Medienkonsum Kinder 2

forsa-Umfrage zum Medienkonsum von Kindern

Der Eindruck, Kinder würden zu viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, trügt nicht. Mehr als jedes zweite Kind zwischen drei und acht Jahren zeigt einen auffällig hohen Fernsehkonsum. Der Grund? Langeweile! Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der BKK Mobil Oil unter rund 1000 befragten Eltern. Die Erziehungsberechtigten haben deshalb ein schlechtes Gewissen …

Freitag, 07 August 2020

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Wer kennt es nicht? Vor Langeweile wollen die eigenen Kinder nur noch eines: vor dem Fernseher sitzen. Diese Erfahrung gehört offensichtlich zum Alltag vieler Eltern in Deutschland. Bei einer forsa-Umfrage im Auftrag der BKK Mobil Oil gaben von über 1000 Eltern immerhin 60 Prozent an, dass ihre drei- bis achtjährigen Sprösslinge nahezu täglich vorm TV sitzen. Als Hauptgrund für den erhöhten Fernsehkonsum nennen 45 Prozent „Langeweile“, wie die Grafik zur forsa-Umfrage (siehe unten) verdeutlicht. Überraschend dabei: Trotz des mittlerweile großen Angebotes für Kleinkinder hat die Nutzung mobiler Endgeräte und Computer das Fernsehen als Freizeitbeschäftigung noch nicht überholt. So nutzen 35 Prozent der 3- bis 8-Jährigen (fast) täglich und jedes vierte Kind mehrmals in der Woche Smartphone und Co. Die Motive der Kids für diese Lust am digitalen Vergnügen zeigen, der Fernseher wird am häufigsten aus Langeweile genutzt, Tablet und Smartphone vor allem zum Spielen.

 

Medienkonsum Infografik

Schlechtes Gewissen dominiert bei den Eltern

Bei Eltern erzeugt der exzessive Fernsehkonsum ihrer Sprösslinge offensichtlich häufig ein schlechtes Gewissen. Für 55 Prozent von ihnen fühlt sich die Nutzung von Fernsehen, Smartphone und Co. sogar „nicht richtig“ an. Sie befürchten, dass diese ihren Nachwuchs daran hindere, anderen Aktivitäten nachzugehen.

Medienkonsum Tabelle 4

„Es macht keinen Sinn, sich als Eltern selbst zu ‚zermartern‘“

„Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen, dass den Eltern eigentlich klar ist, worin die Risiken des intensiven Medienkonsums liegen können: Beeinträchtigung des Bewegungsdrangs und der Lust des Kindes auf freies Spielen ohne Spielvorgaben“, weiß Prof. Dr. Herbert Scheithauer, Entwicklungspsychologe an der Freien Universität Berlin.

Haben Eltern in Deutschland also verlernt, ihren Nachwuchs zu beschäftigen? „Ich meine, dass viele Eltern vielleicht zu hoch gesteckte Erwartungen haben, wenn es um die Freizeitgestaltung ihrer Kinder geht: Alles muss perfekt sein und darauf ausgerichtet, das Kind unter anderem in seiner Bildung und Kreativität voranzubringen – dies kann die Kinder und die Eltern überfordern“, so Prof. Dr. Scheithauer. „Zudem bietet die Medien-Industrie ja viele ‚reizvolle‘ Angebote für Kinder, sodass viele Eltern vielleicht den Blick auf das Wesentliche verlieren oder ‚Altbewährtes‘ für unmodern halten: wichtig ist gemeinsame Zeit, gemeinsames Spielen, Fantasiespiel oder gemeinsam sprechen.“

Der Experte weiß jedoch auch, dass eine Zeit wie die der Corona-Pandemie gerade zu Beginn keine einfache war – für die ganze Familie: „Die Bedürfnisse des Kindes, die eigene Arbeit im Homeoffice, Home-Schooling, alles ohne Großeltern, Freunde und andere Familien – das war eine Belastungsprobe! Es macht also keinen Sinn, sich selbst zu ‚zermartern‘.“

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Das Dilemma berufstätiger Eltern

Langeweile kann als Quelle für Kreativität genutzt werden

Vielleicht fällt es Eltern mitunter auch schwer, sich nach einem intensiven Arbeitstag aktiv mit ihren Kindern zu beschäftigen. Zumindest könnten die Umfragewerte der oben zitierten forsa-Studie in diese Richtung interpretiert werden. Fast die Hälfte aller Kinder, die mindestens einmal wöchentlich den Fernseher nutzen, (49 Prozent) schaut vor dem Schlafengehen fern, zu Zeiten also, wenn Eltern sich um praktische Dinge wie Kochen und Haushalt kümmern müssen. Den Nachwuchs vor dem Fernseher „ruhig“ zu stellen, ist da eine beliebte Exit-Strategie und keineswegs eine neue, beobachten Erziehungsexperten1. Ein Fehler, wie auch Scheithauer betont: „Medien sollten nicht als Ablenkung für Emotionen und Konflikte eingesetzt werden oder um wiederholt das Kind ‚ruhigzustellen‘. Die Medienkonsumzeit sollte reglementiert und richtig ausgewählt werden. Erwachsene müssen Kindern helfen und ihnen zunächst Angebote machen. Da heißt es auch geduldig sein und immer wieder versuchen, die Kinder für eine Aktivität ohne Medien zu gewinnen.“

Medienkonsum Tabelle 3

Manche Eltern entdecken im medialen Nutzungsverhalten ihrer Kinder allerdings auch Vorteile. In Kombination mit anderen Lernprogrammen könne dies sogar kreative Anreize bieten und den Sprachschatz fördern, finden 58 Prozent der Erziehungsberechtigten, deren Kinder diese Medien nutzen.

Und auch Prof. Dr. Scheithauer sieht eine Chance im Hinblick auf die Ergebnisse der forsa-Umfrage: „Langeweile kann als Quelle für Kreativität genutzt werden, Kinder können angeregt werden, mit Hilfe der Eltern, Ideen zu entwickeln, sich zu beschäftigen. Sie kann auch zur Entschleunigung des sonst so vollen Alltags führen. Eltern sollten Mut haben, auch ganz einfache Dinge zur Beschäftigung zu tun und vorzuschlagen. Dadurch sind sie nicht langweilig und pädagogisch wenig wertvoll, im Gegenteil!“

Das ist Prof. Dr. Herbert Scheithauer

Der Experte ist Professor für Entwicklungspsychologie und Klinische Psychologie an der Freien Universität Berlin. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Prof. Dr. Herbert Scheithauer u.a. eingehend mit den Themen „Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen“ und „Gewaltprävention an Schulen“. 2015 wurde das von Herbert Scheithauer mitentwickelte Programm „Medienhelden“ zur Prävention von Cybermobbing und Förderung von Internet- und Medienkompetenz in der Schule mit dem European Crime Prevention Award (ECPN) ausgezeichnet.

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