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Ausgabe 01/2019
Familie 01/2019
Wuetendes Kleinkind
© mofles / Getty Images

Wutanfälle bei Kindern: Wie gehen Eltern am besten damit um?

Manchmal reicht ein zu Hause vergessenes Stofftier, um bei Kindern im Kindergartenalter für filmreife Wutausbrüche zu sorgen. Expertin Dr. Julia Berkic erklärt, was es mit dem Verhalten auf sich hat, und gibt Tipps, wie Eltern angemessen reagieren.

Die meisten Eltern kennen solche Situationen: War der Nachwuchs eben noch artig und gut gelaunt, wälzt er sich im nächsten Moment brüllend am Boden, weil er nicht im Pyjama in den Kindergarten gehen darf oder seinen Joghurt erst zu Hause essen soll. Selbst die geduldigsten Beruhigungsversuche von Mama und Papa laufen ins Leere und deren Nerven werden auf eine harte Probe gestellt. Warum machen Kindergartenkinder aus – in unseren Augen – banalen Anlässen häufig einen Weltuntergang? Und wie gehen Eltern mit einem solchen Verhalten am besten um? Wir haben Diplompsychologin Dr. Julia Berkic vom Staatsinstitut für Frühpädagogik gefragt.

Psychologin Dr. Julia Berkic
Psychologin Dr. Julia Berkic

Mobil-e: Warum haben Kinder im Kindergartenalter oft aus Gründen, die uns Erwachsenen nichtig erscheinen, so heftige Wutanfälle?

Dr. Julia Berkic: Das Alter von etwa drei bis sechs Jahren ist bei Kindern geprägt von einem ständigen Schwanken zwischen zwei gegensätzlichen Bedürfnissen: Auf der einen Seite verspüren sie den immer stärker werdenden Wunsch, ihre Umwelt zu entdecken, Dinge selbst anzupacken und Aufgaben eigenständig zu lösen, auf der anderen Seite sehnen sie sich weiterhin nach Nähe und Unterstützung durch ihre Bezugspersonen. Sie möchten am liebsten alles ausprobieren, stoßen gleichzeitig aber immer wieder an ihre motorischen, kognitiven und emotionalen Grenzen. Oft führt das dann zu negativen Emotionen wie Wut, Frustration und Überforderung, aber auch zu Angst vor Neuem. Für Eltern ist es wichtig, sich klarzumachen, dass ihr Nachwuchs angesichts so widersprüchlicher Bedürfnisse ihre Unterstützung braucht. Denn: Kinder können ihre starken Gefühle in diesem Alter oft nicht alleine regulieren, ihr Gehirn ist noch nicht fähig dazu. Erst im Laufe des Kindergartenalters werden hierfür die wichtigsten Grundsteine gelegt und Erfahrungen gemacht. Feinfühligkeit spielt hierbei eine große Rolle.

Mobil-e: Was ist damit genau gemeint?

Dr. Julia Berkic: Feinfühligkeit bedeutet in diesem Zusammenhang zum einen, immer wieder die Verbindung zwischen der Gefühls- und Gedankenwelt des Kindes und der äußeren Realität herzustellen, und zum anderen, das Kind durch Trost, Ermutigung und häufig auch Köperkontakt darin zu unterstützen, seine intensiven Gefühle zu bewältigen.

Mobil-e: Was heißt das konkret? Wie sollten Eltern keinesfalls auf Wutausbrüche reagieren?

Dr. Julia Berkic: Es ist meistens sinnlos, Kinder in einem akuten Wutanfall zu belehren oder zur Vernunft bringen zu wollen. Aber wenn der Anfall vorüber ist, sollte man mit dem Kind besprechen, was los war und wie man eine solche Situation in Zukunft besser lösen könnte. Grundsätzlich ist es ungünstig, dem Kind die negativen Gefühle „abgewöhnen“ zu wollen oder sie zu ignorieren, denn sie werden ja immer wieder im Leben aufkommen. Das Kind muss deshalb lernen, mit solchen Gefühlen umzugehen und sie zu regulieren. Andererseits sollte man sie aber auch nicht überbetonen. Wenn man allzu sehr auf jede Gefühlsregung des Kindes eingeht, bekommt es nämlich das Gefühl, es gebe keine Lösung der Situation – und dann empfindet es zum Beispiel das verloren gegangene Spielzeug tatsächlich wie einen Weltuntergang.

Mobil-e: Und wie sieht eine angemessene Reaktion auf solche Wutanfälle aus?

Dr. Julia Berkic: Eltern sollten zunächst versuchen herauszufinden, welche Gefühle und Bedürfnisse ihr Kind mit seinem Verhalten zum Ausdruck bringt, und ihm dabei helfen, diese zu verstehen und in Worte zu fassen. An diesem Punkt ist es wichtig, die Gefühle des Kindes wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten oder herunterzuspielen. Es geht darum, das Kind aktiv dabei zu unterstützen, seine Gefühle zu bewältigen. Dies gilt insbesondere auch für den Umgang mit negativen Gefühlen. Als Nächstes sollten die Eltern versuchen, eine Verbindung zum Gefühlsleben des Kindes herzustellen, ohne die Grenze zwischen sich und dem Kind aufzuheben. Das Kind muss spüren, dass sie seine Verzweiflung ernst nehmen, aber nicht selbst verzweifeln. Ganz wichtig: Ernst nehmen bedeutet nicht, jedes Verhalten des Kindes zu akzeptieren! Insgesamt empfiehlt es sich, authentisch zu bleiben und auch die eigenen Gefühle in einer dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes angemessenen Weise zu zeigen.

Verlosung: „Bindung – eine sichere Basis fürs Leben“

Buchcover Bindung - eine sichere Basis fürs Leben
© Kösel

Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Fabienne Becker-Stoll und Kathrin Beckh hat Dr. Julia Berkic das Buch „Bindung – eine sichere Basis fürs Leben“ veröffentlicht. Darin vermitteln die drei renommierten Bindungsforscherinnen Eltern alles Wissenswerte zu guten Familienbeziehungen und geben ihnen wertvolle Tipps, wie sie ihre Kinder stärken können. Wir verlosen fünf Exemplare des informativen Ratgebers. Nutzen Sie Ihre Chance, indem Sie einfach das Gewinnspielformular ausfüllen. Teilnahmeschluss ist der 30.04.2019. Wir drücken Ihnen die Daumen.

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