Ausgaben Navigation

Ausgabe 02/2017
Sozialversicherung 02/2017
Geschäftsmann liest Zeit vor der Towe-Bridge
© Getty Images

Entsendung: Befristeter Einsatz im Ausland

Vor allem für Mitarbeiter von international tätigen Unternehmen gehören Dienstreisen und befristete Einsätze zum Arbeitsalltag. Arbeitgeber haben bei diesen Auslandseinsätzen ihrer Mitarbeiter einiges zu beachten. Besonders in der Sozialversicherung gibt es zahlreiche Sonderregelungen.

Was ist eine Entsendung?

Eine Entsendung liegt vor, wenn sich ein Mitarbeiter auf Weisung seines Arbeitgebers von Deutschland ins Ausland begibt und dort vorübergehend seine Tätigkeit ausübt. Das Gleiche gilt, wenn sich ein Mitarbeiter auf Weisung seines ausländischen Arbeitgebers vorübergehend für seine Tätigkeit aus dem Ausland nach Deutschland begibt.

Welche Regeln gelten nach Sozialversicherungsrecht?

Die Krankenkasse prüft, welche Rechtsvorschriften anzuwenden sind.

Grundsätzlich gelten die sozialversicherungsrechtlichen Regeln des Landes, in dem die Beschäftigung ausgeübt wird. Für Mitarbeiter eines deutschen Unternehmens, die befristet im Ausland arbeiten, gelten demnach die ausländischen Sozialversicherungsvorschriften.

Ausnahmen von diesem Prinzip können allerdings für Beschäftigte bestehen, die aus Deutschland ins Ausland „entsendet“ (so genannte Ausstrahlung) oder aus dem Ausland nach Deutschland „entsendet“ werden (sogenannte Einstrahlung).

Welche Rechtsvorschriften gelten, wird bei gesetzlich krankenversicherten Arbeitnehmern von der zuständigen Krankenkasse geprüft. Grundlage für die Prüfung ist ein spezieller Antragsvordruck; ein entsprechendes Formular finden Sie auf unserer Homepage unter Service/Allgemeines oder auf der Website der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA). Für privat krankenversicherte Arbeitnehmer ist die Deutsche Rentenversicherung Bund zuständig.

Ob und welche Ausnahmeregelungen anzuwenden sind, hängt insbesondere davon ab, ob die vorübergehende Auslandstätigkeit im europäischen Ausland oder einem anderen Staat ausgeübt wird.

Entsendungen ins europäische Ausland

Bei der Entsendung eines Mitarbeiters ins europäische Ausland gelten die deutschen Sozialversicherungsvorschriften weiter, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Das Unternehmen, das Mitarbeiter entsendet, übt seine gewöhnliche Geschäftstätigkeit in Deutschland aus.
  • Der Mitarbeiter ist auch während des Auslandseinsatzes weiterhin auf Rechnung des deutschen Arbeitgebers tätig.
  • Für den Mitarbeiter haben die deutschen Rechtsvorschriften vor der Entsendung mindestens einen Monat gegolten.
  • Der Auslandseinsatz dauert voraussichtlich nicht länger als 24 Monate
  • Die zeitliche Befristung ist von Vornherein festgelegt und ergibt sich beispielsweise aus einer arbeitsvertraglichen Vereinbarung oder der Art der Tätigkeit (zum Beispiel Projektarbeit).
  • Der Mitarbeiter löst keinen anderen Mitarbeiter des Unternehmens im Ausland ab.

Entsendebescheinigung A1

Ein Mann liest im Abflugterminal auf seinem Tablet.

Gelten die deutschen Rechtsvorschriften während des Auslandseinsatzes weiter, stellt die zuständige Krankenkasse die so genannte Entsendebescheinigung A1 aus. Diese Bescheinigung dient – z. B. bei Kontrollen im Ausland – als Nachweis für den Versicherungsschutz in Deutschland.

Tipps für die Praxis

Die A1-Entsendebescheinigung sollte rechtzeitig vor dem Auslandseinsatz beantragt werden, damit sie zum Einsatzbeginn des Mitarbeiters vorliegt.

Die Mitarbeiter sollten die Bescheinigung bei ihrer Tätigkeit immer mitführen, damit es bei Kontrollen zu keinen Problemen kommt.

Arbeitgeber sollten eine Kopie der A1-Entsendebescheinigung zu den Entgeltunterlagen nehmen und sechs Jahre (beginnend mit dem Jahr nach Ausstellung der A1-Entsendebescheinigung) aufbewahren.

Ein Gesetzessymbol lehnt an einer Wand.
Vorheriger artikel
Neues aus der Rechtsprechung
Die Flaggen von Großbritannien und Europa
Nächster artikel
Brexit: Keine unmittelbare Auswirkung auf die Sozialversicherung