Pflegerin mit alter Frau

Die Pflegeversicherung

Ein Unfall, ein Sturz oder eine schwere Erkrankung: Pflegebedürftigkeit kann viele Gründe haben. Eines ist aber immer gleich: Im täglichen Leben ändert sich vieles. Deshalb sollte man auf diesen Fall vorbereitet sein. Dabei spielt das Alter keine Rolle: Auch Menschen in jungen Jahren können durch einen Unfall plötzlich pflegebedürftig werden. Damit Pflege richtig umgesetzt werden kann, gibt es in Deutschland die Pflegeversicherung. Eine gute Sache – denn wer sich nicht mehr selbst versorgen kann, muss so die Kosten für die Pflege nicht allein tragen.

Allgemeines zur Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung ist eine Pflichtversicherung. Jeder gesetzlich oder privat Krankenversicherte ist pflegeversichert. Die Beitragssätze zur Pflegeversicherung sind gesetzlich vorgeschrieben bei allen Pflegekassen gleich und betragen aktuell 2,55 % (2,8 % bei Kinderlosen). Die Beiträge zur Pflegeversicherung sind Bestandteil der Beiträge zur Krankenversicherung und werden nicht separat eingezogen.

Pflegebedürftig kann jeder werden – zum Beispiel durch die Folgen einer Krankheit, eines Unfalls, einer frühkindlichen Schädigung oder im Alter. Pflegebedürftig ist, wer gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweist und deshalb Hilfe anderer benötigt. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können.

Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtliche sechs Monate bestehen.

Demnach wird seit dem 01. Januar 2017 der Grad der Selbstständigkeit gemessen, Zeitorientierungswerte spielen keine Rolle mehr.

Ob und in welchem Umfang Pflegebedürftigkeit vorliegt, entscheidet die BKK Pflegekasse Mobil Oil auf der Grundlage eines Gutachtens des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Die Kriterien für die Einstufung sind gesetzlich einheitlich geregelt und bei allen Kassen gleich.

Haben Sie einen Antrag auf Pflege gestellt, erhalten Sie einen vorangekündigten Besuch von einem Mitarbeiter des MDK. Der Termin findet im gewohnten Umfeld des Antragstellers statt, also meistens beim Pflegebedürftigen zu Hause.

Geprüft wird, ob und welche Voraussetzungen für die Leistungen aus der Pflegeversicherung erfüllt sind und welcher Pflegegrad vorliegt.

Die Begutachtung

Mit der Begutachtung wird der Grad der Selbstständigkeit in sechs verschiedenen Bereichen gemessen und zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Daraus ergibt sich die Einstufung in einen Pflegegrad. Die sechs Bereiche der Begutachtung sind:

  • Mobilität
    (z. B. Fortbewegen innerhalb der Wohnung, Treppensteigen)
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
    (z. B. örtliche und zeitliche Orientierung)
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
    (z. B. nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten)
  • Selbstversorgung
    (z. B. Körperpflege, Ernährung)
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
    (z. B. Medikation, Wundversorgung, Arztbesuche)
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
    (z. B. Gestaltung des Tagesablaufs, Sich beschäftigen)
Pflege_Diagramm

In den einzelnen Kriterien der Bereiche eins bis sechs bewertet der MDK die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten und vergibt für jedes erhobene Kriterium je nach Schweregrad der Beeinträchtigung Einzelpunkte. Zudem werden die Module im Verhältnis zueinander gewichtet (in Prozent), um körperliche, kognitive und psychische Beeinträchtigungen in ein Verhältnis zu stellen.

Das neue Einstufungssystem: Pflegegrade

Grundsatz des neuen Systems: Alle, die bereits Leistungen der Pflegeversicherung beziehen, erhalten diese auch weiterhin. Und das mindestens in gleichem Umfang. Die meisten erhalten sogar deutlich mehr.

Die Pflegegrade im Überblick

Pflegegrad Ausmaß der Pflegebedürftigkeit Gesamtpunkteskala
1 Geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten 12,5 bis unter 27
2 Erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten 12,5 bis unter 27
3 Schwere Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten 47,5 bis unter 70
4 Schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten 70 bis unter 90
5 Schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung 90 bis 100

 

Gestern Pflegestufe – Heute Pflegegrad

Das System der Pflegegrade gilt seit dem 01.01.2017

Wer über den Jahreswechsel von einer Pflegestufe in einen Pflegegrad übergeleitet wurde, für den gilt folgendes:

Der übergeleitete Pflegegrad bleibt auch bei einer erneuten Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung erhalten, es sei denn der Pflegegrad erhöht sich bzw. es besteht keine Pflegebedürftigkeit mehr. Niemand wird also zurückgestuft.

Außerdem sind Wiederholungsbegutachtungen bis zum 31. Dezember 2018 für übergeleitete Pflegebedürftige ausgesetzt. Natürlich sind Wiederholungsbegutachtungen auf Wunsch unserer Versicherten immer möglich, zum Beispiel wenn sich die Pflegesituation verändert hat.

 

 

Unsere Pflegeleistungen

Pflege Zu Hause

Häusliche Pflege

Menschen, die pflegebedürftig sind, möchten meistens auch weiterhin in ihrer Wohnung leben. Für sie ist es am angenehmsten, wenn sie von einem Angehörigen, Freund oder Nachbarn gepflegt werden. Das ist für Pflegebedürftige aber nur mit entsprechender Hilfe möglich. Je nach individuellem Bedarf unterstützen wir mit Sachleistungen, mit Pflegegeld oder einer Kombination aus beidem.

Sachleistungen: Pflege durch einen Pflegedienst

Wenn die tägliche Pflege nicht von freiwilligen Helfern aus dem Familien- oder Bekanntenkreis geleistet werden kann oder diese entlastet werden sollen, können Sie Pflegesachleistungen beantragen. Damit ist der Einsatz von Fachpflegekräften gemeint, die direkt mit der BKK Pflegekasse Mobil Oil abrechnen. Der Pflegebedürftige erhält also kein Geld, sondern den Gegenwert in Form von professioneller Pflege. Dabei können die Einsätze flexibel und in der Anzahl unbegrenzt nach den individuellen Bedürfnissen angefordert werden.

Pflegegeld: Pflege durch private Pflegepersonen

Bei der Unterstützung durch Angehörige, Nachbarn oder Freunde leisten wir Hilfe in Form von Pflegegeld. Dem Pflegebedürftigen steht es dabei frei, ob er das Pflegegeld als Anerkennung an die Pflegeperson weitergibt oder nicht. Grundsätzlich gilt Pflegegeld, das an einen Familienangehörigen gegeben wird, im steuerrechtlichen Sinne nicht als Einkommen und muss entsprechend nicht versteuert werden.

Kombination aus Pflegegeld und Pflege­sachleistungen

Können private Pflegepersonen aus beruflichen oder anderen Gründen nur einen Teil der Pflegeaufgaben übernehmen, ermöglicht es die BKK Pflegekasse Mobil Oil, Pflegegeld und Pflegesachleistungen zu kombinieren. Nimmt der Pflegebedürftige die ihm zustehenden Pflegesachleistungen nur teilweise in Anspruch, hat er daneben einen Anspruch auf ein anteiliges Pflegegeld. Der Anteil berechnet sich aus der Differenz zwischen dem jeweiligen Höchstbetrag der Sachleistung und dem tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag.

 

WEITERE LEISTUNGEN DER HÄUSLICHEN PFLEGE

Pflegebedürftige, die zu Hause gepflegt werden, können unter bestimmten Voraussetzungen weitere Leistungen der Pflegekasse nutzen.

  • die sogenannte Verhinderungspflege, mit der während des Urlaubs der Pflegeperson eine Betreuung sicher gestellt wird
  • Kosten für Pflegehilfsmittel und sogenannte „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“, die den Alltag erleichtern
  • teilstationäre Tages- und Nachtpflege
  • Leistungen für ambulant betreute Wohngruppen
  • zusätzliche Betreuungsleistungen
  • Unterstützung in Form von Pflegekursen für Pflegepersonen

Vollstationäre Pflege

Nicht immer ist es möglich, dass pflegebedürftige Menschen ganz oder teilweise zu Hause von einem Familienangehörigen, Freund oder Nachbarn gepflegt werden. Wenn Sie auf eine vollstationäre Versorgung angewiesen sind, unterstützen wir Sie mit pflegebedingten Aufwendungen, medizinischer Behandlungspflege und sozialer Betreuung durch das Heimpersonal, maximal jedoch den Höchstbetrag des jeweiligen Pflegegrads. Ein eventueller Restbetrag muss von den Pflegebedürftigen selbst geleistet werden.

Wir helfen bei der Suche nach Pflegeunterstützung – Der BKK Pflegefinder

BKK-Pflege-Finder

Alle Informationen, Kosten und Vertragspreise sowie Prüfberichte verschiedener Anbieter

Sie suchen nach einem passenden Pflegeheim, einem Hospiz, einem Betreuungsangebot oder einem ambulanten Pflegedienst für sich oder Ihre Angehörigen? Und wollen die verschiedenen Angebote miteinander vergleichen?

Hier finden Sie Informationen, Kosten und Vertragspreise sowie Prüfberichte der einzelnen Einrichtungen.

Pflegeberater: Experten vor Ort

Individuelle Unterstützung durch unsere Pflegeexperten

Gemeinsam mit Ihnen suchen wir für Ihre individuelle Situation die bestmögliche Lösung.

Ganz gleich, ob Sie oder Ihre Angehörigen pflegebedürftig werden: immer entsteht für das ganze soziale und familiäre Umfeld eine neue Situation, in der viele Fragen auftauchen.

Wie und wo stelle ich einen Pflegeantrag? Welche Leistungen und Hilfen gibt es? Wie kann alles optimal organisiert werden? In dieser schwierigen Situation hilft Ihnen und Ihrer Familie unser Expertenteam.

Wir unterstützen Sie bei der Antragstellung, der Organisation des Tagesablaufs, sichern passgenaue Hilfen und vermitteln Pflegedienste oder Pflegeheime. Die Pflegeberater erstellen mit Ihnen zusammen einen maßgeschneiderten Versorgungsplan und stehen bei der Umsetzung an Ihrer Seite - selbstverständlich kostenlos. Wenn Sie möchten, kommen wir zu Ihnen nach Hause und beraten Sie vor Ort.

Kundenservice BKK Mobil Oil

Betriebskrankenkasse Mobil Oil 20091 Hamburg

Was ist bei Pflege­bedürftigkeit zu tun?

Plötzlich pflegebedürftig? Lassen Sie sich von uns ausführlich und individuell beraten.

  • Lassen Sie sich von unserer Pflegekasse beraten. Mit einer Bevollmächtigung können das auch Angehörige oder andere nahestehende Personen für Sie übernehmen.
  • Stellen Sie einen Antrag bei der Pflegekasse. Diese beauftragt den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.
  • Bitten Sie Ihre Pflegeperson, bei der Begutachtung durch den MDK oder andere unabhängige Gutachter anwesend zu sein.
  • Sofern Sie es einschätzen können, teilen Sie Ihrer Pflegekasse bei der Antragstellung mit, ob Sie zu Hause oder in einem Pflegeheim gepflegt werden möchten.
  • Versuchen Sie einzuschätzen, ob die Pflege längerfristig durch Ihre Angehörigen durchgeführt werden kann und ob Sie ergänzend oder ausschließlich auf Hilfe (z. B. durch einen ambulanten Pflegedienst) zurückgreifen müssen.
  • Ist die Pflege zu Hause nicht möglich, beraten wir Sie über geeignete Pflegeheime.
  • Prüfen Sie, welche Pflegeinrichtungen für Sie in Frage kommen und vergleichen Sie Angebote und Preise.

Pflegebedarf? Wir beraten und unterstützen Sie!

  1. Beratung suchen
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