Schwangere mit Partner und Babyschuhen

Wie das Paar zu Eltern wird

Wenn man sein Jugendzimmer verlässt, um in die erste eigene Wohnung zu ziehen, wird vielen jungen Erwachsenen bewusst, wie viel Freiheiten sie als komplett selbstbestimmter Mensch haben. Jahre später, wenn sie das erste Mal Eltern werden ist diese Selbstbestimmung längst Normalität geworden. Eben noch ein Paar, dass sein Leben genießt und außerhalb der beruflichen Verpflichtungen dem nachgeht worauf sich beide einigen können, verschieben sich mit der Geburt eines Kindes die Prioritäten. Ein neuer Mensch wächst in eine Paar-Beziehung herein und stellt mit all dem Zauber, den er mitbringt, auch Ansprüche. Diese Herausforderungen gemeinsam zu meistern ist der erste Schritt vom Paarsein zum Elternsein. 

Unsere Expertin für Babys- und Kleinkinder: Dr. Daniela Dotzauer

Dr. med. Daniela Dotzauer ist Ärztin und selber Mutter von zwei Kindern. Die ausgebildete Eltern-Kind-Beraterin ist Profi, was das Thema Baby- und Kinderschlaf angeht, und zeigt, wie Eltern ihr Kind bei einem gesunden Schlaf unterstützen können. Dr. Dotzauer war lange Zeit in der Schreibaby-Ambulanz des Kinderzentrums München tätig und hat eine Hausbesuchspraxis im Würmtal sowie im Großraum München.

Schwangerschaft und Geburt

Ob durch Säuglingspflegekurse, in Gesprächen mit Freunden und Angehörigen oder durch eigene Recherche zum Thema „Eltern werden“, die meisten Paare informieren sich vor der Geburt und stimmen sich so auf ihr Baby und die neue, noch unbekannte Familienzeit ein. Wie es ist, neben den wunderbaren, magischen Momenten auch wirklich anstrengende Phasen mit Schlafmangel, Unsicherheiten und neuen Herausforderungen zu erleben, können Sie allerdings nur erahnen. Zum Glück sorgt die Natur vor. Die Hormone, welche durch Schwangerschaft, Geburt, Stillen und Körperkontakt mit dem Kind, gebildet werden, greifen erfolgreich ein und stärken das mütterliche/elterliche Verhalten. Schon während der Schwangerschaft wird so das Gehirn umstrukturiert und die Hormone ordnen die Prioritäten der werdenden Mutter neu. So kommt es, dass die Frau bei der Geburt bereits 9 bis 10 Monate Vorsprung gegenüber ihrem Partner hat. Dieser hat zwar in der Schwangerschaft die äußerlichen und auch die Veränderungen des Gemütes an seiner Partnerin wahrnehmen können, diese aber nicht selbst erlebt.

Ist das Kind geburtsbereit sinkt der Progesteronspiegel – das ist das „Gute-Laune-Hormon“ ­– und das stark ansteigende Oxytocin, das „Kuschelhormon“, löst die Wehen aus. Weitere Oxytocin- und Dopaminschübe (was auch „Glückshormon“ genannt wird) während der Geburt, sorgen für das Gelingen der Geburt und für die Euphorie und das Durchhaltevermögen der Mutter.

Dann ist endlich das Baby da und nach den ersten Glücksmomenten, kommt nach ein paar Tagen, auf leisen Sohlen der Babyblues daher. Diese hormonell ausgelöste, melancholisch bis depressive Verstimmung und gesteigerte Empfindsamkeit macht die Mutter besonders sensibel und empfänglich für die Bedürfnisse des Babys. So kann die Mutter perfekt erspüren, was das Baby gerade braucht. Auch hier ist die Mutter hormonell im Vorteil und der frischgebackene Vater hat das Gefühl mit seiner Intuition nur hinterherzurennen. Das Wissen, dass es nicht an ihm, sondern an den Hormonen liegt, kann hier helfen. Und natürlich kann auch der Papa ganz wunderbar mit dem Neugeborenen kuscheln und der Mama das Wickeln abnehmen.

Der Partner-Tipp für die Wochenbett-Zeit: „Die Mutter kennt das Kind (noch) besser.“

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Diese besondere Zeit, des Kennenlernens eines neuen Wesens, der Beginn und Aufbau einer lebenslang bedeutsamen Beziehung, dem sollte Zeit, Raum und Möglichkeit gegeben werden. Auch die körperliche und seelische Erholung und das Hineinfinden in die neuen Rollen brauchen Zeit und ein Verständnis darüber, gerade in unserer schnelllebigen Zeit. Diese kostbare Zeit sollte sich die Mutter nicht nehmen lassen. Dass „die Mutter das Kind im Wochenbett besser kennt“ haben wir ja schon gelernt. Jetzt wäre es noch wichtig, Mutter und Kind zu umsorgen. Und das ist der zweite Partner-Tipp: Der Partner ist Wochenbettmanager für die Familie.

Die neue Familie – ob Mutter, Vater oder auch das Kind – braucht jetzt erstmal Zeit, um sich kennenzulernen und eine Beziehung zueinander aufzubauen. Auch wenn Mama und Baby hier einen nicht unbedeutenden Vorsprung haben. Für dieses wichtige Projekt muss Raum geschaffen werden. Dafür braucht es, neben den Hauptpersonen, auch die Punkte Versorgung und Organisation im Alltag sowie Überblick und Verwaltung des Besuchs.
Natürlich sind Blumen, Karten und Geschenke für das Baby willkommen, aber noch viel lieber sollte das mitgebracht werden, was sich die Neu-Mama wünscht: Leckeres Obst, selbst gebackener Kuchen, Wochenbettsuppe oder ausgewählte Lieblingssnacks. Das darf der Vater gerne  den Gästen zuvor als Tipp mitgeben, so dass alle etwas von dem Besuch haben.

Dabei sollte der Neu-Papa auch darauf achten, dass der Wochenbettbesuch hilfreich erlebt wird und Mama und Baby nicht anstrengt. Ein guter Gast bringt in dieser Zeit ein Essen für die junge Familie mit, kümmert sich um die großen Geschwister und nimmt einen Korb Bügelwäsche mit. Alle anderen Besuchsformen sollten auf später verschoben werden.

Ein gut gelebtes Wochenbett ist schon mal ein großer gemeinsamer Schritt in Richtung Elternwerden.

Das Leben mit dem Neugeborenen

Partner-Tipp:
Zeigen und sagen „Du bist nicht allein!“ Dieser Satz ist Balsam für die Mama- und die Baby-Seele.

Aber wie es sich dann anfühlt seine Selbstbestimmtheit aufzugeben, physisch und psychisch rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen, für ein neues Wesen die Verantwortung zu tragen, das ist vorher meist nur schwer vorstellbar.
Gott sei Dank, hat jeder gesunde Erwachsene eine intuitive, elterliche Kompetenz.

Auch wenn sich Selbstzweifel einschleichen, wenn die elterlichen Bemühungen manchmal so gar nicht ankommen, das Baby schreit und in seinem Tunnel unerreichbar scheint. Es ist ganz normal sich auch überfordert zu fühlen. Umso wichtiger ist es, wenn sich dann nicht ein Elternteil alleine gelassen fühlt, sondern beide Eltern sich zusammen dieser Herausforderung stellen. Das Paar kümmert sich gemeinsam um das Baby, um sein Schreien und dabei gleichzeitig, um sich – als Paar. Diese Erlebnisse, gerade wenn es schwierig wird, verbinden und stärken das Paar in seiner Elternrolle und sind ein weiterer Teil des Elternwerdens.

Elternrolle

Frisch Eltern zu sein heißt, ich übernehme die Elternrolle, auch wenn ich noch nicht weiß, was da auf mich zu kommt. Ich sage „Ja“ zu einer Rolle, deren Ausmaß mir noch nicht bekannt ist und kümmere mich.

Was bedeutet aber kümmern? Dass Kümmern mehr ist als Versorgung, im Sinne von satt und sauber, das ist allen Eltern schnell klar. Aber was heißt kümmern weiter? Kümmern heißt: Den Blick von sich weg auf das Kind zu richten. Sich einzufühlen in ein Wesen, das so ganz anders tickt.

Es ist vergleichsweise einfach, sich in einen Erwachsenen einzufühlen. Aber im Falle des Babys handelt es sich nicht um einen kleinen Erwachsenen, sondern um ein kleines, unreifes Menschenkind mit anderen Bedürfnissen und einer für Eltern neuen Sprache. Daher muss alles was beim Baby ankommen soll einfach, wiederholend und langsam stattfinden. „Ammensprache“ ist das, was Babys lieben. Egal in welcher Kultur, auf der ganzen Welt, in jeder Sprache ist sie gleich: Ein Singsang aus Höhen und Tiefen, der Babys erreicht. Ähnlich der Wiegenlieder, welche erfunden wurden, weil Babys diese Sprechmelodien mit den vielen Wiederholungen lieben. Auch das gehört zum Eltern werden dazu: Etwas immer wieder zu tun, einfach nur weil das Baby es liebt.

Viele Erwachsene haben das Singen verlernt oder genieren sich beim Singen und beim Gebrauch der Babysprache.
Aber diese Lektion ist wichtig und wird Sie noch lange begleiten: Im Miteinander seine eigenen Befindlichkeiten zurückzustecken, um sein Baby zu erreichen und feinfühlig in Kommunikation mit ihm zu treten. Wenn z. B. Eltern dem sechs Monate alten Baby Geschichten von Astrid Lindgren vorlesen, geschieht dies nicht, weil das Baby es will. Diese schönen Geschichten unterhalten den erwachsenen Vorleser und im Nebeneffekt kommt eine beruhigende Stimmung auf. Aber einer solchen Geschichte wirklich zu hören zu können, dafür wird das Kind noch Jahre brauchen. Sich auf das was das Kind im jeweilige Alter braucht einzustellen, auch das ist Elternwerden.

Beziehung braucht Zeit

Für alle Eltern ist es wichtig sich Zeit zu nehmen, ihr Baby zu beobachten und es kennen zu lernen. Dabei hilft es in ruhigen Momenten kleine „Gespräche“ anzubieten. In den ersten Wochen wird das Baby noch keinen Blickkontakt suchen und kein Antwortlächeln parat halten, dafür fehlt ihm zunächst noch die nötige Hirnreife. Es ist ihm aber möglich die elterlichen Stimmen zu hören und zu erkennen, erste Gurrlaute zu produzieren und sich dabei wohlzufühlen. Und immer wieder wird es mit zunehmenden Wochenalter das Gesicht der Eltern suchen. Auch wenn die Kleinen vorerst nur verschwommen sehen, haben nahe Gesichter doch eine ungeheure Anziehungskraft. Vielleicht gelingt schon bald ein erster Dialog. Wenn Sie die Gurrlaute Ihres Kindes imitieren und Sie werden sich wundern, dass auch das Baby bereits Sie imitieren und die Zungenbewegungen von Mutter und Vater nachahmen kann. Diese faszinierende Entdeckung des Babys verdankt es seinen Spiegelneuronen. Diese dienen als Resonanzsystem im Gehirn und ermöglichen, dass wir uns von den Gefühlen anderer Menschen „anstecken“ lassen. Lachen wir das neue Familienmitglied an, wird es sehr bald zurücklachen.

So geht es für Eltern beim Wickeln nur am Rande darum, dass die Windel gewechselt wird, hauptsächlich geht es bei der Interaktion mit dem Kind darum, sich gegenseitig kennen und lieben zu lernen und sich aufeinander einzulassen. Seine eigene Befindlichkeit hintenanstellen und sich verzaubern lassen von dem Moment.

Partner-Tipp: Neue Beziehungen brauchen Zeit. Das ist das größte Geschenk, das Sie Ihrer Familie machen können – sich Zeit nehmen, z. B. für einen kleines „Gespräch“ mit dem Nachwuchs.

Und daran schließt sich auch schon die nächste Empfehlung an: Lesen Sie sich ein in die spannende Welt der Babyentwicklung und der Eltern-Kind-Bindung. Es gibt sehr schöne Videos, aber auch gute Lektüre zum Thema. Stimmen Sie sich gemeinsam mit Ihrer Partnerin, vielleicht auch schon vor der Geburt auf Ihre neue Rolle als Bindungs- und Bezugsperson ein.

Perspektivwechsel

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Wichtiges Basiswissen für den Schlaf von Babys

Das sollten Sie über den Schlaf von Babys wissen.

Ein wichtiger Schritt zum Eltern werden ist ein verständnisvoller Perspektivwechsel. Dafür möchte ich Sie nochmal mitnehmen auf die Babyseite: Nichts ist mehr so wie es war! Und das betrifft nicht nur die Eltern, sondern auch das Baby. Das sind unüberschaubar große Anpassungsaufgaben, die das Baby jetzt bewältigen muss. Alles ist anders, als es das kannte. Im Bauch gab es aus Babysicht nämlich deutlich weniger Probleme: „Draußen“ muss es atmen, sich warmhalten, Nahrung aufnehmen und wieder loswerden, die Schwerkraft ertragen und zappelnde Arme und Beine aushalten. So viele Reflexe und Reize prasseln auf das Neugeborene ein. Dann muss es auch noch diesem Mysterium mit dem Wachsein und dem Schlafen auf die Spur kommen. Und immer wieder, wenn es versucht sich mitzuteilen, versteht sein Gegenüber nicht sofort was es möchte. Das kann ein Baby schon mal verzweifeln lassen. Auch wenn Schreien eines der wirksamsten Mittel bei Verzweiflung ist, sichert es doch die sofortige Präsenz der Eltern.

Im Laufe der Zeit, wenn ein „fragen" des Babys dauerhaft gut beantwortet wird, bildet sich das sogenannte Urvertrauen – das Vertrauen in die Eltern und die Welt.
Eltern, die sensibel auf die Bedürfnisse ihres Kindes eingehen, schenken ihm damit eine sichere Bindung und diese frühe Bindung ist entscheidend für das künftige Selbstbild des Kindes. Die dadurch entstehenden Denk und Gefühlsmuster begleiten das Kind lebenslang und helfen ihm zukünftig mit Schwierigkeiten umzugehen und Krisen zu meistern.

Mehr Informationen zum Thema Feinfühligkeit mit Kindern erfahren Sie hier!

Was für eine große Aufgabe? Sie werden das schaffen! Glauben Sie an sich und halten Sie zusammen, als Paar und als Eltern. Alles Gute und viel Freude beim Eltern werden und am Eltern sein!

 

 

Unsere Eltern-Hotline mit Frau Dr. Dotzauer

Jeden letzten Mittwoch im Monat berät Frau Dr. Dotzauer Eltern rund um das Thema "Kinderschlaf". Haben auch Sie individuelle Fragen zum Schlafverhalten Ihres Kindes, kontaktieren Sie unsere Expertin unter unserer kostenlosen Hotline.

Jeden letzten Mittwoch im Monat:

20:00 bis 22:00 Uhr

Hotline: 0800 255 3002 880

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