Zähne und Zahnfleisch ein Leben lang gesund zu erhalten, gelingt mit wenig täglichem Zeitaufwand und ist gar nicht schwierig oder teuer. Es kommt dabei nur auf eine sinnvolle Putzweise mit den geeigneten Hilfsmitteln an.
Wer mehr über seine Zähne und seinen Mund weiß, kann dies effektiver tun. Wie Ihnen das gelingt, möchten wir Ihnen im Folgenden erläutern.
Immer noch ist der Glaube weit verbreitet, dass mit fortschreitendem Alter der Zahnersatz unausweichlich wird. Das ist schlichtweg falsch: Rundum saubere Zähne machen teure Fremdkörper im Mund absolut unnötig.
Es gibt hauptsächlich zwei Krankheiten, welche unsere Zähne bedrohen: Karies („Loch“ im Zahn) und Parodontitis (Entzündung des Zahnfleischs und des Kieferknochens).
Fotos: Dr. D. Abed, J. Sedelmayer
Beide Krankheiten werden von Bakterien verursacht, die auf den Zahnoberflächen Kolonien bilden. Diese Kolonien sind der Zahnbelag, auch Plaque oder Biofilm genannt.
Die Bakterien sammeln sich hauptsächlich in den „Schmutznischen“ zwischen den Zähnen und am Zahnfleischrand an, weil diese Bereiche keiner Selbstreinigung unterliegen. Deshalb müssen wir mit der Bürste nachhelfen. Linkes Foto: die Plaque als weißlich-gelblicher Zahnbelag. Auf dem rechten Foto wurde die Plaque mit einem speziellen Farbstoff sichtbar gemacht. Sehr gut zu erkennen sind hier die typischen Schmutznischen.
Fotos: J. Sedelmayer
Wird der Zahnbelag nicht entfernt, lagern sich mit der Zeit Mineralien aus dem Speichel ein - er verkalkt: Aus dem weichen Zahnbelag entsteht dadurch harter Zahnstein. Zahnstein kann man nicht mehr selbst mit Hilfe einer Zahnbürste entfernen, er muss in der Zahnarztpraxis mit speziellen Instrumenten entfernt werden. Aber so weit muss es nicht kommen, denn wenn man den Zahnbelag regelmäßig entfernt, kann auch nichts verkalken.
Die Bakterien produzieren schädliche Stoffe, welche Zähne und Zahnfleisch schädigen.
Gefährlich wird es allerdings erst, wenn wir den eigentlich harmlosen Bakterien durch unseren hohen Zuckerkonsum und/oder schlechter Mundhygiene die Gelegenheit geben, sich übermäßig stark zu vermehren. Es ist also nur eine Frage der Menge.
Immer wenn wir Zucker essen, füttern wir auch unsere „Mitbewohner“. Bestimmte zuckerverwertende Bakterienarten, die eigentlich recht harmlos sind, vermehren sich explosionsartig bei einem solchen Überangebot an Nahrung und produzieren bei der Verwertung des Zuckers krankmachende Stoffe:
Die Zellgifte greifen unser Zahnfleisch an und führen zu den Zahnfleischerkrankungen (Gingivitis und Parodontitis). Die Säuren greifen unsere Zähne an und verursachen die „Löcher“ (Karies).
Illustration: Mikroskopische Darstellung der Borsten auf einem Zahn
Die Borsten entfernen den weichen, aber sehr klebrigen Zahnbelag, der fest auf den Zahnoberflächen haftet. Die Borsten „zerschlagen“ die Kolonien (siehe Bild), das heißt die Struktur der Kolonie fällt auseinander. Dadurch wird die Zahnbelag-Masse für die nächsten Stunden außer Gefecht gesetzt, bis die Bakterien wieder eine kritische Menge erreicht haben und wir von Neuem „ran“ müssen!
Eine hundertprozentige Entfernung der Bakterien ist nicht möglich und auch gar nicht erwünscht, da ein steriler Mund äußerst ungesund wäre: Unsere Mundbewohner schützen uns vor der Invasion wirklich gefährlicher Keime, sie sind also ein Teil unserer Immunabwehr – aber eben nur bis zu einer bestimmten Menge. Wird diese überschritten, richten sie sich gegen uns.
Wichtig ist dabei natürlich, dass der Zahnbelag beim Putzen auch wirklich entfernt wird. Und genau das ist häufig nicht der Fall, wenn man einfach nur „irgendwie“ putzt.
Vielleicht kennen Sie folgende Situation: Obwohl Sie immer pflichtgemäß geputzt haben, findet Ihr Zahnarzt beim jährlichen Check trotzdem etwas. Genau hier liegt das Problem des „irgendwie Putzens“: Oftmals wird bei der Zahnpflege im guten Glauben alles richtig zu machen, vieles falsch gemacht.
Zur Verdeutlichung ein Beispiel aus dem Alltag zum Thema „Gründliche Reinigung“:
Foto: Dr. R. Farhumand nach einer Idee von J. Sedelmayer
Würden Sie Ihre Schuhe auf diese unsinnige Weise putzen? Übertragen auf unser Gebiss sieht es so aus:
Bild: J. Sedelmayer
Trotz wunderbar frischem Geschmack werden Zähne und Zahnfleisch krank, denn jede Fläche, die man nicht erreicht, wird krank, und das angrenzende Zahnfleisch auch.
Alles Putzen nützt nichts, wenn der Zahnbelag dabei nicht entfernt wird. Der größte Teil der Bakterien befindet sich in den Zahnzwischenräumen, wo die Zahnbürste gar nicht hinkommt. Und um den Zahnfleischrand zu säubern, müssen die Borsten gezielt geführt werden. Nur die wenigen Bakterien, welche sich auf den Glattflächen befinden, werden mit dieser Putzweise entfernt.
Der verbleibende Zahnbelag in den Schmutznischen ist die Ursache von immer neuen Löchern in den Zähnen (Karies) und den Zahnfleischerkrankungen (Parodontitis).
Unsere Zähne stehen nebeneinander, daran können wir nichts ändern. Aber mit speziellen Hilfsmitteln und ihrer gezielten Anwendung bekommen Sie Ihre Zähne trotzdem rundherum sauber. Wie, das zeigen wir Ihnen auf den nächsten Seiten.
Das falsche Putzen ist nicht nur nutzlos, weil es nicht gründlich die Bakterien entfernt, sondern es kann auch die Zähne und das Zahnfleisch schädigen. Beim Zähneputzen mit einer Zahnbürste werden mehrere Zähne auf einmal geputzt. Dies hat zwei Effekte:
1. Um auch die Nischen zwischen den Zähnen mit den Borsten zu erreichen, muss man die Zahnbürste an die Zähne drücken – je härter die Borsten, desto mehr Druck ist erforderlich.
Im Bereich der vorstehenden Zahnwölbungen entsteht dabei ein viel höherer Druck, wodurch die Zahnsubstanz mit der Zeit „weggeschrubbt“ wird. Es entstehen keilförmige Defekte. Zahnpasten mit hohem Schmirgelpartikelanteil (z. B. Zahnweißpasten) beschleunigen diesen Effekt.
2. Auch das Zahnfleisch zieht sich unter dem Druck der Borsten zurück, so dass nach einiger Zeit die Zahnwurzeln freiliegen.
Bilder: J. Sedelmayer
Diese so genannten freiliegenden Zahnhälse sind nicht nur unansehnlich, sondern sehr schmerzempfindlich auf Heiß/Kalt-Reize und verstärkt kariesanfällig. In der Folge werden die Zahnwurzeln dann ebenfalls von der Zahnbürste weiter „weggeschmirgelt“, da sie nicht mehr vom schützenden Zahnfleisch bedeckt sind.
Die meisten Zahnbürsten haben zu harte Borsten, um sich schon bei geringem Anpressdruck der Zahnform anzupassen. Der Zahnbelag ist weich, man braucht also keine harten Borsten für die Entfernung. Harte Borsten in Kombination mit zu hohem Anpressdruck und der „Schrubb-Technik“ schädigen mit der Zeit Zahnfleisch und Zähne.
Putztechnik Zahnbürste (Film mit freundlicher Unterstützung der Firma Curaden AG)
Kurz gesagt: Rundum alle Flächen putzen, und zwar sanft – ohne Zahn und Zahnfleisch zu schädigen. Am besten jeden Zahn einzeln. Für die Glattflächen gibt es zwei Lösungsansätze:
1. Sie möchten mit einer Zahnbürste mehrere Zähne auf einmal putzen
Dafür sollte Ihre Zahnbürste
- sehr weiche Borsten haben, da sich diese schon bei geringem Druck der Zahnform anpassen können und einen schwachen „Schmirgeleffekt“ haben. Der Zahnbelag ist weich, man braucht keine harten Borsten für die Entfernung.
- einen möglichst kleinen Kopf haben, um auch Nischen und schwierige Bereiche gut zu erreichen.
- viele und dicht stehende Borsten haben – je mehr Borsten, desto größer die Reinigungsleistung.
Wichtig: Tauschen Sie Ihre alte Zahnbürste aus, sobald die Borsten sich nach außen gebogen haben. Grund: Die Reinigungsleistung ist dadurch herabgesetzt.
Halten Sie die Zahnbürste schräg halb auf Zahn - halb auf Zahnfleisch, so dass die Borsten den Zahnfleischsaum gut erreichen können. Die Bürste mit kleinen kreisenden Bewegungen und wenig Druck entlang der Zahnreihe führen (siehe Film).
Putztechnik Singlebürste (Film mit freundlicher Unterstützung der Firma Curaden AG)
2. Sie möchten perfekt und sanft jeden Zahn einzeln reinigen
Dafür brauchen Sie eine Einbüschelzahnbürste, auch Solo- oder Singlebürste genannt, die elegant um jeden einzelnen Zahn herum geschwenkt werden kann.
Foto: Firma Curaden AG
Wichtig: Sie benötigen keine Zahncreme und brauchen auch kein Badezimmer. Sie können diese Technik wo und wann immer Sie möchten anwenden – auch nur gelegentlich wenn Sie Zeit und Lust haben, beispielsweise in Ergänzung zum konventionellen Zähneputzen, wenn Sie auf das Frischegefühl der Zahncreme (noch) nicht verzichten möchten.
Ihre Benutzung ist zunächst ungewohnt und scheint komplizierter als sie in Wirklichkeit ist. Nach ein paar Anwendungen, zum Beispiel bequem vor dem Fernseher, werden Sie feststellen, wie einfach diese Technik ist und möchten das saubere Gefühl nicht mehr missen.
Vorteile:
- Diese Putzweise ist sehr effektiv: Sie erreichen bequem alle Glattflächen
- Sehr schonend: Die Borsten werden an der Zahnwölbung entlang geführt, die Zahnsubstanz wird nicht geschädigt. Die Borsten streifen nur sanft den Zahnfleischrand, das Zahnfleisch wird nicht geschädigt
Bild: J. Sedelmayer
Tipp: Putzen Sie bewusst mit dem Tastsinn (Tastgefühl am Zahnfleisch und Zunge). Die nicht einsehbaren und daher meist vernachlässigten hinteren und inneren “Schattenbereiche” können ebenso gründlich gereinigt werden wie die im Spiegel sichtbaren vorderen Außenflächen.
Zungentest (Film mit freundlicher Unterstützung der Firma Curaden AG)
Machen Sie den Zungentest: Die Zunge ist ein gutes Kontrollinstrument für saubere Zähne, sie fühlt raue/pelzige Zahnoberflächen sofort. Putzen sie so lange, bis die Zähne glatt sind – „dass es quietscht“, und nicht länger.
Für die Gesundheit sind glatte Zähne entscheidend, nicht weiße. Und lassen Sie sich auch nicht vom frischen Zahnpastageschmack täuschen – der sagt nichts über den Sauberkeitsgrad Ihrer Zähne aus.
Foto: Firma Curaden AG
Fragen Sie auch hier Ihre Zunge – Sie weiß, wann es Zeit zum Zähneputzen ist. Am besten 2x täglich (morgens und abends), spätestens jedoch nach 24 Stunden, wenn die Plaque wieder eine kritische Menge erreicht hat.
Sie sind die schmutzigste Stelle. Hier gibt es keine Selbstreinigung und sie sind mit einer Zahnbürste überhaupt nicht zu erreichen. Aber sie haben die tägliche Reinigung am dringendsten nötig, denn die Bakterien können hier ungestört in großen Mengen Säuren und Gifte produzieren. Daher entstehen hier die meisten Löcher und auch die gefürchteten Zahnfleischerkrankungen. Das Ganze passiert unbemerkt, weil es zunächst keine Schmerzen verursacht und nicht sichtbar ist, außer auf dem Röntgenbild.
Es gibt zwei Hilfsmittel:
1. Zahnseide
Foto: Firma Curaden AG
Zahnseide ist zu Unrecht sehr unbeliebt, denn wenn man weiß, wie es geht, ist es eigentlich ganz schnell und einfach gemacht (siehe Film). Bei sehr engen Zahnzwischenräumen die einzige Möglichkeit der Reinigung.
Tipp: Den Faden zu einem Ring verknoten (siehe Film), dann ist er einfach zu halten bzw. zu bewegen. Die Zahnseide muss auf jeden Fall sehr kurz gehalten und sanft bewegt werden, damit sie nicht das Zahnfleisch verletzen und Rillen in den Zahn wetzen kann.
Einziges Manko: Im Seitenzahnbereich sind die Zähne wie unten im Bild geformt, die Zahnseide kann hier nicht alle Bereiche effektiv reinigen. Trotzdem: Besser nur die Zahnseide als gar keine Reinigung.
Anwendung Zahnseide (Film mit freundlicher Unterstützung der Firma Curaden AG)
2. Zahnzwischenraumbürstchen
Die Bürstchen (auch Interdentalbürstchen genannt) sind einfach zu handhaben und führen schnell zum Erfolg.
Foto: Firma Curaden AG
Tipp: Fahren Sie täglich mit der Interdentalbürste in jeden Zahnzwischenraum: einmal hinein, einmal hinaus – das genügt. Sie brauchen also nicht mehrmals hin und her zu bürsten.
Anwendung Zahnzwischenraumbürstchen (Film mit freundlicher Unterstützung der Firma Curaden AG)
Wichtig: Unsere Zahnzwischenräume sind unterschiedlich groß, daher gibt es die Bürstchen auch in unterschiedlichen Größen. Da der Erfolg entscheidend von der korrekt gewählten Bürstengröße abhängt, empfehlen wir Ihnen, sich Ihre richtigen Größen im Rahmen einer Prophylaxebehandlung beim Zahnarzt ausmessen zu lassen. Zu groß gewählte Bürstchen bzw. ihre falsche Handhabung kann im ungünstigsten Fall mehr schaden als nützen.
Foto: Firma Curaden AG
Zahnfleischbluten ist ein Zeichen dafür, dass das Zahnfleisch entzündet ist. Die Bakterien reizen das Zahnfleisch und es entstehen kleine offene Wunden, die dann bei Berührung, z. B. durch die Zahnbürste oder bei der Verwendung von Zahnseide und Zahnzwischenraumbürstchen, bluten. Wenn Sie diese regelmäßig und korrekt anwenden, verheilt Ihr Zahnfleisch schon nach wenigen Tagen und Sie sehen den Erfolg Ihrer Bemühungen, wenn das Zahnfleischbluten verschwindet.
Wichtig: Aus der Zahnfleischentzündung (medizinisch: Gingivitis) kann sich im Laufe des Lebens die Parodontitis (Erkrankung des Zahnfleisches und Kieferknochens – also des gesamten Zahnhalteapparates) entwickeln. Wenn eine Parodontitis zu spät erkannt oder nicht behandelt wird, ist Zahnverlust die Folge. Zahnfleischbluten daher unbedingt ernst nehmen.
Bilder: J. Sedelmayer
Foto: Firma Curaden AG
Auch wenn die richtige Putzweise einfach und verständlich ist, kann es sich kaum einer selbst beibringen, weil die neuen Bewegungsabläufe beim Putzen und der Einsatz von Bürstchen oder Zahnseide erst eingeübt werden müssen. Eine falsche Handhabung der Hilfsmittel kann mehr schaden als nützen (Putzdefekte). Ähnlich wie in einer Fahrschule, wo das Autofahren erlernt und geübt wird, können Sie in einer Zahnarztpraxis im effektiven Zähneputzen „unterrichtet" werden. Hier wird stets auf Ihre individuellen Besonderheiten eingegangen, denn jeder Mensch ist anders und jedes Gebiss auch.
Die Mundgesundheit steht auch in enger Verbindung zur Gesundheit des ganzen Körpers. So kann beispielsweise eine Parodontitis als chronische Entzündung eine negativen Wechselwirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall), Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen, rheumatische Erkrankungen und Nierenerkrankungen haben. Es gibt auch Hinweise, dass eine chronische Entzündung während der Schwangerschaft zu Komplikationen (Risiko Frühgeburt) führen kann.
Umso wichtiger ist es, Zahn- und Munderkrankungen vorzubeugen.
Wenn ein Zahn erst einmal eine Füllung oder eine Krone bekommen hat, ist er noch anfälliger für die Bakterien, denn der Übergang zwischen Restauration und Zahnsubstanz ist immer eine Schwachstelle, entweder in Form eines Randspaltes oder als überstehende Kronenränder.
So hauchdünn diese auch sein mögen, für die Bakterien sind sie eine schöne Nische, um sich ungestört anzusiedeln. Diese Zähne bedürfen also einer besonders gründlichen Pflege für eine möglichst lange Haltbarkeit der Restauration.
Zwar können die Bakteriengifte dem Implantat selbst nichts anhaben, aber dem Zahnfleisch und Kieferknochen sehr wohl. Diese müssen fest und gesund sein, damit sie dem Implantat dauerhaft Halt geben können. Ansonsten droht der vorzeitige Verlust des Implantats durch die Entzündung des umgebenden Kieferknochens, der so genannten Periimplantitis.