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Wichtiges Basiswissen für den Schlaf von Babys

Alle Eltern wünschen sich guten Schlaf für sich und ihre Kinder. Hierfür ist es sinnvoll, sich über die kindliche Schlafentwicklung zu informieren und zu wissen, was altersgemäß ist und wie man diese Entwicklung positiv beeinflussen kann.

 

Es gibt Kinder, die überhaupt keine Schlafprobleme haben. Aber jedes vierte Kind, das auf die Welt kommt, bringt mit seinen Erbanlagen bestimmte Temperamentsfaktoren mit sich, die Selbstberuhigung und Schlaf erschweren. Das sind hellwache Kinder, die auf die Reize dieser Welt ausgerichtet sind und denen es sehr schwer fällt, die Augen zu schließen, ruhig zu werden und einzuschlafen. In diesem Fall ist es besonders wichtig, sich mit diesen Themen auszukennen und einen Plan zu haben, wie man sein Baby sinnvoll unterstützen kann.

Unsere Schlafexpertin für Babys- und Kleinkinder: Dr. Daniela Dotzauer

Dr. med. Daniela Dotzauer ist Ärztin und selber Mutter von zwei Kindern. Die ausgebildete Eltern-Kind-Beraterin ist Profi, was das Thema Baby- und Kinderschlaf angeht, und zeigt, wie Eltern ihr Kind bei einem gesunden Schlaf unterstützen können. Dr. Dotzauer war lange Zeit in der Schreibaby-Ambulanz des Kinderzentrums München tätig und hat eine Hausbesuchspraxis im Würmtal sowie im Großraum München.

Babyschlaf in der ersten Entwicklungstufe: 0 bis 3 Monate

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Nach der Geburt ändert sich alles – nicht nur für die Eltern, sondern insbesondere für das Baby.

Viele Anpassungsaufgaben sind zu bewältigen: Atmen, die Temperatur halten, Nahrung aufnehmen und wieder loswerden, die Schwerkraft ertragen, mit allerlei Reizen und Reflexen zurechtkommen und eine gute Balance zwischen Schlafen und Wachsein finden.

Eines ist Fakt und kann nicht oft genug betont werden:
Einschlafen geht nur mit Ruhe und Entspannung wirklich gut!

Kleine Säuglinge können sich meist noch nicht alleine beruhigen, sie brauchen die Unterstützung der Eltern. Sie wollen sich sicher, geborgen und gut fühlen. Anfangs geht das Beruhigen natürlich am leichtesten beim Stillen oder Saugen an der Flasche. Das löst mehrere Probleme auf einmal. Das Baby wird satt, ruhig, zufrieden, es genießt die Nähe, fühlt sich wohl und kann sich dem Schlaf überlassen. Das ist auch völlig normal und gut so.

Nur was tun, wenn es nicht mehr beim Stillen oder der Flasche einschläft? Weil es bereits satt ist, nicht satt wird, älter geworden ist, es beim Papa einschlafen soll oder andere Gründe es vom Still-/Trinkschlaf abhalten? Wenn es womöglich schreit, sich aufregt, sich immer mehr hineinsteigert und in seiner Erregung unerreichbar scheint? Wie geht denn dann überhaupt Beruhigung?

Beim kleinen Baby helfen die Eltern. Es ist klug, seinem Kind das Ruhigwerden zu lehren und ihm den Weg zur Entspannung zu zeigen. Seit Jahrtausenden werden Kinder durch Singen und Wiegen beruhigt. Das wird sich auch nicht ändern. Rhythmisches Bewegen und sanfte Melodien, bevorzugt mit elterlicher Stimme, die Nähe der Eltern und Körperkontakt – das ist das Programm, auf das Babys ansprechen. Natürlich nicht immer und nicht zu jedem Zeitpunkt. Wann ist es denn dann der richtige Zeitpunkt?

Faustregel für den Schlaf des Babys

Kleine Babys sollten nicht länger als eine Stunde wach sein!

Grundsätzlich schlafen kleine Babys besser ein, wenn sie nicht so müde sind, ganz im Gegenteil zu uns Erwachsenen. Wir müssen uns müde fühlen, um gut einzuschlafen zu können. Kleine Babys sind Spielball ihrer Befindlichkeiten und fühlen sich einfach nicht mehr zufrieden, sie werden unruhig. Sie beginnen zu zappeln, Arme und Beine rudern unkoordiniert umher, sie beginnen zu meckern und ehe man sich versieht, regen sie sich auch schon auf. Dann ist es unter Umständen bereits schon zu spät. Denn aus einem aufgeregtem Zustand einzuschlafen ist für jedermann schwer. Also gilt es: diesen Zustand gar nicht erst zu erreichen.

Dies führt uns zu der wichtigsten Botschaft in diesem Alter: Die Wachzeiten sollten beim kleinen Baby anfangs eine Stunde nicht überschreiten.

Meist sind die Kinder viel zu lange wach und der richtige Zeitpunkt des „Runterkuschelns“ wurde verpasst, (das Schlaffenster ist zu), d.h. das Kind ist nicht mehr entspannt, sondern bereits erregt. In diesem Fall gilt Überleben und meistens rettet dann nur noch Stillen, die Flasche oder das Tragetuch und ein strammer Spaziergang.

Besser ist es, bei regulationsschwierigen Säuglingen auf die Uhr schauen, denn man kann damit rechnen, dass nach einer Stunde Wachzeit die Aufmerksamkeit nachlässt und das Gehirn eine Pause braucht, um aufzuräumen mit den vielen Eindrücken dieser Welt. Wenn wir Eltern dies frühzeitig ermöglichen, das Kind satt ist, es sich warm, sicher und geborgen fühlt und dadurch gar keine große Aufregung entsteht, dann gelingt es dem Baby viel leichter, zu entspannen, ruhig zu werden und schließlich einzuschlafen.
 

 

Was soll am Tag passieren?

Eine wichtige Entwicklungsaufgabe in den der ersten Wochen besteht darin, die Befindlichkeiten tagsüber zu klären. Wann ist das Baby müde, wann braucht es Nähe und Ansprache und wann hat es Hunger? Meist vermischen sich diese Zustände, d.h. das Baby ist zu müde, um kräftig zu trinken, und zu hungrig, um gut zu schlafen. Dies führt zu einem unzufriedenen Baby, das schwer zu lesen ist, denn es weiß selber nicht, was es braucht, um sich besser zu fühlen. Es handelt sich eben noch um ein kleines Baby.

Um einen besseren Überblick und ein Gefühl dafür bekommen, wie der Tag eigentlich läuft, kann ein Schlafprotokoll (siehe Download) helfen. Man sieht auf einen Blick, wie lange die Wachzeiten sind, wie viel geschlafen und wie oft getrunken wird. Und meist ist man sehr erstaunt, wie schnell eine Stunde vergeht.

 

Die Botschaft: Einschlafen geht ganz leicht!

Einschlafen geht ganz leicht! Das sollen alle Kinder erfahren. Mit Runterkuscheln geht’s leichter! Das sollen alle Eltern wissen.

Für gutes Einschlafen sind zwei Faktoren wesentlich:
Ausreichend Schlafdruck (körperliche Müdigkeit/Wachstunden) und Schlafbereitschaft. Beides ist in jedem Alter unterschiedlich.

  • Schlafdruck: Das kleine Baby wird nach ca. einer Wachstunde wieder müde.
  • Schlafbereitschaft was ist das? Das Baby ist noch ruhig, satt und will nicht mehr unterhalten werden. Es schaut weg, sucht aber gleichzeitig Nähe und will auf den Arm.

Eltern sollten dies fördern und ihr Baby dabei unterstützen, indem sie es „runterkuscheln“. Dazu braucht es jetzt keinen Blickkontakt mehr, auch kein weiteres Spiel- oder Ablenkungsangebot. Es ist wichtig, bei diesem Prozess selber ruhig und entspannt zu sein und sich dabei Zeit zu lassen: Tragen, Singen, leises Erzählen und Wiegen, Augen streicheln – bei sehr neugierigen, reizoffenen Kindern sollte man zum Einschlafen abdunkeln, um ihnen das Augenschließen zu erleichtern.

Daraus sollte eine Routine werden – eine Einschlafroutine.

Ein immer gleichgestaltetes Ritual kann dem Baby helfen, sich zu entspannen, sich wohl zu fühlen und sich dem Schlaf zu überlassen. Das Baby lernt den Zusammenhang von ruhig sein, Wohlgefühl und Schlaf. Im Laufe der Zeit baut es eine Schlaferwartungshaltung auf („ah ja - jetzt kommt die Nummer mit dem La le Lu…“) und es lernt schon ein bisschen, mitzuhelfen und zu seiner eigenen Entspannung beizutragen. Es kuschelt sich in die Armbeuge, schließt die Augen, saugt am Schnuller, genießt und wird ruhig.

Sinnvolle Tagesstruktur mit Wohlfühlmomenten

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Stillen: Das Beste für Ihr Kind

Informationen zum Thema Stillen finden Sie hier.

Ausgeschlafen und satt kann man die Aufmerksamkeit der Eltern genießen in Form von „Wellness“ auf der Wickelablage und schönen Zwiegesprächen mit Blick- und Körperkontakt. Im richtigen Abstand (30 cm) gibt es nichts Schöneres für das Baby als das Gesicht der Eltern, die Augen, die vertraute Stimme und das gute Gefühl.

Auch das kleine Baby kann schon imitieren, lautieren, den Kopf zur Stimme wenden und sein Wohlbehagen ausdrücken. Damit das gelingt ist es wichtig, schon morgens darauf zu achten, dass regelmäßige Tagschläfchen immer wieder „das Gehirn aufräumen“ und es gar nicht erst zu einem größeren Aufregungszustand kommt, der gegen Abend meist dazu neigt, zu entgleisen.

Auch sollte darauf geachtet werden, dass das Baby tagsüber den Hauptteil der Kalorien zu sich nimmt. D.h. tagsüber ruhige, ausführliche Mahlzeiten realisieren und diese nicht auf die Nacht verlagern. Tagsüber kann ruhig öfters gestillt werden, insbesondere abends ist manchmal auch cluster-feeding notwendig.

Wichtig zu wissen für die stillende Mutter: Gerade abends steht oft weniger Milch zur Verfügung als sonst tagsüber, d.h. ausreichend essen, trinken und möglichst auch mal die Beine hochlegen.

Schlafphasen und die „Weiterschlafsprache“

Eine weitere wichtige Tatsache ist, dass Schlaf kein komaähnlicher Dauerzustand ist, sondern sich verschiedene Schlafphasen (Leicht- und Tiefschlafphasen) miteinander abwechseln.

Für dieses Alter ist es typisch, dass tagsüber Leichtschlafphasen vorherrschen und diese sind auch der Grund für das häufige Erwachen.

Weiterschlafen wäre der Schlüssel, das geht aber anfangs oft nur mit Hilfe. Es muss eine „Weiterschlafsprache“ her. Und zwar prompt, aber moderat. Die Situation nicht eskalieren lassen. Schlafanfänger müssen schnell beruhigt werden, leises Rauschen, „sch sch sch“- Singen, sanfte Bewegung, Lagewechsel („bitte wenden“), Schnuller/Kuschel geben und sanft die Augen streicheln. Die Schlafstimmung sollte beim Zwischenerwachen möglichst aufrechterhalten und das Kind nicht vorzeitig als wach erklärt werden. Nur dann besteht die Chance auf Weiterschlafen und das Erreichen einer tieferen Schlafphase. Diese wird dann auch erholsamer und etwas länger sein.

Glücklicherweise wird nachts in diesem Alter meist noch relativ gut geschlafen. Die Kinder wachen eher hungergesteuert auf und finden in der Regel nach der Nachtmahlzeit wieder gut in den Schlaf.

Beruhigungs- und Einschlafhilfen

Wer weiß, wie Beruhigung geht, ist im Vorteil. Das gilt für Klein und Groß.

  • Eltern: Auf der Brust der Eltern oder im Arm kann das Baby Halt finden, Nähe und Geborgenheit spüren.
  • Stillen/Flasche: Saugen, Schlucken und dabei ruhig werden.
  • Schnuller und Kuschel: können jetzt noch nicht selber genutzt werden, dazu ist Elternhilfe nötig, aber sich daran gewöhnen und daran saugen kann das Baby schon alleine. Nur wenn die Eltern es dabei unterstützen, kann das Kindes dies für sich entdecken.
  • Weißes Rauschen: kann phasenweise auch hilfreich sein, es erinnert an die Geräusche im Mutterleib.
  • Lagestabilisierung mit z. B. einem Seitschläferkissen, einer Bettschlange oder einem Wickeltuch hilft die noch unkoordinierten Spontanbewegungen und die Säuglingsreflexe in Schach zu halten.
  • Tragehilfen/Tragetuch sind unverzichtbare Hilfsmittel, um dem Baby Halt, Begrenztheit und Nähe, den vertrauten Herzschlag und sanfte Bewegung zu geben. Das beste Mittel für den „Notfall“!

 

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer verstanden hat, dass

  1. Einschlafen aus der Entspannung heraus leichter geht,
  2. es wichtig ist, auf altersgemäße Wachzeiten zu achten,
  3. für das Einschlafen die Schlafbereitschaft nötig ist und dazu eine Einschlafroutine etabliert werden sollte,
  4. der Tag altersgemäß zu strukturieren ist,
  5. der Hauptteil der Kalorien tagsüber angeboten werden sollte,
  6. man den Leichtschlafphasen mit „Weiterschlafsprache“ begegnen kann,
  7. Schnuller und später auch Kuschel hilfreich zur künftigen Selbstregulation sind,
  8. Lagestabilisierung und Tragehilfen sehr unterstützend sein können,
  9. ruhige, entspannte Eltern es leichter haben, Beruhigung zu vermitteln,

der kann sein Kind gut durch die ersten Lebensmonate begleiten und legt einen Grundstein für eine gute Schlafkultur.

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