Medienhelden

Cybermobbing: „Müssen Schüler besser schützen“

Donnerstag, 27 September 2018

BKK Mobil Oil bringt wissenschaftlich geprüftes Präventionsprogramm „Medienhelden“ an Gymnasien, Real- und Mittelschulen in Bayern


Beleidigungen auf WhatsApp, Nacktfotos auf Snapchat, peinliche Videos auf YouTube – etwa jeder fünfte Jugendliche wurde schon einmal im Internet beleidigt oder war selbst Täter. „Wir müssen die Schüler besser schützen“, fordert Univ.-Prof. Herbert Scheithauer, Entwicklungspsychologe an der Freien Universität Berlin. Cybermobbing könne zu massiven Problemen führen: Betroffene berichten von Symptomen wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Schulphobie, Angststörungen, Wut, Depressionen bis hin zu Suizidgedanken. Zur Vorbeugung von Cybermobbing und zur Stärkung der Medienkompetenz bringt die BKK Mobil Oil das wissenschaftlich geprüfte Präventionsprogramm „Medienhelden” an Gymnasien, Real- und Mittelschulen in Bayern.

Entwickelt wurde das strukturierte Programm von Univ.-Prof. Scheithauer und weiteren Entwicklungspsychologen der FU Berlin. Es richtet sich an Schüler der 7. bis 10. Klassen. Zunächst werden Lehrkräfte und Sozialpädagogen im Rahmen einer dreitägigen Fortbildung von erfahrenen Trainern geschult und erhalten umfangreiches Unterrichtsmaterial. Anschließend führen sie das Programm im Unterricht durch. Die Erfahrungen der vergangenen sechs Jahre an Schulen haben gezeigt: „Medienhelden“ bringt gute, anhaltende Erfolge. Die Akzeptanz ist hoch, da die Jugendlichen zahlreiche Maßnahmen selbstbestimmt und mitwirkend umsetzen und ihr Wissen an Mitschüler und Eltern weitergeben. In einer Längsschnittstudie konnten wir unter anderem weniger Cybermobbing, mehr Empathie, ein besseres Selbstwertgefühl und ein besseres Wohlbefinden feststellen“, erklärt der Experte. Anmeldungen sind ab sofort über die E-Mail-Adresse medienhelden@zedat.fu-berlin.de möglich. In diesem Jahr wird die BKK Mobil Oil die Kosten für 30, im nächsten Jahr für 50 Lehrkräfte und Sozialpädagogen aus Bayern übernehmen.

Perspektivenwechsel als Erfolgsrezept
„Prävention braucht Zeit“, weiß Univ.-Prof. Scheithauer. Über einen Zeitraum von zehn Wochen werden „offline“ bei den Schülern grundlegende Kompetenzen bearbeitet und gefördert. „Diese zeigen sich dann auch in einem positiven Onlineverhalten.“ Über Rollenspiele üben die Schüler, sich in andere hineinzuversetzen. Im geschützten Rahmen nehmen sie verschiedene Perspektiven ein – Opfer, Täter oder Mitläufer. Sie berichten von ihren Gefühlen, Gedanken, Wünschen und Handlungsspielräumen, die sie in der jeweiligen Rolle hatten. Die Schüler erleben Reaktionen auf ihr Verhalten und lernen, zu erkennen, wann jemand zum Opfer wird und wie sie eingreifen können. „Sie verbessern ihre Handlungskompetenzen und bekommen Bestätigung für ihre Mitarbeit. Dies bereitet auch Spaß, das Klassenklima wird besser und wir erleben nachweislich weniger Schulhofmobbing.“

Sichere Social-Media-Profile und ein Elternabend
Darüber hinaus bringen sich Schüler bei „Medienhelden“ gegenseitig bei, wie sie sichere Social-Media-Profile erstellen – welche Daten sie preisgeben, welche nicht. Und sie bereiten für ihre Eltern einen Elternabend vor. Hierbei erklären sie den Erwachsenen unter anderem, wie sie mit ihrem Kind reden können, damit dieses sich ihnen anvertraut und keine Angst haben muss, dass die Eltern ihm das Handy entziehen oder es von der Schule nehmen.

Statement der Münchner Leichtathletin und Sportwissenschaftlerin Christina Hering (23), mehrfache Deutsche Meisterin über 800 Meter, Olympiateilnehmerin:
„Über Cybermobbing wird derzeit so viel geredet, aber noch viel zu wenig gehandelt. Das Thema muss ernst genommen werden, denn Schüler können daran kaputtgehen. An meinem Gymnasium habe ich miterlebt, wie Schüler gemobbt wurden. Cybermobbing kann das Selbstwertgefühl von Jugendlichen enorm schwächen und ihnen die Lust auf Sport und Freizeitaktivitäten rauben. Manche igeln sich komplett zu Hause ein und ziehen sich von allen Freunden zurück. Soweit darf es nicht kommen. Wir müssen alle besser hinschauen und uns trauen, zu handeln. „Medienhelden“ ermöglicht Schülern, mit Hilfe von Rollenspielen intensiv zu üben, wie sie als Betroffene oder Beobachter am besten reagieren. Ich trage gerne dazu bei, dieses tolle Programm bekannt zu machen. Lehrer und Sozialpädagogen aus Bayern sollten die Chance nutzen, dieses Präventionsprogramm kostenfrei an ihre Schule zu holen.“

Statement von Ansgar Krümpelbeck, BKK Mobil Oil, Leiter Prävention und Gesundheitsförderung der BKK Mobil Oil:
„Cybermobbing unter Schülern nimmt stetig zu. Seelisch und körperlich können die Häme-Attacken massiven Schaden anrichten. Als Krankenkasse möchten wir einen Beitrag leisten, die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu fördern. „Medienhelden“ wirkt nachhaltig – das hat eine Längsschnittstudie bestätigt. Wir übernehmen daher gerne in diesem Jahr die Kosten für 30 und 2019 für 50 Lehrer und Sozialpädagogen für die dreitägige Fortbildung und die zugehörigen Unterrichtsmaterialien.“

Weitere Informationen unter www.bkk-mobil-oil.de/gks, www.medienhelden.info (neu ab Mitte Oktober) sowie über Gernot Goldenbaum von der Freien Universität Berlin, Telefon: 030-838 55225.

Hochkarätige Auszeichnung und Empfehlungen

„Medienhelden“ ist das Ergebnis einer von der EU geförderten Forschungskooperation zwischen Deutschland, Italien, Spanien, England, Polen und Griechenland. Beim „Europäischen Preis für Kriminalprävention“ 2015 wurde es mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Es wurde in die höchstmögliche Stufe „3 – Effektivität nachgewiesen” der „Grüne Liste Prävention“ aufgenommen und wird vom „Weißen Ring“ empfohlen.

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