Rubrik Navigation

Vorheriger Rubrik
Familie
Nächste Rubrik
Familie 02/2016
Maedchen mit Teddy beim Arzt
© gpointstudio / Thinkstock

Ambulante Kinderchirurgie: Nach der Operation zu Hause gesund werden

Kein Kind liegt gern im Krankenhaus – und oft muss das auch gar nicht sein: Nach vielen Operationen können die kleinen Patienten heute direkt nach Hause. Wir haben Experten befragt, wann ambulante Kinderchirurgie möglich ist und was dafür spricht.

Obwohl Kinderkrankenhäuser darum bemüht sind, dass sich kleine Patienten wohlfühlen, ist ein Krankenhausaufenthalt für Kinder häufig belastend. Eine Alternative ist die ambulante Kinderchirurgie. Bei vielen Eingriffen übernimmt die BKK Mobil Oil hierfür die Kosten. Danach erholen sich die Kleinen in ihrem vertrauten Umfeld meist sehr schnell. Damit eine ambulante Operation durchgeführt werden kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Mehr darüber erzählen Dr. Ralf Tanz, Facharzt für Kinderchirurgie und 2. Vorsitzender des Berufsverbandes der niedergelassenen Kinderchirurgen Deutschlands, und Dr. Lutz Eger, HNO-Facharzt und Spezialist auf dem Gebiet der Lasertonsillotomie.

Mobil-e: Herr Dr. Tanz, welche Vorteile bietet ambulante Kinderchirurgie Ihrer Ansicht nach?

Dr. Ralf Tanz: Bei einer ambulanten Operation erfolgt die medizinische Versorgung, genau wie bei einem stationären Aufenthalt, auf höchstem Niveau und bietet viel Sicherheit. Bis direkt vor der Operation und sofort danach können die Eltern bei ihren Kindern sein. Die psychische Belastung ist für die Kinder nicht so hoch, da sie abends wieder nach Hause dürfen. So müssen sie nur wenige Stunden in einer fremden Welt verbringen. Die Angst vor der Operation ist schnell vorbei und die Trennung von den Eltern nur ganz kurz. Sollten zu Hause, unter der Narkose oder während der Operation unerwartete Komplikationen auftreten, kann das Kind kurzfristig stationär aufgenommen werden.

Mobil-e: Welche Voraussetzungen gibt es für ambulante Operationen bei Kindern?

Dr. Ralf Tanz: In der Regel führen Kinderchirurgen keine ambulanten Operationen bei Babys unter sechs Monaten (Frühchen unter einem Jahr), chronisch kranken Kindern, nach frisch überstandenen schweren Krankheiten, direkt nach Impfungen und bei Operationen mit großem Aufwand oder Blutverlust durch. Voraussetzung für einen ambulanten Eingriff sind Eltern, die körperlich und seelisch in der Lage sind, ihr Kind zu Hause weiterzupflegen. Damit die optimale Versorgung der Kinder sichergestellt ist, finden ausführliche Gespräche mit dem ambulanten Operateur beziehungsweise Narkosearzt statt. Wichtig ist auch, dass das Praxisteam für eventuell auftretende Notfälle geschult ist. Eine Zertifizierung der Praxis beispielsweise nach QEP oder DIN ISO gibt zusätzlich Sicherheit.

Mobil-e: Was können Eltern tun, um ihrem Kind beizustehen?

Dr. Ralf Tanz: Schon im Vorfeld können Eltern ihr Kind mit Büchern oder Hörspielkassetten auf das bevorstehende Ereignis vorbereiten. Wichtig ist, dass die Eltern ihre eigenen Ängste nicht auf das Kind übertragen. Alle Fragen können vor der Operation ausführlich mit dem Arzt besprochen werden. Es ist wichtig, dem Kind Ruhe und Vertrauen zu vermitteln, damit es in der fremden Situation keine Angst hat. Viele Kinder machen schon wenige Stunden nach der Operation wieder einen fitten Eindruck. Dennoch sollten sie die nächsten Tage in Ruhe zu Hause verbringen, bis sich der Organismus erholt hat – denn auch eine ambulante Operation ist eine Operation.

Mobil-e: Herr Dr. Eger, welche Operationen führen Sie häufig ambulant bei Kindern durch?

Dr. Lutz Eger: Die häufigsten ambulanten HNO-Operationen in unserer Praxis sind die Adenotomie (Polypen-OP), die Lasertonsillotomie (Mandelkappung mit Laser) und die Lasermyringotomie (Trommelfellschnitt mit dem Laser). Die Tonsillotomie ist die Teilentfernung der Gaumenmandeln und stellt die Alternative zur Tonsillektomie, der vollständigen Entnahme dieser Organe, dar. Dieser Eingriff wurde bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit einer Metallschlinge im kurzen Ätherrausch als ziemlich blutiger Eingriff durchgeführt. Er erlebt jetzt seit mehr als zehn Jahren eine Renaissance, nachdem der Laser und moderne schonende Narkoseverfahren die Risiken des Eingriffs auf einen Bruchteil reduzieren konnten. Die Lasermyringotomie ersetzt in unserer Praxis zunehmend die Paukendrainage (Einsetzen von Trommelfellröhrchen) und hat den Vorteil, dass das Loch im Trommelfell schon nach drei Wochen wieder verheilt und damit die Badetauglichkeit rasch wiederhergestellt ist. Die Paukendrainage bleibt dem Ausnahmefall vorbehalten.

Mobil-e: Warum und wann ist eine Teilentfernung der Mandeln besser als eine vollständige?

Dr. Lutz Eger: Sind gehäufte Mandelvereiterungen das Hauptproblem, so ist das noch immer der typische Grund für die vollständige Entfernung der Gaumenmandeln. Wegen der mit dem Eingriff verbundenen Nachblutungsgefahr von 2 bis 15 % ist dieser Eingriff in Deutschland fast immer mit einem stationären Aufenthalt von fünf bis sechs Tagen nach der Operation verbunden. Dies ist erforderlich, um im Blutungsfall rasch eine definitive Blutstillung zu bewirken. Trotz dieses hohen Sicherheitsstandards kommt es in Deutschland alljährlich zu mehr als fünf tödlich verlaufenden Nachblutungen nach vollständiger Mandelentfernung. Fallen aber bei riesigen Mandeln zugleich starkes Schnarchen verbunden mit Atemaussetzern, Schlafen mit überstrecktem Kopf, anhaltende Mundatmung, Appetitlosigkeit, Gedeihstörungen, Hörminderung und/oder Infektneigung auf, so ist die Teilentfernung mit großer Sicherheit ausreichend. Bei diesem Eingriff ist die Nachblutungsgefahr 50- bis 100-mal geringer als bei der Tonsillektomie. Aus diesem Grunde ist in vielen Fällen der Eingriff auch ambulant möglich, was Eltern und Kinder zu schätzen wissen. Zudem sind Dauer und Intensität der Schmerzen nach der Operation deutlich vermindert. Auch wird von Kinderärzten als positiv bewertet, dass nach der Lasertonsillotomie noch funktionierendes Mandelgewebe im Körper verbleibt. Inzwischen ist erwiesen, dass selbst bei gehäuften eitrigen Anginen die weniger gefährliche Teilentfernung bei großen Mandeln das Problem zuverlässig löst.

Mobil-e: Wie läuft diese Operation ab?

Dr. Lutz Eger: In Allgemeinnarkose werden die Teile der Mandel, die den Atem- und Schluckweg einengen, mit dem Laser abgetrennt. Dabei werden die zahlreichen kleinen Äderchen der Mandel durch den Laser sofort verschweißt. So wird der Blutverlust schon während der Operation auf ein Minimum reduziert. Außer mit verschiedenen OP-Lasern kann dieses Ziel auch mit anderen Methoden erreicht werden, zum Beispiel mit dem Argonplasma, mit dem „Ultraschallmesser“, mit der bipolaren Schere und mit der Radiofrequenz- und der Coblationsmethode.

Mobil-e: Was sind das für neue Verfahren und wie unterscheiden Sie sich von den anderen?

Dr. Lutz Eger: Diese alternativen Methoden zum Laser sind ebenfalls allesamt „heiße“ Verfahren. Bei ihnen wird mittels elektrischem Hochfrequenzstrom oder mechanischen Schwingungen Gewebe so weit erwärmt, dass es punktuell verbrannt, verdampft oder zumindest aufgelöst wird. Dabei werden kleine Blutgefäße zuverlässig verschlossen. Diese Methoden unterscheiden sich im Endergebnis nur wenig, in den Anschaffungskosten des technischen Equipments, in den Kosten für die Einweginstrumente und im Sicherheitsaufwand teils aber deutlich. Letzterer ist insbesondere beim CO2-Laser sehr hoch.

Mobil-e: Wie schätzen Sie das Risiko von Nachblutungen nach einem Eingriff mit diesen Operationsmethoden ein?

Dr. Lutz Eger: Bei allen Methoden der Mandelteilentfernung ist die Wahrscheinlichkeit der Nachblutung deutlich geringer als bei der Tonsillektomie. Bisher am besten untersucht ist die Teilentfernung mit Laser. Bei meinen eigenen Patienten gab es bei inzwischen über 1.000 Lasertonsillotomien nur eine versorgungspflichtige Nachblutung. Die beste Methode, das Blutungsrisiko zu reduzieren, ist übrigens nicht zu operieren, das heißt, in jedem Einzelfall ist die Indikation zur Operation auch bei Einsatz moderner Methoden wirklich streng zu stellen.

Kostenübernahme für ambulante Kinderchirurgie durch die BKK Mobil Oil

Die BKK Mobil Oil hat mit der Nordpark Ärztenetz GmbH einen bundesweit geltenden Vertrag geschlossen, um flächendeckend ambulante Operationen durch die besten Ärzte zu ermöglichen. Über 40 stationsersetzende Eingriffe bei Kindern unter 18 Jahren können dabei von besonders qualifizierten Kinderchirurgen durchgeführt werden. Nähere Informationen finden Sie auf unserer Website.

Kinder machen Fruehstueckspause
Vorheriger artikel
Frühstück und Pausensnacks: So kommen Kinder perfekt durch den Vormittag
Nils Goerke trainiert Radfahren fuer Triathlon
Nächster artikel
Triathlonvorbereitung mit Nils Goerke

Newsletter bestellen und informiert bleiben

Aktiv-Prämie, erweiterte Früherkennungs- und Vorsorgeangebote, Fitnessstudio-Rabatte oder Ernährungskurse: In vollem Umfang von unseren zahlreichen Zusatzleistungen und Angeboten profitieren kann nur, wer informiert bleibt. Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Newsletter und lassen Sie sich bis zu 4 x jährlich über Leistungs- und Serviceangebote sowie rund um die Themen Sport, Familie oder Gesundheit im Job informieren.

Mitglieder werben Mitglieder

Sie sind zufrieden mit der BKK Mobil Oil? Dann empfehlen Sie uns doch einfach weiter. Als Dankeschön erhalten Sie für jedes geworbene Mitglied von uns 20,00 Euro.