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Bewegung für Kinder - Interview mit Prof. Dr. Renate Zimmer

Mobil und entdeckungsfreudig … Das sind Wesensmerkmale von Kindern. Mit Begeisterung wenden sie sich den täglichen Herausforderungen zu. Rennen, hüpfen, über Pfützen springen und auf Bäume klettern – die Lust an der Bewegung ist vor allem in den ersten Lebensjahren groß. Langes Stillsitzen hingegen ist für Kinder eine Strafe.

Prof. Dr. Renate Zimmer ist Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) und leitet unter Anderem das Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück. Viele Veröffentlichungen und Bücher zum Thema frühkindliche Entwicklung machen sie auf dem Gebiet der Motorik-Förderung zur Expertin. Die BKK Mobil Oil hat Frau Prof. Zimmer gefragt:

Warum ist ausreichend Bewegung so wichtig für unsere Kinder?

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Frau Prof. Dr. Renate Zimmer

Bewegung ist nicht nur ein ureigenes Bedürfnis der Kinder, hier trainieren sie zudem ihre motorische Geschicklichkeit, sie üben ihren Körper, entwickeln aber auch ihre geistigen Fähigkeiten und lernen dabei eine Menge über sich selbst und ihre Umwelt. Sie machen Erfahrungen über die Gesetzmäßigkeiten der Dinge, mit oder an denen sie sich bewegen, sie gewinnen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und setzen sich mit anderen – Kindern wie Erwachsenen – auseinander.

Also brauchen Kinder viel Bewegung für eine gute Entwicklung?

Für eine gesunde körperliche, aber auch für die geistige Entwicklung ist Bewegung unerlässlich, sie unterstützt die Lernbereitschaft der Kinder und ist Voraussetzung für das psychosoziale Wohlbefinden.

Haben sich die Entwicklungsmöglichkeiten bzw. die Gelegenheiten für maßgeblich beeinflussende Spiel- und Bewegungserfahrungen im Laufe der Zeit verändert?

Straßenverkehr, dichte Bebauung, enge Wohnungen, wachsender Medienkonsum und eine immer stärker technisierte Alltagswelt schränken den Spiel- und Bewegungsraum der Kinder ein. Selbsttätigkeit und Eigenaktivität sind wichtige Voraussetzungen für das Begreifen der Welt, an ihre Stelle tritt im heutigen Lebensalltag aber mehr und mehr das passive Konsumieren. Für Körper und Bewegungserfahrungen gibt es dabei immer weniger Möglichkeiten. Dabei benötigen Kinder täglich ausreichend Bewegungsgelegenheiten, sonst können sich ihre Organsysteme, ihre Muskeln und auch ihre Sinne nicht optimal entwickeln.

Was sind die Folgen von Bewegungsmangel?

Beugen Sie Bewegungsmangel vor!

Nutzen Sie unsere Gesundheitskurse für Bewegung und Entspannung. Kinder können diese Präventionskurse bereits ab dem 6. Lebensjahr nutzen.

Die Folgen des Bewegungsmangels sind in vielen Bereichen erkennbar: Haltungs- und Bewegungsauffälligkeiten nehmen zu, bereits jedes fünfte Kind ist bei der Einschulung übergewichtig. Gerade in den ersten 6 Lebensjahren vollziehen sich grundlegende Entwicklungsprozesse, die die Basis der späteren Haltung und Leistungsfähigkeit bilden. Der heranwachsende Organismus ist besonders anfällig gegen Störfaktoren, bedingt durch Zivilisationseinflüsse wie zum Beispiel Bewegungsmangel oder falsche Ernährung. Die Folgen für die Entwicklung von Kindern sind in ihrer Tragweite heute noch gar nicht abzusehen. So führen Wahrnehmungsstörungen nicht selten auch zu Beeinträchtigungen der Konzentrations- und Lernfähigkeit in der Schule. Übergewicht setzt sich häufig auch in späteren Lebensjahren fort und ist Ursache für viele weitere Erkrankungen – unter anderem Diabetes. Mit Bewegungsmangel verbunden ist auch das Risiko für viele Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des aktiven und passiven Bewegungsapparates (zum Beispiel Muskelschwäche und Osteoporose). Auch wenn die gravierenden Folgen sich erst in späteren Lebensjahren zeigen, liegen die Ursachen oft im frühen Kindesalter.

Spielen und sich bewegen – das sind die Voraussetzungen für Gesundheit und Wohlbefinden?

Um sich gesund entwickeln zu können, brauchen Kinder tägliche Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten, bei denen sie alle Sinne einsetzen und ihren Körper üben können. Kinder brauchen ein gut ausgebildetes Wahrnehmungsvermögen, um sich mit der Welt auseinandersetzen zu können.

Wie können Eltern Kindern helfen?

Die Familie ist der Ort, wo erste Bewegungsgewohnheiten der Kinder geprägt werden. Durch eine anregungsreiche Bewegungsumwelt, durch das Schaffen vielfältiger Bewegungsmöglichkeiten auch im alltäglichen Leben und durch das Eingehen auf die kindlichen Bewegungsbedürfnisse können Eltern in hohem Maße dazu beitragen, die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder zu unterstützen. Eltern können dabei aber auch Partner und Mitspieler sein. Sie können Anregungen geben und mit dem Kind gemeinsam Spielideen entwickeln und damit die psychophysische Gesundheit ihrer Kinder positiv beeinflussen. Das Wichtigste dabei aber sind der Spaß und die Freude, die entstehen, wenn Eltern und Kinder sich gemeinsam betätigen, wenn sie miteinander spielen, Kunststücke ausprobieren und ihre Kräfte messen. So bleiben Sie und Ihre Kinder fit und mobil!

 

Buchempfehlungen von Prof. Dr. Renate Zimmer

  • Biermann, Ingrid: Turnen macht Spaß – Bewegung spielerisch fördern. Freiburg Herder 2016
  • Grüger, Constanze: Bewegungsspeile für eine gesunde Entwicklung. Münster: Ökotopia 2012
  • Hirler, Sabine: Wahrnehmungsförderung durch Rhythmik und Musik. Freiburg: Herder 2012
  • Zimmer, Renate: Kreative Bewegungsspiele. Freiburg: Herder 2015
  • Zimmer, Renate: Krippenkinder – Bewegungslandschaften (für Kinder unter drei)  Freiburg: Herder 2014
  • Zimmer, Renate: Miteinander leben – Mit Tiger und Bär. Weinheim: Beltz 2014
  • Zimmer, Renate: Wilde Spiele zum Austoben. Wie Kinder zur Ruhe kommen.  Freiburg: Herder 2017
  • Zimmer, Renate & Vahle, Fredrik: Ping Pong Pinguin – Lieder zur Sprach- und Bewegungsförderung (mit CD). Freiburg: Herder 2014

 

 

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