Rubrik Navigation

Vorheriger Rubrik
Work & Life
Nächste Rubrik
Work & Life 01/2017
Glueckliche junge Frauen werfen Konfetti
© filadendron / Getty Images

Glücklichsein leicht gemacht

Wer glücklich ist, genießt laut Studien eine bessere Gesundheit. Kann man Glücklichsein lernen? Wir haben Psychologin Katharina Tempel befragt.

Wir wünschen uns gegenseitig Glück zum Geburtstag und sagen „Glück gehabt“, wenn wir bei Regen einen Schirm dabeihatten – der Begriff „Glück“ ist in unserem Alltag also fast allgegenwärtig. Und obwohl wir alle danach streben, ist vielen gar nicht bewusst, wie groß der Effekt von Glück auf unser Leben eigentlich ist. So kamen Wissenschaftler in zahlreichen Studien immer wieder zu dem Ergebnis, dass der Gemütszustand unsere Gesundheit und die Lebensdauer entscheidend beeinflusst.¹ Aber was genau ist eigentlich Glück und gibt es vielleicht sogar Strategien, es aktiv zu steuern? Das haben wir die Diplom-Psychologin Katharina Tempel gefragt. Sie hat das Onlineangebot „Glücksdetektiv“ ins Leben gerufen, um Menschen dabei zu unterstützen, glücklicher zu werden und ein erfüllteres Leben zu führen.

Mobil-e: Katharina, wie ist das Angebot „Glücksdetektiv“ entstanden?

Katharina Tempel: Im Zuge meiner Promotion im Bereich der Positiven Psychologie über Übungen zur Steigerung des Wohlbefindens habe ich festgestellt, wie viele spannende und wichtige Erkenntnisse über das Glück bereits existieren und wie wenig wir in unserem Alltag davon erfahren. Aus diesem Grund verfolgen viele von uns Strategien, die nachweislich nicht glücklich machen, und tragen so eine permanente Unzufriedenheit mit sich herum. Mit meinem Blog, meinem YouTube-Kanal und meinen Coachingprodukten zeige ich, wie diese Unzufriedenheit Schritt für Schritt überwunden werden kann und welche Möglichkeiten jeder Einzelne hat, um sich selbst zu verwirklichen und sein bestes und schönstes Leben zu führen.

Mobil-e: Was macht Glück in deinen Augen aus?

Katharina Tempel: Obwohl jeder eine Vorstellung davon hat, ist Glück gar nicht so leicht zu definieren. In der Positiven Psychologie wird Glück häufig mit subjektivem Wohlbefinden übersetzt. Demnach ist eine Person glücklich, wenn sie mehr positive als negative Emotionen erfährt und über eine hohe Lebenszufriedenheit verfügt. Meine Definition von Glück ist weiter gefasst, da es mir nicht nur um das Glück des Augenblicks geht, sondern um ein erfülltes und gelingendes Leben als Ganzes. Um ein solches Leben zu führen, ist es unter anderem wichtig, sich selbst zu akzeptieren, über einen Sinn im Leben zu verfügen, eine andauernde Persönlichkeitsentwicklung zu erfahren und positive zwischenmenschliche Beziehungen zu führen. In meiner Tätigkeit als „Glücksdetektiv“ unterstütze ich Menschen also beispielsweise darin, ihre Selbstzweifel zu überwinden und zu einem positiveren Selbstbild zu gelangen sowie eine Arbeit zu finden, die sinnstiftend ist, in der die individuellen Werte gelebt und die persönlichen Stärken zur Geltung gebracht werden können.

Mobil-e: Welche Effekte hat Glücklichsein auf Psyche und Körper?

Katharina Tempel: Menschen streben danach, glücklich zu sein, weil es ein schönes Gefühl ist. Aus etlichen wissenschaftlichen Studien ist mittlerweile aber bekannt, dass glücklich zu sein auch mit nennenswerten Vorteilen einhergeht. So verfügen glückliche Menschen über bessere soziale Beziehungen, engagieren sich häufiger ehrenamtlich, sind produktiver und erfolgreicher und nicht zuletzt auch gesünder als weniger glückliche Menschen. Es gibt Studien, die zeigen, dass glückliche Menschen ein stärkeres Immunsystem haben, seltener an Herzinfarkten, Infekten, Diabetes und einer Reihe weiterer Erkrankungen leiden und bis zu zehn Jahre länger leben. Es mag unglaublich klingen, dass das psychische Wohlergehen so große Auswirkungen auf das körperliche Wohlergehen zu haben scheint, aber im Kleinen erleben wir das Zusammenspiel zwischen Psyche und Körper hundertfach: Starke Anspannung äußert sich häufig in Muskelverspannungen, eine stressreiche Zeit zieht oft Erkältungen nach sich und psychische Belastungen schlagen sich in Magenbeschwerden oder Bluthochdruck nieder. Voltaire hatte also vollkommen Recht, als er behauptete: „Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.“

Mobil-e: Ist Glücklichsein Veranlagung oder kann man es lernen?

Katharina Tempel: Zwillingsstudien haben ergeben, dass das Glücksniveau von Personen zu einem gewissen Teil genetisch veranlagt ist. Das heißt, manche Menschen kommen mit etwas günstigeren Bedingungen auf die Welt, um glücklich zu sein. Erfreulicherweise gibt es aber auch einen nicht unerheblichen Teil am Glücksniveau einer Person, der durch aktives Verhalten beeinflusst werden kann. Wir gehen heute davon aus, dass etwa 50 % der Unterschiede im Glücksniveau zwischen Personen genetisch verursacht sind. 10 % werden durch unsere Lebensereignisse bestimmt, also zum Beispiel wo wir leben, ob wir verheiratet sind und Ähnliches. Die restlichen 40 % können durch unser Denken und Tun beeinflusst werden, beispielsweise durch eine optimistische Einstellung, Dankbarkeit, Achtsamkeit oder das Verfolgen intrinsischer Ziele. All diese Strategien sind erlernbar – und zwar unabhängig davon, ob wir arm oder reich sind, hässlich oder schön, alt oder jung. Darin zeigt sich auch schon eines der häufigsten Missverständnisse in Bezug auf das Glück: Es kommt viel weniger darauf an, was wir haben und wer wir sind als darauf, was wir denken und tun. Deswegen ist eine Person mit sehr hohem Gehalt und Status unter Umständen weniger glücklich als eine Person, die nur wenig verdient, dafür aber Freude an ihrer Tätigkeit hat, in Einklang mit ihren Werten handelt und gute Beziehungen zu den Kollegen aufweist.

Mobil-e: Hast du einen Tipp für uns, wie man sein Glücksempfinden schulen kann?

Katharina Tempel: Um glücklich zu sein, sollte man dafür sorgen, regelmäßig positive Emotionen zu erleben. So banal es klingt: Die Zeit für uns selbst, unsere Entspannung, unsere Hobbys oder unsere Liebsten ist die Zeit, die wir als erstes streichen, wenn es bei der Arbeit mal stressig wird. Dabei ist gerade diese Zeit Gold wert, um einen Ausgleich zu schaffen und positive Momente erleben zu können. Die schönsten Momente bringen uns jedoch auch nicht viel, wenn wir sie nicht bewusst wahrnehmen. Oft spulen wir unseren Alltag im Autopilotmodus herunter, laufen mit Scheuklappen durch die Straßen und hören Kollegen, Freunden und Partnern nur halbherzig zu. Auf diese Weise verpassen wir den Duft der Linden auf dem Arbeitsweg, das aufrichtig gemeinte Kompliment unseres Chefs oder die liebevolle Geste des Partners. Das führt auch dazu, dass wir uns abends vorrangig an all die negativen Ereignisse des Tages erinnern, an den Zoff mit der Kollegin, den Stapel unerledigter To-dos und die lange Schlange an der Supermarktkasse. Um dieser negativen Verzerrung entgegenzuwirken hilft es, sich bewusst auf das Positive zu konzentrieren. Nicht nur während des Tages, sondern gern auch in einem allabendlichen Ritual zu Hause: Was ist heute gut gelaufen? Welche Erfolge habe ich erzielt? Was war schön? Auf diese Weise trainieren wir unser Gehirn, die ganze Bandbreite an Erfahrungen wahrzunehmen und nicht nur auf das Negative zu fokussieren. Davon profitiert auch unser Selbstbild, weil schnell klar wird, dass wir gar nicht so dumm und misserfolgsgeplagt sind, wie wir uns gern einreden.

info image

Dem Glück auf der Spur

Wer mehr über das Thema Glück erfahren und die notwendigen Einstellungen und Verhaltensweisen, die für ein glückliches Leben verantwortlich sind, erlernen möchte, findet unter www.gluecksdetektiv.de einen Onlinevideokurs, verschiedene Coachingangebote sowie zahlreiche Geschichten und Tipps rund ums Glücklichsein.

(1) Quelle: Studie der Universität von Illinois in Urbana-Champaign, bei der mehr als 160 Forschungsarbeiten ausgewertet wurden

Lachende Frauen im Fitnessstudio beim Training nach Zyklus
Nächster artikel
Training nach Zyklus

Newsletter bestellen und informiert bleiben

Aktiv-Prämie, erweiterte Früherkennungs- und Vorsorgeangebote, Fitnessstudio-Rabatte oder Ernährungskurse: In vollem Umfang von unseren zahlreichen Zusatzleistungen und Angeboten profitieren kann nur, wer informiert bleibt. Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Newsletter und lassen Sie sich bis zu 4 x jährlich über Leistungs- und Serviceangebote sowie rund um die Themen Sport, Familie oder Gesundheit im Job informieren.

Mitglieder werben Mitglieder

Sie sind zufrieden mit der BKK Mobil Oil? Dann empfehlen Sie uns doch einfach weiter. Als Dankeschön erhalten Sie für jedes geworbene Mitglied von uns 20,00 Euro.