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Ausgabe 01/2018
Sozialversicherung 01/2018
Geldscheine und Münzen
Geldscheine und Münzen

Saison-Kurzarbeitergeld

Die Geschäftstätigkeit vieler Unternehmen ist witterungsabhängig. Betriebsstörungen in Schlechtwetterperioden – insbesondere in den Wintermonaten – gehören hier zur Tagesordnung. Doch wie kann man solche Phasen überbrücken? Ein wirksames Instrument ist das so genannte Saison-Kurzarbeitgeld (Saison-Kug).

Saison-Kug – was ist das?

Das Saisonkurzarbeitergeld ist eine Leistung der Bundesagentur für Arbeit. Bei saisonalen Arbeitsausfällen in der Schlechtwetterzeit unterstützt es Arbeitgeber dabei, ihre Arbeitnehmer weiterzubeschäftigen und sie nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen zu müssen. 
 

Wer hat Anspruch?

Als Schlechtwetterzeit gilt die Zeit vom 01.12. bis 31.03.

Saison-Kug beanspruchen können Betriebe, für die der Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe, das Dachdeckerhandwerk, den Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau oder für das Gerüstbaugewerbe gilt. Der Leistungsanspruch ist auf diese Branchen beschränkt. 

Ausgezahlt wird es in der Schlechtwetterzeit, nachdem vorrangig Gleitzeit- und Arbeitszeitkonten sowie Überstunden abgebaut wurden. Als Schlechtwetterzeit gilt die Zeit vom 01.12. bis 31.03. Für Gerüstbaubetriebe besteht der Anspruch bereits ab dem 01.11.

Wie hoch ist es und wer zahlt es?

Baustellenschild im Winter

Sie als Arbeitgeber zahlen bei witterungsbedingten Arbeitsausfällen die Vergütung Ihrer Arbeitnehmer nur für die tatsächliche Arbeitszeit. Für die Ausfallzeiten wird Saison-Kug gewährt. Es beträgt 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts Ihrer Arbeitnehmer; für Arbeitnehmer mit Kindern erhöht es sich auf 67 Prozent. Einmalig gezahltes Arbeitsentgelt wird bei der Berechnung nicht berücksichtigt. 

Das Saison-Kug wird bei der örtlichen Agentur für Arbeit beantragt, von Ihnen als Arbeitgeber an Ihre Beschäftigten ausgezahlt und im Anschluss mit der Agentur für Arbeit abgerechnet.

Was passiert in der Sozialversicherung?

Die Beiträge für die Ausfallstunden werden aus 80 % des ausgefallenen Bruttoarbeitsentgelts berechnet.

Während des Leistungsbezuges bleibt die Mitgliedschaft Ihrer Arbeitnehmer in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung erhalten. Die Beiträge für die Ausfallstunden bemessen sich nach einem fiktiven Arbeitsentgelt. Sie werden aus 80 % des ausgefallenen Bruttoarbeitsentgelts mit den jeweiligen Beitragssätzen der einzelnen Versicherungszweige berechnet und sind von Ihnen allein zu tragen. Allerdings können Sie sich diese von Ihnen allein zu tragenden Beiträge von der Agentur für Arbeit (auf Antrag) erstatten lassen. Für Sie als Arbeitgeber ist das Saisonkurzarbeitergeld somit nahezu kostenneutral. 

Was gilt für die Steuer?

Saison-Kug ist steuerfrei. Es wird jedoch bei der Ermittlung des Steuersatzes berücksichtigt, der für das übrige Einkommen maßgebend ist (sogenannter Progressionsvorbehalt). Ihre Arbeitnehmer haben es deshalb in der Einkommensteuererklärung anzugeben. 

Ergänzende Leistung: Wintergeld

Haus im Winter

Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnis in der Schlechtwetterzeit nicht aus witterungsbedingten Gründen gekündigt werden kann, haben in der Bauwirtschaft Anspruch auf umlagefinanziertes Wintergeld (WG) als Zuschuss-Wintergeld (ZWG) und Mehraufwands-Wintergeld (MWG).

Das ZWG wird für jede in der Schlechtwetterzeit ausgefallene Arbeitsstunde gewährt, wenn hierfür Arbeitszeitguthaben aufgelöst und der Bezug von Saison-Kug vermieden wird. Es beträgt 2,50 Euro für jede ausgefallene Arbeitsstunde, in Betrieben des Gerüstbaus 1,03 Euro. 

Das MWG wird in Höhe von 1,00 Euro für jede in der Zeit vom 15.12. bis Ende Februar tatsächlich geleistete Arbeitsstunde erbracht. 

Beide Leistungen sind steuer- und sozialversicherungsfrei. Die Finanzierung erfolgt durch eine Umlage, die an Ausgleichskassen der jeweiligen Branche gezahlt werden. Die Umlage beträgt beispielsweise für Betriebe des Bauhauptgewerbes 2,0 % (davon 0,8 % Arbeitnehmeranteil, 1,2 % Arbeitgeberanteil). 

Fragen?

Bei Fragen zum Saison-Kug oder zum WG können Sie sich an die örtliche Agentur für Arbeit wenden. Geht es um die sozialversicherungsrechtlichen Auswirkungen dieser Leistungen, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Rufen Sie uns einfach an oder senden Sie uns eine E-Mail. Wir sind gern für Sie da.

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