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Familie 01/2019
Vater und Kind am Laptop
© Mikolette / Getty Images

Kinder und soziale Medien: Worauf Eltern achten sollten

Vom Kinderzimmer in die weite Welt: Immer mehr Kinder und Jugendliche sind bei YouTube, Instagram & Co. aktiv – zur Sorge vieler Eltern. Experte Prof. Dr. Herbert Scheithauer erklärt, wie sie ihren Nachwuchs schützen und unterstützen können.

Das Internet gehört heute zum Alltag – nicht nur bei den Erwachsenen: 48 % der Sechs- und Siebenjährigen sind zumindest gelegentlich – im Schnitt 39 Minuten am Tag – online, bei den Acht- und Neunjährigen sind es schon 81 % (im Schnitt 43 Minuten) und ab einem Alter von zwölf Jahren sogar 99 % (im Schnitt 40 Minuten).¹ Die sozialen Medien haben dabei einen immer größeren Stellenwert: Auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder YouTube tauschen sich die jungen Nutzer aus, folgen ihren Idolen und werden selbst aktiv, zum Beispiel indem sie Inhalte kommentieren oder hochladen. Viele Eltern sind angesichts dieser Entwicklung besorgt. Dabei stellt das Internet an sich für Kinder und Jugendliche keine Gefahr dar, so der Universitätsprofessor für Entwicklungspsychologie und Klinische Psychologie Prof. Dr. Herbert Scheithauer. Wichtig sei jedoch, dass der Nachwuchs nicht damit alleingelassen werde. Gemeinsam mit weiteren Entwicklungspsychologen der FU Berlin hat der Experte das Programm Medienhelden zur Vorbeugung von Cybermobbing und zur Stärkung der Medienkompetenz entwickelt, das mit Unterstützung der BKK Mobil Oil bereits an vielen Schulen in Bayern durchgeführt wird. Wir haben ihn gefragt, wie Eltern ihren Nachwuchs dabei unterstützen können, die sozialen Medien bewusst zu nutzen.

Mobil-e: Herr Prof. Scheithauer, was sind die positiven Seiten der sozialen Medien für Kinder und Jugendliche, was die Gefahren?

Prof. Dr. Herbert Scheithauer: Zu den positiven Seiten zählt zunächst einmal, dass sich die jungen Nutzer schnell mit ihren Freunden austauschen können – sie stehen quasi durchweg in Kontakt. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie durch die Nutzung sozialer Medien lernen, sich selbst darzustellen, aber auch Rückmeldungen von anderen erhalten – beides dient ihrer Identitätsfindung. Zu den Gefahren gehört, dass vor allem jüngere Kinder Lügen noch nicht erkennen können – insbesondere im Internet fällt das ja sogar Erwachsenen schwer. Bei Kindern ist es noch entscheidender: Ihnen fehlt die Skepsis – für sie ist real, was sie sehen oder lesen. Ein anderes Risiko ist, dass ihnen oft ein verzerrtes Schönheitsideal vermittelt wird. Wir wissen zum Beispiel, dass junge Mädchen, die viel Instagram nutzen, anfälliger für Essstörungen sind. Zu den Risiken zählt auch das Cybermobbing, also dass einzelne Kinder und Jugendliche in den sozialen Netzwerken von anderen beleidigt, bloßgestellt oder bedroht werden.

Mobil-e: Müssen Eltern also besorgt sein, wenn ihr Kind das Internet und die sozialen Netzwerke nutzt?

Prof. Dr. Herbert Scheithauer: Grundsätzlich lautet meine Antwort Nein, denn Internet und soziale Netzwerke gehören heute zum Lebensalltag der Kinder und Jugendlichen dazu, so wie bei uns damals das Telefon. Aber es kommt natürlich aufs Alter und den Entwicklungsstand an: In der Regel sind sich Jugendliche ab 14 oder 15 Jahren möglicher Risiken durchaus bewusst, aber nicht zwangsweise. Eltern müssen auch im Jugendalter mit ihren Kindern über die richtige Nutzung von Medien sprechen und mit ihnen im Austausch bleiben. Wenn das Kind erst sechs oder sieben Jahre alt ist, sollten Eltern skeptischer sein und genau hinsehen. In diesem Alter ist es kognitiv noch nicht weit genug, um zu verstehen, welche Konsequenzen sein Handeln hat. Kinder sind zunächst einmal voller Begeisterung – deshalb ist die kritische Sicht der Eltern zur Interpretation von Medieninhalten so wichtig. Zudem müssen Eltern sich intensiv mit Schutzsoftware, Blockern und ähnlichen Dingen beschäftigen, um die Kinder vor Inhalten zu schützen, die nicht für Kinder gedacht sind.

Mobil-e: Ist in diesem Alter ein Verbot sinnvoll?

Prof. Dr. Herbert Scheithauer: Nein, im Jugendalter sicherlich nicht, denn Kinder müssen den Umgang mit den neuen Medien ja erlernen. Aufgabe der Eltern ist es, ihr Kind beim Aufbau von Medienkompetenz zu unterstützen. Dazu gehört ein ganzes Bündel von Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit denen es die Medien und deren Inhalte begreifen sowie sie verantwortungsvoll nutzen und gestalten kann. Kinder sollen das Internet zwar auch auf eigene Faust entdecken können, aber gleichzeitig vor möglichen Gefahren geschützt werden. Verbote sind dabei nicht angebracht, aber klare Regeln sind elementar. So sollten die Eltern zum Beispiel festlegen, wie viel Zeit ihr Kind im Netz verbringt, auf welchen Seiten es unterwegs sein darf und welche Möglichkeiten es auf diesen hat. Wenn das Kind noch jung ist, sollten Eltern die Websites sehr genau vorfiltern. Kinder sollten sich nur auf geschützten Plattformen bewegen können. Auch bei der Handhabung muss es Einschränkungen geben, zum Beispiel dass allein keine Bilder hochgeladen oder Filme heruntergeladen werden können. In einem ersten Schritt können Eltern dazu die Interneteinstellungen anpassen. Jugendgefährdende Inhalte lassen sich effizient mit einer Kinderschutz-Software herausfiltern. Außerdem sollte man am Computer für jedes Kind ein eigenes Benutzerkonto anlegen, dessen Einstellungen es nicht selbst ändern kann. Grundsätzlich gilt: Je jünger das Kind, desto strenger die Regeln.

Mobil-e: Worauf kommt es noch an?

Prof. Dr. Herbert Scheithauer: Ganz entscheidend ist, dem Kind die aufgestellten Regeln auch zu erklären und sie nicht einfach nur zu manifestieren. Auf diese Weise entwickelt sich ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis, das die Voraussetzung dafür ist, dass das Kind seine Erfahrungen im Netz ohne Scheu mit den Eltern teilt. Nur so können Eltern verhindern, dass ihr Kind auf Seiten mit ungeeigneten Inhalten gelangt, und merken, wenn es unter bestimmten Erlebnissen leidet. Auch für die Kinder ist dieses Vertrauen sehr wichtig.

Mobil-e: Wie schafft man ein solches Vertrauensverhältnis?

Prof. Dr. Herbert Scheithauer: Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die Eltern Interesse aufbringen. Das heißt: Sie müssen sich selbst mit dem Internet und mit den sozialen Medien beschäftigen. Das ist ihre Aufgabe. Nur wenn sie die Gefahren kennen, können sie sinnvolle Regeln aufstellen und diese auch erklären. Eltern haben die Rolle des Aufpassers, sie dürfen ihr Kind nicht im Internet allein lassen. Wichtig ist, dass sie es von Anfang an begleiten und unterstützen, indem sie gemeinsam mit ihm in diese Welt eintauchen. Kinder verstehen Medien nur, wenn Erwachsene dabei sind, die ihnen erklären, was sie sehen. Man sollte sie also nicht unbeaufsichtigt mit Tablet, Smartphone & Co. spielen lassen.

Mobil-e: Was verbirgt sich hinter dem Projekt Medienhelden?

Prof. Dr. Herbert Scheithauer: Das Programm richtet sich an Schüler der siebten bis zehnten Klassen. Zunächst werden Lehrkräfte im Rahmen einer dreitägigen Fortbildung von erfahrenen Trainern geschult und erhalten umfangreiches Unterrichtsmaterial. Anschließend führen sie das Programm über zehn Wochen im Unterricht durch. In dieser Zeit werden „offline“ bei den Schülern grundlegende Kompetenzen erarbeitet und gefördert. So üben sie anhand von Rollenspielen, sich in andere hineinzuversetzen und verschiedene Perspektiven einzunehmen – Opfer, Täter oder Mitläufer. Sie berichten von ihren Gefühlen, Gedanken, Wünschen und Handlungsspielräumen, die sie in der jeweiligen Rolle hatten. Die Schüler erleben Reaktionen auf ihr Verhalten und lernen zu erkennen, wann jemand zum Opfer wird und wie sie eingreifen können. Darüber hinaus bringen sich Schüler gegenseitig bei, wie sie sichere Social-Media-Profile erstellen, und sie bereiten für ihre Eltern einen Elternabend vor. Hier erklären sie den Erwachsenen unter anderem, wie sie mit ihrem Kind reden können, damit dieses sich ihnen anvertraut. Diverse Studien haben gezeigt: Das Programm macht Spaß, das Klassenklima wird besser und teilnehmende Schulen erleben weniger Mobbing.²

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Medienhelden: Vorbeugung von Cybermobbing und zur Stärkung der Medienkompetenz

Die BKK Mobil Oil unterstützt das wissenschaftlich geprüfte Präventionsprogramm an Gymnasien, Real- und Mittelschulen in Bayern. Weitere Informationen finden Sie unter www.bkk-mobil-oil.de/gks und www.medienhelden.info

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