvoll miteinander umgehen und miteinander kommunizieren, sobald Probleme auftauchen. Wichtig ist, dass sie sich hinsichtlich der Erziehungsziele absprechen und mit einer Stimme sprechen, wenn es um Dinge wie Verbote, Belohnungen oder Taschengeld geht. Schließlich ist es entscheidend, offen gegenüber den Fragen der Kinder zu sein und hin und wieder auch mal Ausnahmen in der Besuchsregelung zuzulassen, soweit sie zu vertreten sind.

Kostenlose Beratungsangebote für Eltern

Sie haben eine Trennung vor oder hinter sich und wünschen sich professionelle Hilfe, damit Sie Ihren Kindern in dieser Zeit so gut wie möglich zur Seite stehen können? Das Onlineberatungsangebot für Eltern der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung bietet Eltern, die Fragen rund um das Thema Erziehung haben, psychologische Unterstützung – egal, ob in der Einzelberatung oder im Gruppenchat. Telefonische Hilfe bei familiären Sorgen und Problemen hält die Nummer gegen Kummer für Eltern bereit. Wählen Sie einfach die kostenlose Hotline: 0800 1110550. Weitere Kontakt- und Beratungsstellen für psychologische und auch medizinische Fragestellungen – nicht nur für Eltern – haben wir auf unserer Website unter www.bkk-mobil-oil.de/med-dienste zusammengestellt.

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